„Heute kocht für Sie Mario Götze“

Namensvetter: Mario Götze aus Ennepetal mit einem Trikot seines fußballspielenden „Weggefährten“
Namensvetter: Mario Götze aus Ennepetal mit einem Trikot seines fußballspielenden „Weggefährten“
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Der Mann ist eigentlich Gastronom und arbeitet heute als Koch. Sein Name: Mario Götze. Der 47-Jährige aus Ennepetal spricht genau ein Jahr nach dem Tag, als der Name Mario Götze von Rio de Janeiro aus um die Welt ging, über das WM-Finale 2014, über Fußball und das verrückte Leben mit einem so prominenten Namen.

Ennepetal..  Es ist heiß. Wie vor einem Jahr in Brasilien, als die deutsche Fußball-Nationalelf den WM-Titel gegen Argentinien gewinnt. Mario Götze trifft und macht sich an jenem 13. Juli in Rio de Janeiro unsterblich. Sein Name geht um die Welt. In Ennepetal ist er längst angekommen. Da sitzt er im Wohnzimmer an seinem Tisch: ­Mario Götze, 47 Jahre alt, Koch. Ein Gespräch über Fußball, Namen, Kuriositäten.


Mario Götze, heute vor einem Jahr war ein großer Tag für Fußball-Deutschland. Können Sie sich an das Spiel und an das Tor erinnern?
Mario Götze: Ich weiß davon gar nichts. Hass ist das falsche Wort, aber ich kann Fußball nicht ausstehen. Ich kenne keine Regel, ich habe noch nie ein Spiel aufmerksam verfolgt.
Auch nicht das WM-Finale?

Ein ganz kleines Stückchen habe ich vielleicht geguckt. Ich hatte Freunde zum Grillen eingeladen, aber die Jungs wollten nur kommen, wenn ich den Fernseher so drehe, dass man von der Terrasse draufschauen kann. Ich stand am Grill und alle haben sich von mir bedienen lassen. Das hat allen Spaß gemacht.


Als Götze eingewechselt wird oder spätestens als er das Tor schießt, muss es doch im Hause Götze in Ennepetal hoch hergegangen sein.
Ich glaube nicht mehr als an anderen Orten auch. Die Jungs haben ihre Witze mit meinem Namen schon alle gemacht. Das hat sich entspannt. Aber...


Aber?
Als das Tor gefallen war, riefen die ersten Leute hier an: „Ey, Mario, bist du es?“ Klar, sag ich, eben war ich noch in Brasilien und hab’ das Tor geschossen und jetzt sitze ich hier in Ennepetal auf der Couch. Logisch.


Wie lebt es sich ansonsten mit einem so bekannten Namen?
Es ist ganz lustig. Man kommt mit den Leuten schnell ins Gespräch, viele erinnern sich an mich und manche, die mich gar nicht so gut kennen, freuen sich trotzdem unheimlich, mich zu sehen.


An wen denken Sie?
Eine Zeit lang war ich mit dem Lkw unterwegs und habe hier in Ennepetal regelmäßig eine Firma angefahren. Da saß immer einer, der war BVB-Fan durch und durch. Der hat sich jedes Mal wie verrückt gefreut, wenn ich kam. Gut war auch, wenn ich - egal wo - abgeholte Ware quittieren musste. Zum Unterschreiben kam ich meist gar nicht, weil man vorher in Druckbuchstaben schreiben muss: Götze, Mario. Dann ging’s los: „Komm hör auf, verarschen kann ich mich alleine.“ Dann musste ich ernsthaft meinen Personalausweis holen. Und dann geht das ja weiter, weil der, der es entdeckt, seine Kollegen herbeiruft: Ey, guckt mal, hier ist der Mario Götze (lacht).

Klingt wirklich lustig.
Ist es meistens auch, manchmal sogar hilfreich. Bei einem Arzt in Schwelm habe ich angerufen und direkt einen Termin für den nächsten Tag erhalten. Ich kam rein in die Praxis und die Schwester meinte: „Hier entlang, der Arzt erwartet Sie bereits.“ Ich hatte mich kaum hingesetzt, als der Arzt mit einem schwarz-gelben Schal um den Hals reinkam, mich sah und lachte: „Ich hätte es mir denken können, aber ein bisschen hab ich schon gehofft, dass Sie der Echte sind.“


Gibt es auch eine Kehrseite?
Natürlich. Wann war die Zeit, als unser Freund so langsam ins Gespräch kam und der Hype um den BVB entstand?


