Immer frische Blumen in der Vase

Tulpen in der Vase. Frisch sind sie schöner.
Tulpen in der Vase. Frisch sind sie schöner.
Foto: g-miner
Was wir bereits wissen
Fachhochschule Südwestfalen hat ein neues Verfahren für den Transport entwickelt. Der Strauß wird dabei durchgehend mit Wasser versorgt.

Iserlohn.. Wir Deutschen lassen gerne Blumen sprechen. Und uns das etwas kosten. Der jährliche Umsatz mit Schnittblumen liegt bei mehr als drei Milliarden Euro. Die Bundesrepublik ist weltweit der größte Blumenimporteur und Nachbar des größten Blumenexporteurs (Niederlande). Zum Muttertag wollen 1,5 Millionen Deutsche Blumen verschicken.

Und was sagen die Blumen? „Ich denke an Dich“ oder „Ich habe Dich lieb“. Das sollen sie zumindest sagen. Aber das funktioniert nicht ganz, wenn Tulpen und Narzissen allzu früh die Köpfe hängen lassen. Wenn sie wegen des Transportwegs gestresst und hinfällig ankommen. Dies zu verhindern, ist Ziel eines neuen Verfahrens, das der Iserlohner Professor Helmut Fobbe entwickelt hat. Die Fachhochschule Südwestfalen hat die Methode bereits patentieren lassen.

Eine Fettschicht

„Bei den bisherigen Transportverpackungen ist die stetige Versorgung mit Wasser nicht gegeben“, sagt der Spezialist für chemische Nanotechnologie. Es würden etwa wassergetränkte Schwämmchen genutzt, deren Fassungsvermögen gering sei. Seine Lösung sieht so aus: Ein vasen­ähnliches Kunststoffgefäß wird mit Wasser und den Blumen gefüllt. Dazu kommt eine fettähnliche Substanz, die bei 40 Grad flüssig ist, beim Abkühlen erstarrt und auf der Wasseroberfläche schwimmt. Auf die Schicht wird eine wasserhaltige Flüssigkeit aufgetragen, die zwischen den oberen Teil der Stängel dringt und sich zu einem Gel verfestigt. „Das schützt vor Beschädigungen“, erklärt Fobbe.

Zu Hause kann der oder die Beschenkte die Transportvase aufstellen oder Gel und Fett abwaschen und den Blumenstrauß in eine eigene Vase platzieren. „Das Abdichtmaterial ist preiswert, ökologisch unbedenklich und biologisch leicht abbaubar“, beschreibt der Chemiker die Vorteile.

Und das hat er sich ausgedacht, weil er so ein großer Blumenfreund ist? „Man ist an mich herangetreten“, sagt Fobbe. „Die Idee kam aus der Blumenbranche in Südwestfalen.“ Der Wissenschaftler steuerte die Detailkenntnisse bei. Zur Zeit werde ein Vermarkter gesucht; Gespräche hätten gerade begonnen.

Luftdicht verschlossen

Entwickelt wurde das System für den Transport von Blumensträußen innerhalb Deutschlands oder Europas. Da spielt das Mehrgewicht gegenüber dem heute üblichen Verfahren keine so große Rolle. Doch Fobbe könnte sich auch eine Variante für den Fernverkehr vorstellen. Immerhin kommen viele Blumen aus Kolumbien, Israel, Ecuador und Kenia nach Europa. Da würde man kleinere Vasen mit wenig Wasser wählen. Kein Problem, denn: „Die Behälter sind luftdicht abgeschlossen, da verdunstet nichts.“

Dass Rosen aus der Ferne derzeit überhaupt noch in gutem Zustand bei uns ankommen, liegt an der speziellen Züchtung: „Die Sorten sind ganz auf Robustheit ausgerichtet“, weiß Fobbe. „Der Nachteil ist, dass sie kaum noch duften. Mit dem neuen Verfahren könnte man nun zu Sorten zurückkehren, die vorher nicht transportfähig waren.“ Das wären dann wieder mehrsprachige Blumen. Die über den Geruchssinn direkt die Gefühle beeinflussen. Und um die geht es ja schließlich beim Blumenver-schenken.