Haftrichter sieht keine Fluchtgefahr
21.02.2012 | 18:56 Uhr 2012-02-21T18:56:00+0100Arnsberg/Bestwig.Die vor Wochen in Untersuchungshaft genommene Mutter des mutmaßlichen Fort-Fun-Betrügers Matthäus Ziegler, Christine Ziegler, befindet sich wieder auf freiem Fuß.
Der Haftrichter beim Amtsgericht Arnsberg hat den Haftbefehl wegen Verdachts auf Betrug überraschend nach Zahlung einer Kaution außer Vollzug gesetzt.
Der Richter sah offenbar keine Fluchtgefahr mehr, weil die 52 Jahre alte, dreifache Mutter nach Zahlung einer Kaution keine finanziellen Mittel mehr für eine Flucht habe. Zudem sollen familiäre Gründe geltend gemacht worden sein.
Die Staatsanwaltschaft Arnsberg bestätigte, dass sich Frau Ziegler nicht mehr in einer Justizvollzugsanstalt befinde, wollte aber die Entscheidung des Amtsgerichts nicht kommentieren (Oberstaatsanwalt Wolff: „Dazu sagen wir nichts“) und keine Angaben über die Höhe der Kaution machen. Nach Informationen dieser Zeitung hatte die Strafverfolgungsbehörde sich dringend für einen Fortbestand der Untersuchungshaft eingesetzt.
Die Staatsanwaltschaft Arnsberg wirft der 52 Jahre alten Unterfränkin vor, als Geschäftsführerin der „One World Group“ im vergangenen Dezember für den Kauf einer 13-Millionen-Euro-Achterbahn eine Vermittlungsgebühr in Höhe von 400 000 Euro an eine Tochterfirma kassiert zu haben und von dem Geld die Anzahlung für den Kauf des Fort Fun Abenteuerlandes in Bestwig-Wasserfall (250 000 Euro) getätigt zu haben. Als ihr Sohn unter dem Vorwurf, eine Banksicherheit für den Kauf des Freizeitparks gefälscht zu haben, schon längst festgenommen war, soll sie noch versucht haben, den Rest der Provision auf Privatkonten umzuleiten. Von Seiten der Ermittler wird die Familie Ziegler alles andere als vermögend eingestuft.
Eine Vergangenheit als Popsänger
Nach seiner Festnahme war Matthäus Ziegler in das Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg eingeliefert worden. Aus der anfänglichen Untersuchungshaft wurde alsbald eine Strafhaft im Auftrag der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg. Der 29-Jährige, der sich einst in Berlin als Popsänger versuchte und ein kurzes Intermezzo beim ehemaligen Mitmach-Fernsehsender 9Live als Moderator und Gast der Quizsendung „Geld unters Volk“ gab, war im August 2010 vom Amtsgericht Aschaffenburg zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Er soll in mehr als 200 Fällen gefälschte Banküberweisungen und Arztrechnungen benutzt haben. Die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg als Vollstreckungsbehörde hatte einen Ziegler aus gesundheitlichen Gründen gewährten Haftaufschub im Zuge der Fort-Fun-Ermittlungen widerrufen. In Berlin war Ziegler ebenfalls zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Dort wohnte der heute 29-Jährige zeitweise an einem sehr exklusiven Ort: im Sony-Center am Potsdamer Platz.
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