Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Werbung in Schulen

Handelsriese muss in den sauren Apfel beißen

30.08.2012 | 18:48 Uhr
Handelsriese muss in den sauren Apfel beißen
Der Apfel, ein gesundes Lebensmittel.Foto: Dirk Bauer

Hagen/Fröndenberg.   Handelsriese Rewe wollte am Donnerstag eine Million Grundschülern einen Apfel schenken. Nachdem das hessische Kultusministerium nach Intervention der Piratenpartei Bedenken hatte, stoppte die Lebensmittelkette die Aktion.

Nach dem Willen des Handelsriesen Rewe soll es den Schülern in Deutschland jeden Tag ein bisschen besser gehen. Am gestrigen „Rewe Apfeltag“ sollten deshalb um Punkt 11 Uhr bundesweit eine Million Grundschulkinder - u.a. in der Fröndenberger Sonnenbergschule - einen Apfel geschenkt bekommen. Doch am Morgen musste der Lebensmittelkonzern in den sauren Apfel beißen und die für 500 Schulen geplante Aktion (30 in NRW) stoppen. Oder besser: von den Schule in die Märkte verlegen. Im hessischen Kultusministerium („Werbung an Schulen ist verboten!“) war nach Intervention der Piratenpartei der Rewe-„Appell, sorgsamer mit der eigenen Gesundheit umzugehen“, nicht auf Gegenliebe gestoßen.

In Köln, am Unternehmenssitz von Rewe, versteht man die Welt nicht mehr. Man habe mit dem ­Apfeltag Gutes tun wollen, sagt Sprecher Raimund Esser. Für Kinder in Deutschland, die „eines der gesündesten Lebensmittel erhalten“, und für Kinder in Ghana, für die eine Schule gebaut werden soll. Denn pro verteiltem Apfel gebe Rewe 10 Cent an die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer. Ein durchaus branchenübliches gesellschaftliches Engagement, wie einst das Beispiel einer großen südwestfälischen Brauerei zeigte, die mit dem Verkauf von Bierkisten den Regenwald retten wollte.

„Gezielte Negativkampagne“

„Eine gezielte Negativkampagne der hessischen Piratenpartei hat in den vergangenen Tagen für viel Verunsicherung gesorgt“, klagt Esser. Die Landespolitiker hätten den Eindruck zu erwecken versucht, dass Schulkinder zu Werbezwecken benutzt werden sollten. Eine völlige Fehlinterpretation der Aktion, so der Sprecher. Seit Jahren setze sich Rewe für gesunde Ernährung bei Jungen und Mädchen ein, seit Jahren engagierten sich die selbstständigen Kaufleute der Marke in Schulpartnerschaften, bei Schulkorbaktionen, mit Spenden für Schulfeste oder Tombolas oder bei der Schultütenaktion für Erstklässler (Esser: „Da kommen keine Süßigkeiten in die Tüten“).

Im NRW-Schulministerium hat es im Vorfeld des Apfeltages keine Anfrage der Rewe-Gruppe gegeben, bestätigt Pressereferentin Filiz Soytürk. Sie verweist auf §99 des Schulgesetzes („Jede Werbung, die nicht schulischen Zwecken dient, ist in der Schule unzulässig“) und auf das EU-Schulobstprogramm, an dem sich „sehr viele“ Schulen in NRW beteiligten.

Schulen ein attraktiver Markt für die Lebensmittelbranche

Nach Ansicht des Bundes- und Landesvorsitzenden NRW des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, gibt es seit längerem Bestrebungen von Seiten der Lebensmittelbranche, einen „Fuß in die Schulen zu bekommen“. Angesichts des zunehmenden Ganztagsunterrichts seien Lehranstalten ein „wachsender und interessanter Markt für alle Firmen, die frische Lebensmittel, Fertigessen oder Süßigkeiten vertreiben“.

Beckmann zufolge engagieren sich auch Geldinstitute und Krankenkassen gerne in Schulen. Er sieht die Schulleiter in der Pflicht. Sie sollten genau prüfen, welche Verpflichtungen mit einem Sponsoring („die Grenzen zur Werbung sind bisweilen fließend“) verbunden sind. Um eine gewisse Gleichbehandlung zu erreichen, schlägt der Bildungsgewerkschaftler vor, dass Gelder aus der Wirtschaft in einen „Fördertopf“ fließen, „der beim Schulträger angesiedelt ist“.

Rolf Hansmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Postmitarbeiter packt scharfe Handgranate in Pappkarton
Waffenfund
Eine scharfe Handgranate aus Beständen der Bundeswehr lag in Hagen-Kabel an der Schwerter Straße. Gefunden hat sie ein Postmitarbeiter vor den dort aufgestellten Altpapiercontainern. Zudem entdeckte er ein Magazin nebst Munition. Die Waffen packte der Mann in einen Karton und fuhr damit zur Polizei.
Jägerken von Soest beginnt Amtszeit auf Allerheiligenkirmes
Allerheiligenkirmes 2014
Was haben Musikstar Helene Fischer und Bundespräsident Joachim Gauck gemeinsam? Beides sind berühmte Persönlichkeiten, die das neue Jägerken Jens Hüttenschmidt gerne einmal treffen würde. Die Amtszeit des 28-Jährigen beginnt mit dem Start der Soester Allerheiligenkirmes 2014.
Siegen-Wittgenstein will Träger der Flüchtlingsheime werden
Asylpolitik
Der Kreis Siegen-Wittgenstein will die Trägerschaft für die Flüchtlingsunterkünfte Burbach und Bad Berleburg übernehmen. Wenn die Ankündigung von Landrat Andreas Müller auf dem SPD-Unterbezirksparteitag in Düsseldorf auf Zustimmung stößt, wäre das ein Paradigmenwechsel in der NRW-Flüchtlingspolitik.
Flüchtlingsheim in Rüthen bleibt mindestens bis Ende 2016
Flüchtlinge
Mindestens bis Ende 2016 bleibt das ehemalige Schwesternhaus der Vincentinerinnen in Rüthen im Kreis Soest Übergangswohnheim für Asylbewerber. Das haben Vertreter des Ordens und der Bezirksregierung im Beisein von Bürgermeister Peter Weiken vereinbart.
Schock für seine Freunde: Wispa lebt nicht mehr
Nachruf
Trauer um eine der liebenswertesten und ungewöhnlichsten Persönlichkeiten Hemers: Winfried Spanke, besser bekannt als Wispa, ist gestorben. Der 61-Jährige wurde am Donnerstagmittag tot in seiner Wohnung gefunden. Ein Nachruf.
Umfrage
Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Turnier für Tanzgarden im HSK
Bildgalerie
Tanzgarden
Forschung über Street Art in Siegen
Bildgalerie
Street Art
WP-Schützenköniginnen
Bildgalerie
Preisverleihung
Katastrophenübung in Brilon
Bildgalerie
Großeinsatz