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Für die Flughäfen wächst die Konkurrenz am Boden

11.06.2012 | 13:44 Uhr
Für die Flughäfen wächst die Konkurrenz am Boden
Auch der Flughafen Paderborn-Lippstadt bekommt Konkurrenz.

Lippstadt/Dortmund/Kassel.   Mit dem Bau des Flughafens Kassel-Calden bekommen die Flughäfen in Dortmund, Paderborn-Lippstadt und Münster-Osnabrück neue Konkurrenz. Für 271 Millionen Euro wird der neue Flughafen in Nordhessen gebaut. Im April 2013 ist die Eröffnung. Der Bund der Steuerzahler kritisiert das Projekt scharf.

Globalis Reisen macht den Anfang. Mit zwei Flügen, am 8. und 15. April 2013, sollen Urlauber vom Flughafen Kassel-Calden nach Ercan im türkischen Teil Zyperns fliegen. Und die schwarz-gelbe Landesregierung in Hessen frohlockt.

Zehn Monate vor der Eröffnung wird die erste Verbindung in die große Welt weit verkündet. Nicht ohne Grund. Je näher der Termin rückt, desto stärker wächst die Kritik am 271-Millionen-Projekt. Der Bund der Steuerzahler Hessen hält die Füße schon lange nicht mehr still.

"Steuerverschwendung auf allerhöchstem Niveau"

„Wir waren von Anfang an dagegen“, sagt der Vorsitzende Ulrich Fried. „Das ist Steuerverschwendung auf allerhöchstem Niveau. Jetzt brüstet sich die Landesregierung, eine Fluggesellschaft gefunden zu haben, die zweimal in der Woche startet. Das ist blamabel.“

Mit Wut im Bauch sieht er, wie jeder noch so kleine Schritt auf der Baustelle gefeiert wird. Argumente für den Ärger gibt es genug. „Anfangs waren 151 Millionen Euro veranschlagt worden“, sagt Fried, „jetzt sind daraus 271 Millionen geworden. Alle werden an dieser Last tragen, und es wird die Finanzlage bei der Stadt Kassel, beim Landkreis Kassel und der Gemeinde Calden verschärfen. Es gibt sinnvollere Projekte als einen toten Flughafen zu bauen.“

Unterstützung erfährt der Bund der Steuerzahler von den hessischen Grünen. Ihre verkehrspolitische Sprecherin, Karin Müller, hält den Flughafen für eine Luftnummer und fordert Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) auf, den finanziellen Irrsinn zu stoppen: „Diese Steuergeldverschwendung muss ein Ende haben. Wenn die Schuldenbremse so aussieht, dass in Luftnummern investiert wird und bei der Daseinsvorsorge mit Bussen und Bahnen gespart wird, heißt das nichts Gutes für Hessen.“

Kritik, die an Jörg Ries, Geschäftsführer am Flughafen Kassel-Calden, abprallt. Er blickt optimistisch in den Himmel und spart mit Worten. Wie viele Passagiere er im ersten Jahr erwartet? Keine Antwort. Dafür das: „Die Bedarfsprognose weist für das Jahr 2020 eine Zahl von 640  000 Passagieren aus.“ Von einer Millionenruine zu Lasten der Steuerzahler will er nichts wissen. „Der Flughafen wird sich, wie viele andere Infrastrukturmaßnahmen, regionalwirtschaftlich rechnen.“

Auf die Frage, was Kassel-Calden besser machen wolle als die Konkurrenz, greift Ries auf den Werbetext zurück: „Gegenüber Wettbewerbern haben wir den Vorteil einer exzellenten Lage in Deutschland und einer ausgezeichneten großräumigen Verkehrsanbindung. Verbunden mit einer übersichtlichen Infrastruktur, kurzen Wegen, ausgezeichneten Angeboten für unsere Kunden erwarten wir, uns vom Wettbewerb absetzen zu können.“

"Schon heute gibt es im Luftverkehr bei den Flughäfen ein Überangebot"

Sätze, die Guido Miletic ebenfalls verkünden könnte. Der Marketingleiter am Dortmunder Flughafen wird konkreter: „Schon heute gibt es im Luftverkehr bei den Flughäfen ein Überangebot, Mit Kassel-Calden wächst das Angebot - und das bei schrumpfender Nachfrage.“ Miletic würde sich nicht wundern, wenn Billigflieger Ryanair bald in Kassel-Calden auftaucht, mit einem Lockangebot in der Tasche. Dass der Dortmunder Flughafen seine Verluste, 2011 waren es knapp 20 Millionen Euro, senken wird, hält er für unwahrscheinlich: „Von den 23 Flughäfen in Deutschland lässt sich vielleicht ein halbes Dutzend lukrativ betreiben.“

Der Flughafen Paderborn-Lippstadt will nach dem Verlust von insgesamt 2,5 Millionen Euro in den Jahren 2009 bis 2011 wieder dazugehören. Für die neue Konkurrenz vor der Haustür fehlt Geschäftsführer Elmar Kleinert jegliches Verständnis: „Es gibt keinen Bedarf. Mir ist schleierhaft, wie Politiker hier Steuergelder verschwenden.“ Kassel-Calden werde alles unternehmen, um über den Kauf von Luftverkehr, den Nachweis zu erbringen, das er benötigt werde: „Mit Kassel-Calden geht der regionale Subventionswettbewerb in eine neue Runde.“

Das Bundesverkehrsministerium hält sich angesichts dieser Fehlentwicklung bedeckt. Sprecher Ingo Strater: „Der Bund macht den Ländern keine Vorgaben, welche Standorte sinnvollerweise betrieben werden sollten.“

Warum auch? Zwei Maschinen für 135,5 Millionen Euro. Schilda heißt Globalis willkommen.

Joachim Karpa

Kommentare
12.06.2012
05:22
Für die Flughäfen wächst die Konkurrenz am Boden
von xxyz | #3

Dann müssen zwingend die steuern erhöht werden. Die flughafen dortmund, Hannover, paderborn, Frankfurt,erfurt liegen alle in der Nähe. Es gibt Dinge die braucht kein Mensch.

11.06.2012
15:16
Für die Flughäfen wächst die Konkurrenz am Boden
von Urdortmunder | #2

Andere Städte, gleiche Probleme.

Egal ob rot, oder gelb-schwarz, das Ergebnis bezahlen immer die Steuerzahler...

11.06.2012
14:09
Wenn diese Möchtegern-Staatshanseln . . .
von SchwarzerRitter | #1

. . . mal richtig wichtig sein wollen, dann sollen sie was Vernünftiges auf die Beine stellen und nicht unsere Steuergelder verplempern! Politiker sollten endlich für ihre Fehlentscheidungen persönlich in Regreß genommen werden können - dann hört solch ein Großmanns-Gehabe von ganz allein auf!

1 Antwort
Für die Flughäfen wächst die Konkurrenz am Boden
von Ismet | #1-1

@SchwarzerRitter
Glauben Sie allen Ernstes das eine Krähe der anderen ein Auge aushackt?
Ausserdem, hier stehen Arbeitsplätze zur Debatte. Das totschlagargument in Deutschland.
In Deutschland gibt es knapp 12Mio Menschen, die von Hartz 4 oder mit einem Lohn der knapp über Hartz 4 Niveau liegt Leben. Diese werden es sicherlich Begrüßen, das es einen neuen Flughafen gibt.
In diesem Sinne...

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2012-06-11 13:44
Flughafen,Dortmund,Ryanair,Steuern
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