Franz, der Große will sich zum Weltmeister krönen

Perfekte Kurvenlage: Francesco Friedrich mit Anschieber
Perfekte Kurvenlage: Francesco Friedrich mit Anschieber
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Nach zwei von vier Läufen im Zweierbob liegt Titelverteidiger Francesco Friedrich mit Anschieber Thorsten Margis bei der Weltmeisterschaft in Winterberg auf Gold-Kurs. Läuft alles nach Plan, dann wird er am Sonntag den erneuten Titelgewinn feiern.

Winterberg..  Francesco Friedrich stemmt sich mit beiden Armen aus dem Bob, kraftvoll schwingt er die Beine aus seinem gelben Sportgerät. Und trotz des Jubels der Zuschauer im Zielbereich ist sein langgezogener Schrei der Erleichterung klar und deutlich zu hören. „Yeeees!“ Anschließend lehnt er seinen Rücken zurück, stößt beide Fäuste in die Höhe – und lässt auch die restlichen Emotionen heraus. Francesco Friedrich, den alle nur Franz nennen, ist seit Freitagnachmittag wieder Franz, der Große.

Nach zwei von vier Läufen der Weltmeisterschaft im Zweierbob führt der Pilot aus Oberbärenburg, den Thorsten Margis vom BSC Winterberg anschiebt, das Klassement an – mit einem Vorsprung von 46 Hundertsteln vor Mitfavorit Oskars Melbardis aus Lettland. „Normalerweise“, sagt Bundestrainer Rene Spies nach der fast perfekten Vorstellung des 24-Jährigen bei teilweise starkem Schneefall, „normalerweise muss das reichen.“ Zur Goldmedaille – meint der Coach, in dessen Gesicht das Grinsen fast zementiert ist, da bereits die deutschen Frauen am Tag zuvor brillierten und vor der Entscheidung am Samstag auf den Plätzen zwei, drei und vier als heiße Medaillenkandidaten in das Rennen gehen.

Franz, der Große hingegen tritt am Sonntag als der Mann an, der zum Auftakt zwar zwei fast perfekte Läufe im Eiskanal zeigt, der jedoch bereits nach wenigen Metern für eine Vorentscheidung sorgt. „Die Anfangsgeschwindigkeit war unser Vorteil“, erklärt der amtierende Weltmeister. Margis und er springen am Start früher in den Bob „und das war der Unterschied“. Rene Spies stützt die These, mahnt allerdings: „Im zweiten Lauf waren sie zu früh drin.“

„Das hatte ich nicht erwartet“

Er attestiert Friedrich aber ebenso ein hervorragendes Fingerspitzengefühl an den Lenkseilen. „Er hat zweimal die Linie super getroffen“, erklärt der Bundestrainer und erinnert sich an ein Trainingslager vor rund zwei Wochen, in dem sowohl er als auch Friedrich der Verzweiflung ziemlich nahe waren. „Wir haben ausprobiert und ausprobiert“, sagt Spies. „Aber es wollte einfach nicht funktionieren. Dass es nun so gut klappt, hätte ich nicht erwartet.“

Ebenso unerwartet rasen Johannes Lochner mit Anschieber Joshua Blum und Junioren-Weltmeister Richard Oelsner mit Eric Franke auf die Plätze fünf und sechs. „Das war auf jeden Fall ein sehr guter erster Tag“, sagt Rene Spies, gibt allerdings zu, dass besonders Oelsner im ersten Lauf, den er sensationell als Zweiter hinter Friedrich abschloss, von den wechselnden Bedingungen profitierte. Der starke Schneefall zu Beginn der Konkurrenz ließ mehr und mehr nach, so dass die Bahn bei den späteren Startern schneller wurde.

Entscheidung im dritten Lauf

Trotz seines deutlichen Vorsprungs dämpft Friedrich allerdings schnell die Euphorie. „Wir haben ja gesehen, wie schnell man bei veränderter Witterung Zeit verlieren oder gewinnen kann“, sagt er, „deshalb dürfen wir uns nicht auf unseren Hintern setzen und uns ausruhen. Wir fahren auf Angriff.“ Rene Spies weiß, wann sich der Kampf um die Goldmedaille entscheidet: „Der dritte Lauf muss sitzen“, sagt er. Liegt Francesco Friedrich nach diesem weiter so deutlich in Führung, wird der vierte Durchgang am Sonntag zur Krönungsfahrt für Franz, den Großen.