Impulse für neues Denken beim südwestfälischen Energietag

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Was wir bereits wissen
Der Südwestfälische Energietag in Soest zeigt, wie sehr sich die Region auf dem Weg zur verstärkten Nutzung von Sonne und Windkraft bereits umgestellt hat

Soest.. „Ich habe die erste LED-Röhre entwickelt, die universell einsetzbar ist - als Ersatz für die T8-Leuchtstoffröhre.“ Joachim Schmelter lächelt unmerklich in sich hinein, als er diesen Satz sagt. Er kennt die Wirkung. Ein potenzielles Milliardengeschäft. Der Geschäftsführer der Firma Schmelter LED Technology aus Bestwig, eine von mehr als einem Dutzend ausstellender Firmen auf dem 7. südwestfälischen Energietag gestern in Soest, führt den etwas erstaunten Besucher von der Zeitung zu den Demonstrationsobjekten.

Jetzt wäre eine Sonnenbrille hilfreich. Hallenbeleuchtung, Bewegungsmelder fürs private Heim, Röhren - alles strahlt im Vergleich zu herkömmlichem Halogenlicht, als wolle man damit ein Fußballfeld ausleuchten. Und ist dabei langlebig und praktisch unzerstörbar. „90 Prozent Energieeinsparung bei deutlich mehr Leistung“, erklärt Schmelter. 10 Watt LED entsprechen 100 Watt Halogen. Schmelter liefert aus seinem 80 Mitarbeiter starken Werk in Polen rund 400 000 LED-Röhren pro Jahr. Aber nur an Firmen.

Fortschritt der Energiewende

Energieeffizienz - genau dies ist ein großes Thema des Energietages an der Fachhochschule Südwestfalen, einem wichtigen Indikator für den Fortschritt der Energiewende zwischen Hagen, Siegen und Brilon. Die meisten Aussteller kommen aus der Region, vom Software-Hersteller aus Eslohe bis zum Energieberater für Großverbraucher aus Eversberg.

Die Messe will weitere Impulse setzen für einen Umbau der Energieversorgung der Region hin zu einer höheren Effizienz, zu mehr erneuerbaren Energien sowie zu geringeren Kosten, wie der Veranstalter, Prof. Christoph Kail, erklärt. Ziel: Das Geld in der Region belassen sowie neue Arbeitsplätze zu schaffen. Und das mit Strom- und Wärmeerzeugung in Blockheizkraftwerken und dem Ausbau der Windenergie - ein heißes Eisen.

Wer bei einem Blockheizkraftwerk an einen mindestens Kleiderschrank großen Trumm denkt liegt falsch. Es ist auch ein südwestfälisches Produkt. Kleinere Exemplare zur Erzeugung von Strom und gleichzeitig Wärme aus dem Gasnetz haben die Ausmaße einer größeren Anrichte und passen in jeden Keller eines Privathauses. Dort sind sie aber meist fehl am Platze - wo soll die überschüssige Wärme hin? „Unsere Kunden sind Industrieunternehmen, aber auch Hotels, Schulen, Altenheime, Behörden und Schwimmbäder“, erklärt Franz-Josef Reuter (61), Geschäftsführer von iQma Energie, einem Zulieferer von Software und Steuerung solcher Kraftwerke aus Eslohe, der mit 13 Mitarbeitern rund fünf Millionen Euro Umsatz im Jahr erzielt. Die Hardware kommt von der Firma Atron aus Neustadt.

Energiekapazität wird genutzt

Das Prinzip ist einfach: Ein Ottomotor erzeugt mit Hilfe eines Generators Strom und Wärme. So wird die komplette Energiekapazität des Gases ausgenutzt. Etwa 40000 Euro würde das in Soest gezeigte Exemplar kosten. „In drei bis vier Jahren amortisiert sich das“, ist sich Reuter sicher.

Davon ist die Windkraftbranche weit entfernt. Die Region eignet sich für den Ausbau der Windenergie, was am Entwurf des Regionalplans abzulesen ist. Das sehen viele Bürger offenbar anders, was Volker Milk, Vize-Regierungspräsident in Arnsberg, sichtlich nervt. „Wir werden die Einwände bis zum Sommer sichten“, sagt er. Aber. „Wenn jemand ein Windrad in vier Kilometer Entfernung stört, dann kann das in Zeiten der Energiewende nicht sein. Unser Strom ist bisher aus den Kraftwerken des Reviers gekommen, jetzt muss auch Südwestfalen seinen Beitrag leisten.“

Milk räumte aber ein, bei einem Windkraft-Standort wie dem Kindelsberg bei Kreuztal den „emotionalen Faktor“ unterschätzt zu haben. „Die Energiewende ist in der Region angekommen“, resümierte er. Aber manchmal gebe es Widerstände wie gegen ein Atomkraftwerk. „Dem kann man nur begegnen, wenn sich die Bürger finanziell an den Projekten beteiligen.“