Im Dorf Wimbern fallen Flüchtlinge kaum auf

Foto: privat

Wickede.. Die ersten sind vor einem Jahr gekommen. Am 15. April 2014. 62 waren es damals, 541 Mitte März dieses Jahres. 541 Asylbewerber in Wimbern, einem Dorf mit gerade 830 Einwohnern.

Als vor nunmehr bald zwei Jahren die Pläne der Arnsberger Bezirksregierung bekannt geworden sind, aus dem ehemaligen Marienkrankenhaus in Wimbern eine zentrale Unterbringungseinrichtung für Asylbewerber zu machen, waren die Sorgen groß. Im Ort und in der Stadt Wickede wurde so lebhaft diskutiert, wie an keinem anderen Ort in Südwestfalen, wo unterdessen ebenfalls Notunterkünfte und Erstaufnahmeeinrichtungen eröffnet worden sind. Wie aber sind nun, nach einem Jahr, die Erfahrungen in Wimbern?

„Unsere Befürchtungen sind nicht eingetreten“, räumt Christian Meier vom Verein „Dorf Wimbern“ ein. Im Ort bemerke man wenig von den Asylbewerbern. Die Nachbarschaft zum Kindergarten und Altenheim, die ebenfalls auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses liegen, ist gut.

Es zieht die Flüchtlinge eher nach Wickede. Zu Fuß wandern sie die dreieinhalb Kilometer in den Ortskern, immer dienstags, wenn es 30 Euro Taschengeld gegeben hat. „Das bringt dem Ort Kaufkraft“, betont Doris Christoph von der Bezirksregierung Arnsberg.

Aber auch Probleme, sagt Martin Michalzik, Bürgermeister von Wickede. Im Stadtpark sitzen bei gutem Wetter vor allem die jungen Männer zusammen, reden, trinken auch etwas. Denn in der Einrichtung in Wimbern herrscht Alkoholverbot; Gaststätten sind zu teuer.

Da habe es schon „unschöne Szenen“ gegeben, berichtet Michalzik. Eine versuchte Vergewaltigung im vergangenen Jahr nennt er. Pöbeleien, Müll im Park, Lärm. Im Sommer ist der Bürgermeister jeden Abend selbst durch den Park gegangen, hat die Männer begrüßt, sie gebeten, ruhig zu sein, ihren Müll wegzuräumen. „Das hat ein bisschen geholfen“, glaubt er.

Die Zahl der Ladendiebstähle sei im Ort gestiegen, erzählt man in der Stadt. Die Kriminalitätsstatistik der Polizei allerdings spiegelt das nicht so recht. Zwar gab es 2014 mehr Diebstähle als 2013. Aber weniger als 2012. Insgesamt ist die Kriminalitätsrate in Wickede 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent gestiegen. Woran das liege, könne man nicht mit Sicherheit sagen, räumt Meier ein. Vor allem die Zahl der Körperverletzungen hat um 56 Prozent zugenommen. Solche Sprünge in der Statistik aber gibt es immer wieder.

Weniger Polizeieinsätze

66 Mal hat es 2014 einer Aufstellung des NRW-Innenministerium in Wimbern „Polizeieinsätze im Zusammenhang mit der Flüchtlingsunterkunft“ gegeben. Viel weniger als in vergleichbar großen Einrichtungen wie Rüthen (89 Einsätze), Burbach (139) oder Hemer (110). Warum es in Wimbern bisher eher ruhig bleibt – Kai Jatzenko von den betreuenden Maltesern führt dies auf die jahrelange Erfahrung zurück, die man in Hemer gemacht hat. Und auf das Engagement vieler Ehrenamtlicher in Wimbern, Wickede, Menden. „Alle wollen den Menschen in Not helfen“, sagt auch der Bürgermeister.

Und doch passiert in Wimbern mehr als in Unna-Massen, wo es 2014 nur 25 Polizeieinsätze gab. Für Christian Meier ein Indiz, dass 500 Asylbewerber zu viele sind für das ehemalige Marienkrankenhaus, wo früher gerade einmal 250 Patienten behandelt wurden. „Unna-Massen ist viel weitläufiger.“

„Der Maßstab ist nicht gewahrt“, sagt auch Michalzik. 500 Flüchtlinge – „das ist in Ordnung für eine gewisse Zeit“, zeigt er sich angesichts der bundesweit steigenden Zahl von Asylbewerbern solidarisch. Auf Dauer hält er 250, vielleicht 300 Flüchtlinge für tragbar. „500 – das ist der Entwicklung des Ortes nicht zuträglich.“

Klagen gegen Umnutzung

Daher geht in den nächsten Wochen die Klage gegen die Nutzung des ehemaligen Krankenhauses als dauerhafte Flüchtlingsunterkunft ans Gericht. Anfang 2016 rechnet Michalzik mit einer Entscheidung. Und hofft, ein starkes Argument auf seiner Seite zu haben: Die Begründung der Regierung nämlich, dass nur das Marienkrankenhaus in NRW als Gebäude geeignet und verfügbar sei, hält er für hinfällig, nachdem im Laufe des Jahres immer mehr Einrichtungen eröffnet worden sind – und werden.