Freundschaft ohne Zwang
22.01.2013 | 18:32 Uhr 2013-01-22T18:32:00+0100
Hagen. Die deutsch-französische Freundschaft scheint tatsächlich so belastbar zu sein, wie Politiker beider Nationen es behaupten. Was aber haben fankophil veranlagte Menschen in Südwestfalen über ihre Nachbarn zu erzählen.
Franzosen und Deutsche necken sich nach wie vor, sie haben sich aber lieben gelernt und können über Stereotype nun lachen ... Stimmt das? Wir haben frankophil veranlagten Menschen in Südwestfalen auf den Zahn gefühlt.
Städtepartnerschaften gibt es viele, manchmal stellt der Kulturaustausch das ganze Leben auf den Kopf. So geschehen bei Thomas Weinstock (52), der in Warsteins französischer Partnerstadt Saint-Pol-sur-Ternoise 2007 seine Frau Florence kennengelernt hat. Er liebt ihren charmanten Akzent. „Da schmelz ich jedes Mal von Neuem dahin.“ Ihre typisch französische Unpünktlichkeit falle ihm aber auf die Nerven. „Aber schreiben Sie das etwas diplomatischer, als ich ihnen das gesagt habe.“
Juliane Wüllner (53) vom Freundeskreis Schmallenberg-Wimereux teilt Leid und Freud deutsch-französischer Familien. Über die Unpünktlichkeit „ihrer Franzosen“ kann sie mittlerweile lachen. „Sie fühlen die Zeit einfach anders und sorgen immer für ein bisschen Chaos“. Und doch seien sie liebenswert, ergänzt sie schnell. Eine halbe Stunde müsse man bei einer Verabredung immer hinzurechnen. „Wenn meine Cousinen und Cousins sich um 19 Uhr zum Essen angesagt haben, wird alles danach ausgerichtet: Um 19.30 Uhr geht’s los.“
Diebische Freude auf die Stadt der Liebe
Jessica Plöger (18) aus Heggen freut sich seit Wochen diebisch auf ihre Reise nach Amiens. „Im März werde ich dort als Austauschschülerin arbeiten.“ Sie habe eine romantische Ader, wolle die Stadt der Liebe sehen. Von den vielbeschriebenen Tricks der Pariserinnen, mit Männern zu spielen, halte sie nicht viel. „Wir Sauerländerinnen haben unsere eigene Art.“ Und die französische Küche? „Mein Leibgericht ist Lasagne!“
Küchenmeister Bernhard Schwermer (48) vom Landgasthaus Schwermer in Kirchhundem liebt die französische Sprache, erinnert sich aber mit Grauen an die Fachausdrücke aus dem Land von Starkoch Paul Bocuse. „Echte Zungenbrecher.“ Seinen Bruder, der in Paris ein Restaurant führt, besuche er oft. Dass immer mehr Franzosen Sauerkraut lieben gelernt haben, findet er „äußerst angenehm“.
Biersteuer um 160 Prozent erhöht
Dr. Janne Boerkey (39), Geschäftsführerin der Hagener Firma Börkey mit Büro in Paris, hat in Frankreich studiert. Ihr gefällt, wie Franzosen mit Kindern umgehen, wie Unternehmen sich um die Kinder ihrer Arbeiter und Angestellten kümmern. „Sie sind für mich in diesem Zusammenhang Vorbilder. Bei uns muss alles perfekt sein. In Frankreich wird das Kind in einem Kinderhort abgegeben, Punkt.“
Auch Stefan Leppin von der Warsteiner Brauerei liebt Frankreich. „Hugenottische Vorfahren“, sagt’s und ist hin- und hergerissen von „den Machenschaften“ im klassischen Weinland. Wir hatten dort 2012 10 Prozent mehr Absatz.“ Alles sei auf einem guten Weg gewesen, bis die französische Regierung am 1. Januar 2013 die Biersteuer um 160 Prozent erhöht habe. „Das hat einen herben Nachgeschmack.“
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