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Fritz Busch - Kein Pakt mit den Nazis

13.08.2012 | 17:33 Uhr
Unser Bild aus dem Jahr 1924 zeigt Fritz Busch (r.) mit Siegfried Wagner (M) und Karl Muck vor dem Bayreuther Festspielhaus.Foto: Max-Reger-Institut

Bayreuth/Siegen.   Der weltberühmte Dirigent Fritz Busch ließ sich lieber aus dem Amt jagen, als Hitlers Vorzeige-Musiker zu werden. In Bayreuth wurde er diffamiert. Erinnerungen an einen Maestro mit Gewissen und Rückgrat.

Zum Publikumsmagneten entwickelt sich auf dem Grünen Hügel die Ausstellung „Verstummte Stimmen“. Im Park des Festspielhauses vor der Richard-Wagner-Büste ist auf zahlreichen Schautafeln das Schicksal jüdischer Musiker und Sänger dokumentiert, die in Bayreuth diffamiert und später in der NS-Diktatur schikaniert oder ermordet wurden. Eine Station ist dem Dirigenten Fritz Busch gewidmet. Der passt zwar nicht wirklich in die Thematik der Schau, ist aber ein Musterbeispiel für den Versuch der Politik, Musiker zu instrumentalisieren sowie umgekehrt für Zivilcourage.

Der hochbegabte Fritz Busch wurde 1890 in Siegen geboren und trat bereits mit 19 Jahren seine erste Kapellmeisterstelle an. Von 1922 bis 1933 war er Generalmusikdirektor an der Semperoper in Dresden. 1924 dirigierte er in Bayreuth, sein weiteres Wirken auf dem Grünen Hügel fiel einer Intrige des 70jährigen Dirigenten Karl Muck zum Opfer.

1933 sah es in Bayreuth düster aus

Das sollte Winifred Wagner schon wenig später bereuen. Denn 1933 sah es in Bayreuth düster aus, was renommierte Dirigenten betraf. Der überzeugte Antifaschist Arturo Toscanini stand nicht mehr zur Verfügung. Heinz Tietjen und Winifred Wagner, die gemeinsam die Festspiele leiteten, suchten ein Aushängeschild und sondierten bei Fritz Busch. Dieser wäre ein idealer Kandidat gewesen: „Er war weder Ausländer noch Jude und rangierte als Dirigent bei Hitler gleich hinter Furtwängler“, schreibt Jonathan Carr in „Der Wagner-Clan. Geschichte einer deutschen Familie“. Allerdings verachtete Fritz Busch die Nazis und ließ sich nicht als Bayreuther Zugpferd missbrauchen.

Wie schwierig die Situation in Nazi-Deutschland für Künstler mit Gewissen war, darüber gibt ein Gespräch im Mai 1933 zwischen Busch und Toscanini Auskunft, an das sich Busch in seinen Memoiren („Aus dem Leben eines Musikers“) erinnert. Ein deprimierter Toscanini zeigte Busch einen Brief Hitlers, in dem stand „Ich freue mich darauf, Sie wiederzusehen.“ Fritz Busch schreibt: „Was Toscanini – seit seiner Jugend der Kunst Richard Wagners engstens verbunden und ihr größter Interpret – jetzt bedrängte, war die Sorge um die Zukunft des Bayreuther Festspielgedankens. Aus diesem Empfinden fragte er sich: ,Was wird Bayreuth tun, wenn ich absage?’ ,Dann wird man mich einladen, Maestro’, sagte ich. Toscanini war sprachlos. ,Das heißt, man hat mich bereits eingeladen. Tietjen, der Ihre Absage erwartet, hat schon vorgesorgt.’ Ich weidete mich an seinem Erstaunen, und lachend setzte ich hinzu: ,Natürlich werde ich ebenso absagen wie Sie!’ Toscanini machte den Mund zu, der ihm vor Staunen offen geblieben war und knurrte: ,Eh, caro amico!’. Wir schwiegen beide in einem Gefühl großer Traurigkeit.“

Hitler wollte Busch in Berlin haben

Hitler wollte Fritz Busch gerne in Berlin haben. Der Dirigent schildert ein Gespräch mit Göring: „Ich sagte, dass ich keinem jüdischen Kollegen den Platz wegnehmen würde. Göring: Na, lieber Freund, wir haben ja auch Mittel in der Hand, Sie dazu zu zwingen! Versuchen Sie das nur, platzte ich heraus. An einem erzwungenen Tannhäuser unter meiner Leitung werden Sie Ihre Freude haben.“

Mit dem sächsischen Zweig der Nationalsozialisten hatte sich Busch bereits vorher so überworfen, dass sie ihn trotz der Bewunderung Hitlers von seinem Posten jagten. Am 7. März 1933, vor Beginn einer Rigoletto-Vorstellung, war Busch von SA-Männern vom Pult gebrüllt worden. Das Orchester spielte übrigens munter unter einem Ersatzdirigenten weiter.

An die Wiener Staatsoper berufen

Busch ging mit seiner Familie ins Ausland und blieb dort, ebenso wie seine ebenfalls hochbegabten und grundanständigen Musikerbrüder Adolf und Hermann – trotz wiederholter Versuche, ihn zur Rückkehr zu bewegen. Der Maestro wurde weltberühmt – er war unter anderem von 1945 bis 1950 künstlerischer Leiter der MET in New York. Im Februar 1951 kehrte er nach Deutschland zurück.

Busch wurde an die Wiener Staatsoper berufen, doch die Position konnte er nicht mehr antreten. Auch Bayreuth klopfte wieder an. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war man in größter Verlegenheit, einen tragbaren Dirigenten zu finden. Der unbeugsame Nazi-Gegner und gefeierte Maestro wäre der ideale Fang für Neu-Bayreuth gewesen. Doch es sollte nicht zu einer Annäherung kommen. Fritz Busch starb am 14. September 1951 im Alter von nur 61 Jahren kurz nach dem Ende der ersten Nachkriegsfestspiele. Seine letzte Ruhestätte fand er in Arolsen-Mengeringhausen, dem Heimatort seiner Frau Grete geb. Böttcher.

Roter Teppich in Bayreuth

Monika Willer

Kommentare
17.08.2012
10:50
In Bayreuth diffamiert, in Nazi-Deutschland ermordet - Erinnerungen an den Dirigenten Fritz Busch
von Pase_Lacki | #3

Sehr geehrte Redaktion,

wieso steht hier immer noch etwas von einem Mord an Herrn Busch in Nazi-Deutschland, wo er doch 1951 in London gestorben...
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Fritz Busch, Politik, Musik, Hitler, Zivilcourage
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