Immer mehr Kinder in Südwestfalen besuchen Privatschulen

Wenn der Schule am Ort das Aus droht, melden sich die Eltern und übernehmen die Einrichtung.
Wenn der Schule am Ort das Aus droht, melden sich die Eltern und übernehmen die Einrichtung.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Weil die Schülerzahlen zurückgehen und staatliche Einrichtungen geschlossen werden sollen, suchen Eltern nach Wegen, den Bildungsstandort zu retten.

Hagen.. Es ist keine Revolution, wohl aber ein stetiges Wachstum: Immer mehr Kinder in Südwestfalen besuchen Privatschulen. So gibt es derzeit im Regierungsbezirk Arnsberg 115 Schulen in privater Trägerschaft mit 40 937 Schülern. Im Schuljahr zuvor waren es nur 111 Schulen mit 40 768 Schülern. Ein leichtes Plus in Zeiten, da immer mehr staatliche Schulen aufgrund sinkender Schülerzahlen geschlossen werden müssen.

Waren es vor einigen Jahren noch der Pisa-Schock und das damals eher geringe Ganztagsangebot an staatlichen Einrichtungen, der den Privatschulen Zulauf brachte, so zeichnet sich derzeit ein neuer Trend ab: „Viele Eltern wollen eine wohnortnahe Schule für ihre Kinder“, erklärt Petra Stieb vom Privatschulverband NRW.

Schließung droht

Die Schule im Dorf lassen – das wollte auch Jacqueline Bila. Doch im Schulentwicklungsplan der Stadt Sundern zeichnete sich ab, dass die Antoniusschule aufgrund schwindender Schülerzahlen ab August 2015 nur noch einzügig als Teilstandort der Grundschule Hachen weiterzuführen war – und zwar voraussichtlich nur für vier Jahre. Ab 2019 drohte der Dorfschule die Schließung.

Damit wollte sich der Förderverein, dessen Vorsitzende Jacqueline Bila ist, jedoch nicht abfinden. 70 Kinder im Grundschulalter wird es den Prognosen zufolge in den kommenden Jahren in Langescheid geben. 80 bräuchte man nach Berechnungen des Experten Janbernd Wolfering, um eine Schule wirtschaftlich betreiben zu können. Das Soll von 92 Kindern, das staatliche Schulen erfüllen müssen, gilt für Privatschulen nicht.

Stadt will Konkurrenzkampf verhindern

Macht pro Jahrgang zwei bis drei Schüler, die man aus anderen Orten mit einem innovativen pädagogischen Konzept – wie bilingualem Unterricht und Bewegungsförderung – anwerben muss. Allerdings, so das Abkommen mit der Stadt, dürfen anderen Schulen in Sundern nicht so viele Kinder abspenstig gemacht werden, dass dort nicht mehr genügend Eingangklassen zustande kommen.

Im kommenden Sommer soll die Schule an den Start gehen – falls die Bezirksregierung ihre Genehmigung gibt und der Rat zustimmt, dem Förderverein das Schulgebäude zu überlassen.

Schulen Schule soll vor Ort bleiben

Kleinere Klassen, bilingualer Unterricht – das sind für Nicole Zimmer Argumente, ihre Tochter an der Schule am See anzumelden. Vor allem aber der kurze Weg dorthin: „Ich möchte, dass Sara hier in der Dorfgemeinschaft groß wird“, sagt sie. Über die Schule wolle man den Kindern ein Heimatgefühl vermitteln, ihre Identifikation mit dem Ort stärken, so auch Jacqueline Bila. Und damit auf lange Sicht weiterer Abwanderung vorbeugen.

Die Schule am Ort halten – das ist auch der Hauptgrund, warum in Olsberg-Wiemeringhausen im kommenden Schuljahr eine private Montessori-Grundschule eröffnen soll. Um die staatliche Grundschule zu erhalten fehlte schlicht der Nachwuchs. Auch Hilchenbach-Allenbach soll ab August die private „B School“ die städtische Grundschule ablösen.

25 bis 50 Euro Beitrag

Schon seit dem vergangenen Sommer gibt es in Rüthen eine private Sekundarschule. Auch hier gab es für eine staatliche Schule, die nach den Vorgaben des Landes dreizügig sein muss, schlicht nicht genügend Jugendliche in der Stadt. Man wollte aber im Ort neben dem Gymnasium ein zweites Schulangebot halten – dem demografischen Wandel zum Trotz .

25 bis 50 Euro Förderbeiträge werden die Eltern voraussichtlich an der freien Schule am See in Langscheid bezahlen müssen. So viel wie Eltern an anderen Schulen der Stadt auch entrichten müssen, wenn ihre Kinder bis zum Mittag betreut werden, rechnet Jacqueline Bila vor. Ihre Kosten bekommen die Privatschulen nämlich weitgehend aus Düsseldorf refinanziert. Zwischen 87 und 94 Prozent davon übernimmt das Land