Gefährliche Keime auf Frühchenstation

Düsseldorf..  Mit nur 760 Gramm Gewicht kam Tom (Name geändert) im Januar auf die Welt. Der Geburtstermin war für Ende April ausgerechnet. Seitdem pendeln seine Eltern zwischen Krefeld und dem Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf und zwischen Hoffen und Bangen. Ihre Sorge ist noch größer geworden: Auf der Frühchenstation der Klinik hat sich ein gefährlicher Darmkeim ausgebreitet. Die Eltern werfen der Klinik vor, sie hätte den Ausbruch über Wochen vertuscht.

Es geht um VRE-Keime. Das steht für Vancomycinresistente Enterokokken. Darmbakterien, die zu den multiresistenten Keimen gezählt werden und bei geschwächten Menschen oder Frühchen lebensgefährlich sein können.

Auch bei Tom wurde der Keim jüngst festgestellt. Zwei Frühchen aus der Station sind aktuell daran erkrankt und werden mit speziellen Antibiotika behandelt. Seit März waren 13 Frühchen von dem Keim befallen, teilte Klinikvorstand Dr. Holger Stiller am Dienstag mit. Zwei Frühchen sind gestorben, der Zusammenhang mit den VRE-Keimen „kann jedoch ausgeschlossen werden“, heißt es. Laut Krankenhausvorstand habe man den resistenten Darmkeim inzwischen „erfolgreich eingedämmt“.

Doch Toms Eltern werfen der Klinik vor: „So weit hätte es nicht kommen müssen“. Sie glauben, erst weil sie Druck gemacht haben, hätte die Klinikleitung den Fall überhaupt dem Gesundheitsamt gemeldet – und zwar erst im April.

„Anfang März haben wir eine Häufung der VRE-Bakterien in der Frühchenstation festgestellt“, erklärte Stiller. Ein Frühchen sei infiziert gewesen, ein anderes von Keimen „besiedelt“. Die Station hat 24 Frühchen-Betten. Nicht alle Eltern seien über die Ausbreitung des Keims informiert worden, auch als sie die Station bereits nur in Schutzanzügen betreten durften. Man habe zunächst nur Angehörige informiert, deren Kindern von Keimen befallen waren. „Ein Fehler“, räumte Stationsleiter Dr. Martin Berghäuser jetzt ein.

Offizielle Meldung am 1. April

„Von Vertuschung kann nicht die Rede sein“, glaubt auch Klaus Göbels, Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes. Die Klinik habe bereits im März das Amt informiert, „als rechtlich dazu noch keine Veranlassung bestand“, weil damals nur ein Frühchen infiziert war, sagt Göbels. Dass die „offizielle Meldung“ der Klinik erst am 1. April erfolgt sei, ist aus Göbels’ Sicht kein Verzug. Klinik und Behörde hätten zu diesem Zeitpunkt längst Maßnahmen getroffen, um den Keim einzudämmen.

Sorgen und Ängste der Eltern „nehmen wir sehr ernst“, versichert Stiller. Man bedaure es sehr, dass sich die VRE-Keime ausgebreitet haben. Klinikpersonal und -Besucher sind angewiesen, größtmögliche Hygiene zu wahren.