Hoffen und Bangen beim Kölner Patrick Helmes

Das Lachen nicht verlernt: Patrick Helmes vor einem Heimspiel im September mit Trainer Peter Stöger
Das Lachen nicht verlernt: Patrick Helmes vor einem Heimspiel im September mit Trainer Peter Stöger
Foto: imago/Eibner
Was wir bereits wissen
Seit Juli fällt Patrick Helmes, Stürmer des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln, nun schon wegen eines Hüftschadens aus. Derzeit urlaubt der 30-Jährige im Süden, am letzten Tag des Jahres wird er seine Freundin heiraten und mit Zuversicht ins Rheinland zurückkehren. Wie es um seine sportliche Zukunft bestellt ist und ob er je wieder auf dem Platz stehen wird, weiß auch sein Berater Ged vom Bruch nicht genau: „Der Mensch lebt von der Hoffnung“, sagt er.

Köln..  Erstmal hat Patrick Helmes das Weite gesucht. Urlaub, raus aus dem Alltag, nur für ein paar Tage in den Süden, in die Sonne. Und vor allem: An einen romantischen Ort, der als Kulisse für seine Hochzeit taugt. Am letzten Tag des Jahres wird der Fußballer des 1. FC Köln seine langjährige Freundin Sarah, mit der er bereits eine Tochter hat, im engsten Kreise heiraten - und seine Probleme für ein paar Stunden, für ein paar Tage vergessen.

Knorpelschaden in der Hüfte lautete die Diagnose im Sommer vor dem Saison-Start. Da hatte Helmes seinen FC gerade aus der zweiten in die erste Liga geschossen. Stolz reckte er damals die Trophäe in die Höhe als wolle er sagen: Wir sind wieder da, ich bin wieder da.

Der Mann, der in Leverkusen und Wolfsburg gutes Geld verdiente, aber nie lange glücklich wurde. Der so zuverlässig seine Tore schoss, dass er eine deutsche Sturmhoffnung war, ehe er genauso zuverlässig von Rückschlägen heimgesucht wurde. So wie im Juli, als er mit seinem Herzens-Klub die Bundesliga erobern wollte.

Dem FC fehlen seine Tore. Und ihm fehlt der Fußball. Öffentliche Auftritte sind selten, der Verein schirmt seinen Star seit Monaten ab. Schließlich steht sogar Helmes’ Karriere auf dem Spiel.

Gerd vom Bruch lenkt seinen Wagen am Montag Richtung München. Termine. Er ist Siegerländer, spielte einst wie Helmes für die Sportfreunde Siegen. Seit Jahren ist er sein Berater. „Er kann seinen Job nicht machen, es ist klar, dass er darüber nicht glücklich ist“, sagt vom Bruch, während ihn die Computerstimme im Hintergrund durch das Schneetreiben navigiert. Die Reise - eine Fahrt ins Ungewisse. Wie die Lage bei Helmes. „Er hat die Trainings-Belastungen zuletzt ein wenig zurückgefahren“, sagt vom Bruch, „das hat ihm gut getan.“ Bedenklich allerdings, dass er nach Monaten der Therapie von wirklichen Belastungen noch relativ weit entfernt ist.

Am 5. Januar beginnt der FC wieder mit dem Training für die Rückrunde, drei Tage später bricht die Mannschaft nach Orlando/Florida ins Trainingslager auf. Vermutlich ohne Helmes, der zunächst leichtes Training absolvieren soll und dann auf die Reaktion seines Körpers warten wird.

Die Ungewissheit in dieser Personalie ist auch für den Klub, der in der Hinrunde nur 17 Tore geschossen hat, ein Problem. Kehrt Helmes zurück, wird es Zeit brauchen, bis er wieder fit und in Form ist. Bliebe er sicher im Krankenstand, könnte der Klub zumindest Helmes’ Gehalt für die Rückrunde sparen und bereits in einen neuen Spieler investieren. „Natürlich will der Verein wissen, was Patrick in der Rückrunde vor hat, wir sind ständig im Austausch“, sagt vom Bruch.

Was Helmes vor hätte, ist klar. Aber noch steht ihm sein Körper im Weg. Mal wieder.

Nach einem erfolgreichen Jahr in Leverkusen riss ihm 2009 das Kreuzband im linken Knie. Das kostete ihn die WM 2010. In Wolfsburg schien er sich gerade als Stürmer Nummer 1 unentbehrlich zu machen, als 2012 das Kreuzband im rechten Knie nicht mehr halten mochte. Nun wollte er mit Köln durchstarten...

Ändert sich nichts an seinem Zustand, bleibt als letzter Ausweg vor dem Karriere-Ende noch eine Operation an der Hüfte. „Das wäre unangenehm und würde länger dauern“, sagt vom Bruch. Die Saison wäre sicher dahin. Wie der Berater die Chancen auf eine Rückkehr von Helmes sieht? „Der Mensch lebt von der Hoffnung.“

Skepsis im Umfeld

In Helmes’ privatem Umfeld herrscht Skepsis. Dort heißt es, dass der Hüftschaden die Folge einer Fehlbelastung nach den beiden Kreuzbandrissen sei. Dann hätte alles bei einem Jux-Kick mit Freunden begonnen. Für den Junggesellenabschied eines Kumpels war Helmes damals, 2009, ins Siegerland gereist, hatte mitgepöhlt und sich die erste schlimme Verletzung zugezogen.

Wenn er sich nun im Urlaub von seinem Junggesellendasein verabschiedet, wird er daran nicht denken. Hoffentlich.