Immer mehr Camping-Touristen zieht es nach Südwestfalen

Zeltplatz an der Sorpe in Sundern
Zeltplatz an der Sorpe in Sundern
Foto: Archiv/Blossey
Was wir bereits wissen
Südwestfalens Campingplätze verzeichnen steigende Gästezahlen – bei Wohnmobilen wie bei Zelttouristen. Auch Hotels und Pensionen sind zufrieden.

Hagen.. Südwestfalen nimmt als Urlaubsregion ständig an Beliebtheit zu, im Fokus stehen dabei stets Hotels und Pensionen. Die Übernachtung auf den Campingplätzen der Region ist nicht etwa aus der Mode gekommen, ganz im Gegenteil. Gerade jetzt, nach dem für viele langen, sonnigen Wochenende über Fronleichnam sind die Plätze in Südwestfalen für Wohnwagen, Wohnmobile oder Radler mit Zelt fast ausgebucht, wie eine kleine Umfrage unserer Zeitung beweist. Ungetrübte Idylle also? Nicht ganz, einiges hat sich im Lauf der Jahre doch verändert. Überraschend: Der Zelt-Tourismus legt wieder zu.

Zwei Drittel Dauercamper

„Wir bemerken seit drei Jahren, dass unsere Gästezahlen zunehmen“, sagt Margot Holthoff von der derzeit ausgebuchten Campinganlage Gut Kalberschnacke an der Listertalsperre, mit rund 500 Stellplätzen eine der größten Anlagen in Südwestfalen, deren Einzugsgebiet weit über NRW und die Niederlande hinausgeht. Zwei Drittel ihrer Gäste sind Dauercamper - die lassen ihren Wohnwagen die ganze Saison über an der Lister stehen und nutzen ihn im Urlaub und an den Wochenenden. „Ein Hang zum Luxus vor allem bei den Wohnwagen ist unverkennbar“, räumt Holthoff ein, aber das sei zwiespältig: „Die Leute kommen, um die Natur zu genießen, aber bitte nur mit 4-Sterne-Komfort, Strom und Wasser auf dem Platz.“

Auch der Zelt-Tourismus hat zugelegt

Auch der Zelt-Tourismus hat ihrer Beobachtung nach zugelegt: „Die Leute zeigen ihren Kindern, wie man zeltet, wie man Feuer macht.“ Darunter seien auffallend viele Akademiker, die „pädagogisch wertvolle“ Tipps vermitteln wollten. Auf der anderen Seite gebe es Wohnmobil-Besitzer, die mit ihren 200 000-Euro-Karossen vorführen und beim Übernachtungspreis ins Grübeln kämen. Hier stehen Campingplätze in Konkurrenz zu günstigeren Stellflächen der Kommunen am Stadtrand. Dort sollen dann dem Wunsch der Kommunen entsprechend Einzelhandel und Gastronomie profitieren, so Holthoff.

EU-Bericht Das, was die Listertalsperre für das Gut Kalberschnacke ist, nämlich Anziehungspunkt Nummer 1, ist ein angeschlossener Bauernhof für das Campingparadies Lippstädter Seenplatte. „Zu uns kommen viele Familien, deren Kinder dann auf dem Bauernhof spielen können“, erklärt Mitinhaberin Beate Schäfermeier. Viele übernachteten wieder in Zelten. Große Wohnmobile gebe es auch - die würden meist von Senioren gefahren, die nicht lange blieben. Auf Dauercamper will Schäfermeier nicht setzen: „Wir könnten mit ihnen den ganzen Platz vollmachen, das wollen wir aber nicht.“ Im Winter sei ohnehin geschlossen.

„Fast ausgebucht“ ist derzeit auch der Campingplatz Wannetal in Warstein mit 150 Dauer- und 60 Kurzzeitplätzen. „Pfingsten und die Tage über Christi Himmelfahrt waren super“, bestätigt Mitinhaberin Silvia Bruckner. „Die langen Wochenenden sind die Highlights des Jahres. Den Campern mit ihren Zelten reicht es ja aus, wenn es trocken ist. Und die Dauercamper sind ja sowieso hart im Nehmen.“ Campen ist eben immer noch ein wenig wetterabhängig - trotz verbesserter Materialien.

Sechs Zelte über Weihnachten

Das bestätigt auch Thomas Stracke von Camping Vossmecke in Winterberg. „Über Weihnachten standen hier sechs Zelte mit insgesamt 15 Campern.“ Stracke will vor allem die Kurzzeitauslastung seines Betriebes verbessern - von 20 bis 25 Prozent auf 40 bis 50 Prozent. Gegenwärtig überwiegen die Dauergäste.

„Verwilderte Sitten“ beschreibt dagegen ein Campingplatz-Betreiber aus dem Märkischen Kreis, der nicht namentlich genannt werden will. „Früher waren das Camper, jetzt sind das Wohnwagenbesitzer. Die frühere Hilfsbereitschaft unterereinander ist verschwunden.“ Im übrigen gehe es auf Campingplätzen zu wie in der ganz normalen Wirtschaft: „Die kleinen verschwinden, die großen werden größer. So ist das eben.“