In der Saison 2010/11 wurde Götze zum Stammspieler, Dortmund in dieser und der folgenden Saison Meister.
Genau, 2010. Da fingen die Leute an, hier anzurufen. Meistens sind es ja Jugendliche, die kichern und wieder auflegen. Aber wenn das 20 Mal am Tag oder mitten in der Nacht der Fall ist, dann nervt es. Irgendwann kamen hier auch Päckchen an mit Trikots und Fußballschuhen, die ich für Kinder unterschreiben sollte.


Und? Haben Sie?
Das habe ich überlegt, ja. Ich hätte den Kindern sicher eine Freude gemacht (lacht). Aber das wäre nicht ehrlich gewesen und hätte wohl dazu geführt, dass mir seine Kumpels ihre Schuhe auch noch schicken.


Wenn Sie sich nicht für Fußball interessieren: Wussten Sie am Anfang, wem die Anrufe eigentlich gelten?
Nein. Bei uns zuhause ist Fußball kein Thema. Ich habe nach den ersten Anrufen meine Tochter gefragt, was die Anrufe sollen. Nathalie war damals zehn, die hat zwar mit Fußball auch nichts am Hut, aber die wusste, dass es da diesen Fußballer von Borussia Dortmund gibt.


Sind Sie denn zufrieden mit Ihrem Namens-Doppelgänger?
Ich kann es mir ja nicht aussuchen. Manchmal, wenn ich zufällig etwas im Fernsehen über ihn sehe oder in der Zeitung entdecke, dann denke ich: Jau, hat er gut gemacht. Sein Wechsel nach München war wohl nicht so gut.


Wieso?
Da haben die Leute hier angerufen und mich beschimpft: „Du Schwein“ und so. Das war so extrem, dass wir schnell unsere Nummer wechseln mussten. Jetzt klingelt nur noch so ein-, zweimal die Woche das Telefon.


Hätten Sie Lust, den prominenten Mario Götze mal zu treffen?
Nein, hätte ich nicht. Der würde bestimmt nur über Fußball reden wollen. Das macht mir keinen Spaß.


Haben Sie mal überlegt, Profit aus der Namensgleichheit zu ziehen? Ihre Fußballschule Mario Götze würde bestimmt gut laufen.
Bei mir im Laden werben wir auch schon im Spaß: Heute kocht für Sie Mario Götze. Aber Fußball...? Basketball, Tennis, alles habe ich früher gern gemacht. Ich kann aber gar nicht sagen, wie egal mir Fußball ist.


Woher kommt das?
Keine Ahnung, mein Vater ist fußballfanatisch. Er war selber früher so eine Art Halbprofi, glaub’ ich. Der hat mich immer mitgeschleppt, aber ich habe mich zu Tode gelangweilt. Im Vereinsheim haben Sie ihm irgendwann gesagt: „Ey, Udo, kannst du bitte deinen Sohn nicht mehr mitbringen? Der beißt mir hier die ­Cola-Gläser kaputt.“


Wie bitte?
Ich hatte so lange auf dem Rand herumgebissen, bis es versehentlich wirklich kaputt brach. Aber irgendwas musste ich ja unternehmen, damit ich da nicht mehr hin musste (lacht). Mein Vater war jedenfalls hoch erfreut, als meine Schwester geboren wurde, weil die mit ihm auf der Straße gekickt hat. Und ich war froh, dass ich mich in die Küche zu meiner Mutter absetzen konnte. Daher kommt vermutlich auch meine Leidenschaft zum Kochen und Grillen.


Sind Sie nie in einem Bundesliga-Stadion gewesen?
Doch. Ein Freund hat mich einmal eingeladen. Er hatte Karten für den VIP-Bereich im Hamburger Stadion.


Und? Was hat Ihnen gefallen?
Das beste war: Es gab Spargel und dazu einen schönen Merlot.