Geburtsort Hagen als Makel im Arbeitszeugnis

Hagen..  Das ist wohl mit der verrückteste Streit, der vor einem Arbeitsgericht ausgetragen werden kann: Hat eine Klägerin (36) einen Anspruch darauf, dass ihr Geburtsort Hagen aus dem Arbeitszeugnis entfernt wird?(Az. 1 Ca 2432/14).

Der Fall: Es klagt eine Angestellte aus Iserlohn, die seit vielen Jahren bei einem großen Möbel-Discounter in Hagen beschäftigt ist. Die Frau – in ungekündigter Stellung – hatte sich im November von ihrem Arbeitgeber ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen. Rundum positiv liest sich die schriftliche Beurteilung.

So arbeite die Angestellte „stets zuverlässig. Sie zeichnet sich durch Verantwortungsbewusstsein, Umsicht und Genauigkeit aus. Auch besitzt sie eine gute Auffassungsgabe, erkennt das Wesentliche“. Zudem sei sie ehrlich und pünktlich.

„Die ihr übertragenen Aufgaben erfüllt sie stets zu unserer vollen ­Zufriedenheit.“ Was gibt es daran zu mäkeln? Richterin Stefanie Kröner jedenfalls beurteilt das Zeugnis so: „Es entspricht einem glatten Gut.“

Die Tücke steckt im Detail

Doch darin stecke noch eine Tücke im Detail: „Die Angabe des Geburtsortes“, findet Arbeitsrechtler Ingo Graumann (71) aus Iserlohn, „das geht gar nicht“. Der gewitzte Anwalt hat deshalb diese Zeugnisklage eingereicht: Hagen müsse aus dem Zeugnis gestrichen werden. „Niemand kann sich seinen Geburtsort aussuchen, deshalb gehört er auch nicht in eine Arbeitsbeurteilung.“

Das Magazin Focus kürte Graumann 2004 zum „empfohlenen Experten für Arbeitsrecht“. Er sagt: Wenn man in einem Ort geboren wurde, der einen negativen Ruf habe, könnte das bei einer Bewerbung durchaus ein Nachteil sein.

Ob die Klage durchgezogen wird, steht noch nicht fest. Die Richterin empfahl: „Ein bestehendes Arbeitsverhältnis sollte man nicht durch einen Rechtsstreit belasten.“