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„Ich hatte keine Perspektive mehr“

19.05.2012 | 14:00 Uhr
„Ich hatte keine Perspektive mehr“

Hagen. Musikalisch liegt er nicht mit ihnen auf einer Linie. Mirko von Massow ist ein Freund von Heavy Metal, seine Lieblingsbands sind AC/DC und Accept. Mit den Bewohnern im Altenpflegeheim Gloria III in Bochum-Gerthe singt der 25-Jährige „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens. Eine andere Welt. Alle schunkeln und klatschen mit. Seine neue Welt. „Es macht mir Spaß“, sagt der Junggeselle. Anfang Juli fängt er hier nach einem so genannten Qualifizierungspraktikum als Betreuungshelfer fest an - und ist damit zurück im ersten Arbeitsmarkt.

Der gebürtige Schwelmer gehört zu den ersten Teilnehmern, die nach einer zweijährigen Fördermaßnahme für Menschen mit körperlichen, seelischen und geistigen Beeinträchtigungen erfolgreich wieder den Weg zurück ins Berufsleben finden. Die Bundesagentur für Arbeit bietet dies in Kooperation mit der gemeinnützigen Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW), Außenstelle Hagen, an.

Dirk von Massow leidet unter einer Lernschwäche, hat Küchenhelfer gelernt und war fünf Jahre arbeitslos. Die Arbeit als Küchenhelfer gefiel ihm nicht. „Ich hatte keine Perspektive mehr.“ Bis, ja bis er an sich ganz neue Fähigkeiten entdeckte. Der Umgang mit älteren zum Teil pflegebedürftigen Menschen fällt ihm leicht, füllt ihn aus.

Seine Augen glänzen, wenn er vom Alltag im Altenheim erzählt. „Die Leute sprechen viel von früher und machen gerne Witze. Nicht selten gibt es komische Situationen, die mich zum Lachen bringen.“ Natürlich ist nicht alles lustig im Heim. „Wenn ich sehe, welche Probleme manche Bewohner haben, weiß ich, dass ich keine Probleme habe. Das ist manchmal sehr bedrückend.“ Dazu gehört es auch, sich immer wieder mit dem Tod zu beschäftigen.

Gleichwohl, ihm steht die Freude über den neuen Arbeitsplatz ins Gesicht geschrieben. Von Massow weiß, er wird gebraucht. „Er ist pünktlich, hoch motiviert, hat gute Zeugnisse und ist sehr pflichtbewusst“, lobt ihn Anke Linnemann, pädagogische Mitarbeiterin der FAW. Sieben der ersten zehn Teilnehmer haben eine feste Stelle gefunden. Eine gute Erfolgsquote. Warum das so ist? „Zum Konzept gehört der persönliche Kontakt, die persönliche Betreuung. Auf diese Weise wächst eine Verbindlichkeit, die sich positiv auswirkt“, weiß Linnemann. „Entscheidend ist auch, dass der Teilnehmer während seines Qualifizierungspraktikums einen Paten in der Firma oder in der Einrichtung hat.“

Bei Mirko von Massow ist es die Leiterin des Sozialen Dienstes im Altenheim Gloria III, Elfriede Barbasch. Sie entdeckt bei dem jungen Mann, neben seinen bekannten handwerklichen Fähigkeiten, verborgene Talente im Umgang mit den Alten. Und Elfriede Barabasch weiß, was der Neue im Stab der Mitarbeiter kann. Wie viel Mirko von Massow verdient? „Ich habe keine Ahnung“, sagt er. Anke Linnemann hilft: „Der Stundenlohn beträgt 8,60 Euro, 50 Cent über dem Mindestlohn.“

Von Joachim Karpa


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