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Für Joanne K. Rowling gibt es ein Leben nach Harry Potter

27.02.2016 | 09:44 Uhr
Für Joanne K. Rowling gibt es ein Leben nach Harry Potter
Autorin Joanne K. Rowling schreibt jetzt Krimis. Foto: Debra Hurford Brown

Hagen.   Joanne K. Rowling schreibt als Robert Galbraith Krimis. Die Mutter des Zauberlehrlings taucht mit „Die Ernte des Bösen“ in tiefe Abgründe

Was macht eigentlich die erfolgreichste Autorin der Welt? Jene Schriftstellerin, die mit sieben Fantasy-Jugendbüchern zu einer phantastisch reichen Frau geworden ist? Harry Potters Mutter Joanne K. Rowling führt kein leichtes Leben, nachdem sie die Geschichte ihres Zauberlehrlings auserzählt hat. Denn alles, was sie sagt und schreibt wird sofort millionenfach im Internet verbreitet, kommentiert und kritisiert. Das macht Druck.

Doch eine Erzählerin aus Berufung kann nicht einfach in den Ruhestand gehen, selbst wenn sie mehr Geld auf dem Konto hat als die Queen. Also hat sich die heute 50-Jährige ein Pseudonym zugelegt und schreibt als Robert Galbraith Krimis um den sonderbaren Privatdetektiv Cormoran Strike. Der ist der uneheliche Sohn eines Rockstars, hat als Militärpolizist im Afghanistan-Krieg ein Bein verloren und versucht, sich mit einer Detektei über Wasser zu halten. Jetzt liegt mit „Die Ernte des Bösen“ der dritte Band der Serie vor.

Erfolg macht einsam

Rowlings erster Versuch nach Harry Potter, der Krimi „Ein plötzlicher Todesfall“ (2012), ist von der Literaturkritik mit Wonne verrissen worden, dabei handelt es sich um eine präzise beobachtete Mittelklasse-Milieustudie. In Deutschland wurde sie 300.000 Mal verkauft. Das sind Zahlen, für die die meisten Schriftsteller ihre rechte Hand geben würden, aber im Vergleich zu Potter natürlich Peanuts.

Erfolg macht jedenfalls einsam. Vielleicht war das der Grund, warum sich die Schriftstellerin das Pseudonym Robert Galbraith zulegte, um noch einmal ganz neu anzufangen. Und um zu beweisen, dass sie es kann, dass die Potter-Saga kein Zufallstreffer war.

Obschon Rowling als Urheberin rasch enttarnt wurde, sorgt ein neuer Galbraith keineswegs derart für Furore wie ein neuer Potter. Dass die Autorin im Sommer mit „Harry Potter and the Cursed Child“ ein Theaterstück herausbringt, das am 31. Juli auch als Buch erscheint, hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Robert Galbraith landet zwar regelmäßig auf den Bestseller-Listen, aber mediale Erdbeben verursacht er nicht.

Und doch wäre es gefährlich, Rowlings Neuschöpfung Cormoran Strike literarisch zu unterschätzen. Denn sie komponiert mit „Die Ernte des Bösen“ einen äußerst raffinierten Thriller, der härter ist als viele Schwedenkrimis und bei atemberaubender Spannung diverse Erzählebenen virtuos miteinander verknüpft. Der erste Strike, „Der Ruf des Kuckucks“ (2013), war eine Satire auf den britischen Jet Set mit seinen Models und Popstars, „Der Seidenspinner“ (2014) dann eine Abrechnung mit der Verlagsbranche. „Die Ernte des Bösen“ führt nun sozial steil nach unten, in trostlose Reihenhaussiedlungen, schäbige Kneipen und Massagesalons.

Cormoran Strikes Assistentin Robin Ellacott erhält ein mysteriöses Paket. Darin befindet sich ein abgetrennter Frauenunterschenkel. Wo ist der Rest der Frau? Schickt der unbekannte Absender damit eine persönliche Botschaft an den einbeinigen Privatdetektiv? Rasch gibt es drei potenzielle Verdächtige, von denen einer psychotischer ist als der andere: ein Londoner Drogenhändler und zwei durch Cormorans Mitwirkung unehrenhaft entlassene Soldaten, der eine ist ein Kinder-, der andere ein Frauenschänder.

Im Hintergrund geht es dabei stets um Versehrtheit sowie deren soziale Funktion. Strike hasst seine Verstümmelung, er verabscheut die neugierigen Blicke auf seine Prothese und die körperliche Beeinträchtigung, die damit verbunden ist. Doch er trifft Menschen, die sich tatsächlich bewusst selbst amputieren wollen und die sich, obschon völlig gesund an allen Gliedern, im Rollstuhl fortbewegen. Auch der Serienmörder ist besessen von den Körperteilen seiner Opfer.

Raffinierte Fallen und Fährten

Die gebildete Joanne K. Rowling versieht die Kapitel-Anfänge ihrer Cormoran-Strike-Romane jeweils mit Zitaten, beim „Seidenspinner“ zum Beispiel aus elisabethanischen Rachedramen. In der „Ernte des Bösen“ kommt nun die Band Blue Öyster Cult zu Wort, deren Song „Career of Evil“ dem Roman seinen englischen Titel verliehen hat. Auch versierte Krimi-Leser haben am Ende Mühe, den tatsächlichen Täter zwischen den Zeilen zu erraten, so clever sind die Fallen und Fährten ausgelegt, die nicht nur Strike und Robin für den Killer bereithalten, sondern die Autorin auch für ihr Publikum.

Dass Joanne K. Rowling wie schon bei allen Potter-Bänden über eine ausgesprochen reiche und schöne Sprache verfügt, macht die Lektüre nicht langweiliger.

Robert Galbraith, Die Ernte des Bösen, Blanvalet, 22,99 Euro

Monika Willer

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2016-02-27 09:44
Sauer und Siegerland