Gerd Niebaum legt Geständnis ab

Dortmund..  Gerd Niebaum, Ex-BVB-Präsident, darf weiter hoffen, trotz Betrügereien in Millionenhöhe nicht ins Gefängnis gehen zu müssen. In entspannter Atmosphäre nahm das Landgericht Dortmund am Freitag das Geständnis des 66-Jährigen entgegen. Er hatte den BVB während seiner Präsidentschaft zu sportlichen Erfolgen, aber auch fast in die Pleite geführt. Jetzt geht es um private Straftaten.

„Die Fehler tun mir leid, ich bedauere diese Regelverletzungen“, sagte er. Zuvor hatte sein Verteidiger Götz Reuker das Geständnis zu zwei besonders schwerwiegenden Vorwürfen der zehn Punkte umfassenden Anklage vorgelesen. Darin räumte der ehemalige Notar und Rechtsanwalt ein, sich 2005 zu Unrecht aus dem von ihm verwalteten Vermächtnis einer 1988 verstorbenen Frau bedient zu haben. Er hatte sich selbst ein Darlehen über fast 500 000 Euro gewährt, ohne es pünktlich zurückzahlen zu können. Laut Anklage drückten ihn damals 16 Millionen Euro private Schulden. Verteidiger Reuker betonte aber, dass Niebaum das Geld 2011 zurückgezahlt habe.

Unterschrift gefälscht

2005 hatte der Angeklagte zudem 600 000 Euro von seinem Schwager, Enkel eines Stahlindus­triellen, geliehen bekommen. Als er auch dieses Geld nicht zurückzahlen konnte, hätte der Schwager gesagt, er solle sich Zeit lassen. Als der Schwager 2008 starb, hatte Niebaum eine Fristverlängerung aufgesetzt und mit dessen Namen unterzeichnet. Dies sei ein Fehler gewesen, las Reuker vor.

Einen Teil der 600 000 Euro, nämlich 50 000 Euro, hätte er zurückgezahlt, sagt Niebaum. Das Verhältnis zu den Erben seines Jugendfreundes und Schwagers hätte sich danach entspannt. Er versprach Besserung: „Wenn ich in der Lage bin, werde ich zahlen.“

Das Motiv für diese Straftaten riss der Verteidiger in der Erklärung nur kurz an. 2005, nach Niebaums Ausscheiden beim BVB, sei es zu einer unerwarteten Situation gekommen, als der Anwalt mit seiner Kanzlei umzog. Die Kosten seien zu hoch gewesen.

Die 44. Wirtschaftsstrafkammer und Staatsanwalt Dirk Stickeln werten die Einlassung offenbar als das „umfassende Geständnis“, das Richterin Susanne Rauhaus als Voraussetzung für eine Bewährung genannt hatte. Niebaum muss nur wenige Fragen beantworten. Warum die Kosten nach dem Umzug plötzlich so hoch waren, woher das Geld für die Rückzahlung 2011 stammte, all das bleibt ungefragt.

Am kommenden Mittwoch wird es dann um die veruntreuten Mandantengelder gehen. Kleine Beträge sind es, laut Anklage insgesamt 15 000 Euro. Auch dazu will Niebaum sich geständig äußern, erwartet Reuker.

Niebaum, so wird am Freitag deutlich, hat sich zur Kooperation und Einsicht entschieden: „Ich habe mich zu diesen Handlungen verleiten lassen, was in den 30 Jahren zuvor nie geschehen ist. In diesen Handlungen kann ich mich heute nicht wiedererkennen.“