In Winterberg erfüllt sich für Bob-Anschieberin Erline Nolte ein Traum

Wie ein lebendiges Teammitglied: Erline Nolte und ihr Bob.
Wie ein lebendiges Teammitglied: Erline Nolte und ihr Bob.
Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Die Bob- und Skeleton-WM in Winterberg ist für Erline Nolte eine ganz besondere - ihre Heim-WM. Mit Pilotin Stefanie Szczurek startet die Anschieberin des BSC ab Donnerstag im Zweierbob. Zuvor spricht sie über Ziele, Herzrasen und zwei Beziehungen.

Winterberg.. Nervös ist Erline Nolte vor jedem Start. Sie spricht dann nicht mehr viel, außer dass sie in den Sekunden kurz bevor es losgeht ihrer Pilotin Stefanie Szczurek ein paar anfeuernde Worte zuschreit. Doch diesmal wird die 25-Jährige noch nervöser sein, wenn am Donnerstag die ersten beiden Läufe im Zweierbob der Frauen bevorstehen. Die Bob- und Skeleton-WM in Winterberg ist schließlich eine Heim-WM für die Anschieberin des BSC Winterberg. Ein Gespräch über zwei offensichtlich ganz besondere Beziehungen.


Frage: Frau Nolte, pflegen Sie eigentlich eine besondere Beziehung zu Ihrem Bob?
Erline Nolte: Weil ich ihn auf dem Bild so liebevoll berühre? (lacht) Aber es stimmt schon: Man schließt den Bob sehr ins Herz. Er ist wie ein lebendiges Teammitglied, obwohl das ja eigentlich großer Quatsch ist. Aber als wir zum Beispiel in La Plagne gestürzt sind, waren meine ersten Gedanken trotz der Schmerzen: Hoffentlich ist dem Bob nichts passiert. War es leider - die Haube und die Achse hatten etwas abbekommen.


Wer so von seinem Sportgerät spricht, nennt es sicherlich nicht nur einfach Bob.
(lacht) Das stimmt.


Verraten Sie den Namen?
Das war das bislang einzige Mal, dass Stef und ich nicht komplett einig waren. Sie nennt ihn Engelbert, weil wir im Sommer in Oberhof so oft im Kino waren und dort immer die Werbung der Firma Engelbert Strauss mit dem Lied „The power is unstoppable“ lief. Der Spruch steht übrigens auch klein auf unserem Bob. Ich mag aber den Film „Wolken mit Aussicht auf Fleischbällchen“ so. Darin wird eine Maschine erfunden, die aus Regen Essen macht und deren Abkürzung Flitzem-deför ausgesprochen wird. Also heißt der Bob offiziell Engelbert, inoffiziell Engelbert-Flitzem-deför und ich nenne ihn heimlich Flitzem-deför. Verrückt, oder? (lacht)


Mit welchen Zielen starten Sie in die WM?
Ein richtiges Ziel haben wir eigentlich noch nicht, weil alleine die Teilnahme an dieser WM für uns so toll ist, gerade für mich. Es war mein größter Traum, die WM mit Stef zu fahren. Er ist in Erfüllung gegangen. Das Schönste wäre jetzt, wenn wir in die Top Ten kämen. Das ist realistisch. Obwohl: Unter die besten Acht zu fahren, wäre noch schöner.


Was macht der Ausdruck Heim-WM mit Ihnen persönlich?
Jedes Mal, wenn ich daran denke, bekomme ich Herzrasen und bin mega aufgeregt. Wir haben so hart für diesen Start gearbeitet... Meine erste WM - und dann auch noch in Winterberg. Toll, einfach toll.


Sind Sie und Ihre Pilotin Stefanie Szczurek beste Freundinnen?
Es gibt sicherlich Teams, die nur auf einer Arbeitsebene zusammenarbeiten. Aber bei Stef und mir ist es so, dass wir uns extrem gut verstehen. Im Sommer bin ich ganz oft zum Training bei ihr in Oberhof gewesen und habe bei ihr gewohnt. Deswegen freut es mich so sehr, dass ich mit ihr starten kann.


Wären die Medaillenchancen mit Anja Schneiderheinze als Pilotin nicht deutlich größer?
Das sieht man als Außenstehender vielleicht so, aber ich habe mit Stef extrem um dieses WM-Ticket gekämpft. Daran hängen für mich so viele Emotionen - und das ist für mich so viel mehr wert. Als wir zum Beispiel bei der EM Bronze geholt haben, sind wir beide in Tränen ausgebrochen. Ich glaube, ich würde mich über einen achten Platz mit Stef diesmal riesig freuen.


Das hört sich an, als würden Sie sich von Kindesbeinen an kennen.
(lacht) Ich fahre erst den dritten Winter bei ihr, aber von meinen ersten Europacups an habe ich alles mit ihr zusammen gemacht. Wir haben uns auf Anhieb extrem gut verstanden und das - das Menschliche - ist mir sehr wichtig. Wir sind ja den ganzen Winter jeden Tag 24 Stunden am Stück zusammen - außer wir schlafen. Dann haben wir Ruhe voreinander. (grinst)


Wie lief denn das erste Training in Winterberg?
Ganz okay. Aber wir müssen unser Material noch aufbessern. Wir sind die Einzigen im deutschen Team, die noch mit dem komplett alten Bob fahren und keine Verbesserung bekommen haben.


Warum nicht?
Das geht nach Leistung. Erstmal waren alle anderen dran und bei einem Bob hat die Zeit leider nicht gereicht - bei unserem. Jetzt müssen wir schauen, dass wir gute Kufen bekommen und das irgendwie ausgleichen können.


Wintersport Was heißt gute Kufen bekommen - eine Extra-Politur vor den ersten Rennen am Donnerstag?
Das ist eh unsere Arbeit. Jeder Pilot erhält seine Kufensätze, die vom Verband verteilt werden. Es gibt halt neue und wir werden noch testen, welche die besten sind.


Wie groß ist der Nachteil, mit dem alten Material starten zu müssen?
Es zeigt sich schon, dass das neue Material stärker ist. Sonst würden ja nicht alle Bobs damit nachgerüstet. Sie sind eindeutig schneller. Wir haben einen Nachteil, aber wir versuchen, nicht daran zu denken. Wir geben trotzdem unser Bestes, denn es war absehbar, dass bis zur WM nicht alles fertig wird.