Gute Perspektiven für die Milchbauern

Melanie Müller (26) aus Kreuztal bedauert den Wegfall der Milchquote.
Melanie Müller (26) aus Kreuztal bedauert den Wegfall der Milchquote.
Foto: Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband
Was wir bereits wissen
Betriebe in Südwestfalen erwarten keine Probleme durch den Wegfall der Quote zum 31. März

Hagen..  Vor sieben Wochen hat die große Freiheit Einzug gehalten auf den Weiden und in den Ställen Europas: Die Milchquote ist Geschichte. Jeder Landwirt darf nun so viel produzieren, wie er will (und verkaufen kann). Aber geändert hat sich seitdem wenig. Nicht einmal der Preis. Überraschung? Eine Spurensuche bei vier Milchbauern in Südwestfalen.

„Wir waren einer der Betriebe, die dafür gekämpft haben, dass die Quote bleibt“, sagt Melanie Müller von Berghof in Kreuztal. Das hat weniger mit prinzipiellen Erwägungen zu tun als mit Investitionen aus der Vergangenheit: „Wir haben jahrelang viel Geld in den Erwerb von Lieferrechten gesteckt. Das ist jetzt weg. Mit den Mitteln hätten wir auch in den Stall oder in noch mehr Tierwohl investieren können.“ Aber nun herrscht die Freiheit des Marktes: Will Familie Müller deshalb die Produktion ausweiten? „Wir haben die Zahl der Milchkühe von 60 auf 80 erhöht“, berichtet die 26-Jährige.

Das stehe aber nicht mit dem Ende der Quote in Zusammenhang, sondern erkläre sich aus ihrem Einstieg in den Betrieb. Wie es weitergeht? „In Südwestfalen haben wir viele Familienbetriebe. Da wird keiner die Produktion verdoppeln.“

Lothar Menn aus Erndtebrück war nie ein Befürworter der Milchquote. „Sie hat den Strukturwandel nicht aufgehalten, höchstens leicht verlangsamt“, meint der 60-Jährige. Und die Entwicklung werde unaufhaltsam weitergehen: „Wir leben in der globalisierten Welt, nicht auf einer Insel.“ Das Ende der Quote also kein Einschnitt? „Wir haben heute zwei Prozent weniger Milch auf dem Markt als vor einem Jahr.“

Und das ist nicht erstaunlich? „Der Wegfall war lange bekannt. Die Betriebe haben auf den Tag hingearbeitet. In NRW gibt es kaum noch Anträge für neue Kuhställe. Das ist alles in den vergangenen fünf Jahren passiert.“

Und wie hält es Lothar Menn persönlich? „Wir haben jetzt 150 Milchkühe. Daran soll sich nicht groß etwas ändern.“ Andererseits: „Stillstand wird es nicht geben. Vielleicht müssen wir in zehn Jahren den nächsten Schritt machen und hundert Kühe mehr anschaffen.“

Heinz-Bernd Schmidt aus Brilon hat derzeit 80 Milchkühe im Stall stehen. Es wäre noch Platz für zehn weitere. Die werden im Laufe der nächsten Jahre dazukommen. Mehr sicher nicht. Und auch anderswo erwartet er keine großen Umstellungen: „Die neue Quote heißt Fläche.“ Die Landwirte müssten das Futter erzeugen und die Gülle unterbringen können. Und umstellen werde sicher keiner: „Wer aufgrund der Bodenqualität ackern kann, wird weiter ackern.“

Klaus Bauerdick (57) aus Arnsberg sieht das ähnlich: „Die Fläche ist der begrenzende Faktor.“ Oder ein begrenzender Faktor: „Meine 70 Milchkühe sind genug für eine Arbeitskraft.“ Vor fünf Jahren hat er einen neuen lichten und luftigen Stall gebaut: „Die Tiere fühlen sich wohl und der Bauer auch.“ Letzterer auch deshalb, weil er optimistisch in die Zukunft schaut: „Langfristig sehe ich gute Perspektiven für die Milchwirtschaft. Milch bleibt ein wertvolles Lebensmittel, das zunehmend im Export gefragt ist.“

Preisschwankungen auch mit Quote

Und die Preise - könnten die künftig nicht noch instabiler werden? „Starke Preisschwankungen hatten wir auch mit der Quote“, meint Melanie Müller. „Vor einem Jahr hatten wir 10 Cent mehr pro Liter“, sagt Bauerdick. Seit dem Auslaufen der Milchquote am 31. März habe sich dagegen nichts geändert. Um die 30 Cent sind es - je nach Molkerei - derzeit. „Langfristig brauchen wir schon 40 Cent“, betont Schmidt.

Gefahren für die kleinen Betriebe sieht er eher in den politischen Auflagen wie einer neuen Gülleverordnung: „Das wird vielen Kollegen zu viel. Die lassen es dann auslaufen.“ Auch Lothar Menn ärgert sich: „Angeblich will die Agrarpolitik die Kleinen stärken. Aber für Großerzeuger sind neue Investitionen in Umwelttechnik eben viel leichter zu stemmen.“