Haushalte in Südwestfalen am Wochenende ohne Heizöl
02.02.2012 | 18:14 Uhr 2012-02-02T18:14:00+0100
Hagen/Arnsberg/Meschede. Das Heizöl wird knapp in Hagen und Südwestfalen: Durch den Kälteeinbruch ist die Nachfrage stark gestiegen. Manche Häuser mussten am Wochenende bereits ohne Heizung auskommen.
Sibirien-Hoch Cooper sorgt für eisige Temperaturen in Südwestfalen und heiße Ohren in den Büros der regionalen Heizöl-Händler. Dort stehen mancherorts die Telefone nicht mehr still. Der Kälteeinbruch hat die Brennstoff-Nachfrage kräftig in die Höhe getrieben. Und oft ist die Lieferung brandeilig, in den Kellern sind viele Tanks bis auf den letzten Tropfen geleert .
Angesichts der anhaltend hohen Preise und des zuvor milden Winters haben offenbar nicht wenige Besitzer von Ölheizungen das Auftanken hinausgezögert - und sind jetzt im wahrsten Sinne des Wortes kalt erwischt worden. „Das fing am Montag schon an. Bei vielen Kunden ist am Wochenende die Heizung ausgegangen“, berichtet Karin Mertensotto vom Hagener Mineralöl-Handel Tucht. Auch Peter Stoffels von Grüne Mineralöle in Arnsberg hat dieser Tage „viele trockene Kunden“ am Telefon.
"Wir lassen niemand frieren"
Und Udo Spindeldreher vom Mescheder Mineralölvertrieb Ernst Noeke meldet nur ganz knapp: „Ganz starke Nachfrage, alles trocken.“ Normalerweise liege die Lieferfrist derzeit bei acht bis zehn Tagen. Aber bei leeren Tanks „fahren wir rund um die Uhr“, versichert Spindeldreher noch, dann muss er auflegen: Zwei Kunden warten in der Leitung.
Auch andernorts muss niemand tagelang in einer kalten Wohnung ausharren, wie die Händler unisono versichern. „Wenn die Heizung steht, liefern wir täglich“, sagt Peter Stoffels. In der Regel müssten sich die Kunden bei Grüne in Arnsberg aber drei bis vier Tage gedulden. Bis zu einer Woche beträgt derzeit die Wartezeit beim Hagener Ölhändler Steinhoff. „Wir haben gut zu tun“, berichtet Mitarbeiterin Andrea Middel, betont aber zugleich: „Wenn Kunden in Not sind, liefern wir so schnell, wie’s eben geht.“
Was auch Karin Mertensotto versichert: „Wir lassen niemanden frieren.“ Bei Tucht hat sich der große Ansturm der ersten zwei, drei Tage mittlerweile ohnehin wieder etwas gelegt. Binnen zwei Tagen können die Hagener liefern - auch dank des großen Fuhrparks: 13 Tankwagen sind zwischen Herdecke und Gevelsberg, Schalksmühle und Hemer im Einsatz.
Keine Preissenkung in Sicht
Für Kunden, die jetzt ihre Öltanks nachfüllen müssen, wird es teuer. Nach Preisrutsch infolge der Finanzkrise ist der Heizölpreis seit nunmehr fast drei Jahren kontinuierlich gestiegen und nähert sich wieder dem Rekordniveau aus dem Sommer 2008. Und die Preisunterschiede sind gering: Bei Abnahme von 3000 Litern kosten 100 Liter bei Tucht, Steinhoff und Grüne jeweils 88 Euro. Kein Wunder, dass sich viele - ähnlich wie an der Tankstelle - auch beim Nachfüllen von Heizöl weiter zurückhalten.
„Die Leute hoffen immer, dass es noch mal günstiger wird und tanken meistens nur kleinere Mengen“, sagt Andrea Middel, was auch Peter Stoffels bestätigt: „Es pokern noch sehr viele.“ Verständlich. Aber wer dabei bis zum letzten Tropfen abwartet, könnte sich teuer verspekulieren. Und den passenden Zeitpunkt zum Nachtanken zu finden, ist Glückssache - heute mehr denn je.
Auf die alte Faustregel, dass Heizöl nach den Sommerferien am günstigsten sei, könne man sich nicht mehr verlassen, weiß Karin Mertensotto: „Das ist nur noch ein reines Börsengeschäft.“ Dass der Brennstoff absehbar spürbar günstiger wird, erwartet sie ebenso wenig wie ihre Kollegen.
Da hat es fast schon etwas Tröstliches, dass der Kälteeinbruch bisher zumindest keinen starken Preisschub ausgelöst hat. Peter Stoffels: „Im Laufe des Winters lagen die Preise auch schon höher und zwar bei höheren Temperaturen.“
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