Iserlohn geht neue Wege bei der Eigenheimförderung

Foto: Martina Dinslage
Was wir bereits wissen
Mit zinsfreien Darlehen bis in fünfstellige Höhe will die Stadt Iserlohn mehr junge Familien anziehen. Bei der Eigenheimförderung ist das ein Spitzenwert in der Region.

Iserlohn.. Um die Einwohnerzahl vor dem Schrumpfen zu bewahren und den Unternehmen zu helfen, ihren Arbeitskräftebedarf zu sichern, gehen Städte und Gemeinden in Südwestfalen ungewöhnliche Wege. Eigenheimförderung heißt das Zauberwort, um nicht nur Familienfreundlichkeit zur Schau zu stellen, sondern sie mit handfesten finanziellen Vorteilen für junge und nicht mehr ganz so junge Familien zu verbinden. Seit jüngstem hat sich die Stadt Iserlohn an die Spitze der Bewegung gesetzt. Maximal 30.000 Euro spendiert sie als zinsfreies Darlehen an Alleinerziehende oder Lebensgemeinschaften mit einem oder mehreren Kindern von maximal fünf Jahren in einer kritischen Einkommenssituation.

Kind ist Voraussetzung

„Voraussetzung ist die Geburt eines Kindes“, erläutert der zuständige Iserlohner Stadtkämmerer Friedhelm Kowalski. Er meint, dass den größer gewordenen Familien in einem Neu- oder Altbau, in einem Haus oder einer Eigentumswohnung ein bestimmter Betrag als Untergrenze zum Leben bleiben muss, wenn etwa nach einem Hauskauf finanzielle Probleme auftauchen, was trotz der niedrigen Zinsen nicht selten passiert.

Diese Geldentnahme aus dem städtischen Haushalt funktioniert allerdings nur in einer Stadt mit halbwegs sauberen Finanzen. „Wir haben einen ausgeglichenen Haushalt“, betont Kowalski. „Sonst ginge das auch gar nicht.“ Die Stadt ist seinen Worten zufolge auch bereit, in der Finanzierungsphase mit den Banken eine Zusage zu geben - dann können die Antragsteller auf eine bessere Bonität hoffen.

Konkret: Die Stadt steigt ein, wenn einer Alleinerziehenden und ihrem Kind weniger als 1000 Euro zum Leben bleiben. Der Betrag steigt mit jeder Person um 255 Euro, erklärt Kowalski. Eine Familie mit zwei Kindern liegt demnach bei einer Grenze von 1510 Euro. Und bei drei Kindern kann die Familie sofort 30 000 Euro haben.

Familienfreundlichkeit

„Wir wollen das Wort Familienfreundlichkeit nicht nur im Mund führen“, betont der Stadtkämmerer die Vorteile für beide Seiten: „Wir wollen die Einwohner an die Stadt binden - mit Eigentum ist das einfacher.“ Zudem arbeiteten in Iserlohner Unternehmen viele Einpendler. „Wenn jemand mit einem Bein in Iserlohn steht, warum zieht er dann nicht das zweite nach?“

Die Stadt Iserlohn sieht ihr Modell der Eigenheimförderung als Solitär in Nordrhein-Westfalen. Andere Städte und Gemeinden in Südwestfalen gewähren feste Zuschüsse oder Zuschüsse pro Kind wie etwa Breckerfeld. Oder sie verbilligen Grundstücke, die von der Stadt angeboten werden. Hemer etwa unterstützt mit einem Kinderbonus junge Familien mit Kindern im Baugebiet „Langer Graun“.Der Kaufpreis für ein Grundstück wird um 5000 Euro pro Kind reduziert - bis zu drei Kindern. Alternativ wird ein 15 000-Euro-Bonus für den Einbau von energetischen Maßnahmen gewährt.

Und die Neubaugebiete in Iserlohn? Das in Sümmern-Dahlbreite ist an der Aufnahmegrenze - mit 40 Prozent Fremdzuzug, wie Kowalski betont. Einige Baugebiete gehen an den Start - am Ortlohn-Park oder in Kalthof. Sind schon Verträge unterschrieben? Nein, aber es gibt 15 bis 20 Interessenten. Bürokratie? „Das Ganze ist in wenigen Tagen über die Bühne“, verspricht Kowalski.