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Folgen von Kyrill bestimmen weiter den Holzpreis im Land

19.01.2012 | 18:12 Uhr
Folgen von Kyrill bestimmen weiter den Holzpreis im Land
Nasslager in Südwestfalen nach dem Sturm Kyrill vor fünf Jahren.Foto: Theo Schmettkamp

Düsseldorf/Sauerland.  Fünf Jahre nach dem Sturm hat sich die Situation gedreht: Jetzt fehlt der Rohstoff aus dem Wald. Das Land will den Vertrag mit Branchenriesen kündigen.

Wohin nur mit dem vielen Holz!? Schon bald nach Kyrill vor fünf Jahren, der Millionen Bäume insbesondere in Südwestfalen umgeworfen hatte, war das eine zentrale Frage für die gesamte Forstwirtschaft. Mit fünf großen Abnehmern schloss das Land NRW besondere Lieferverträge – und handelte sich Ärger der mittelständischen Sägewerker ein. Die fürchteten allein in Südwestfalen um 1000 Arbeitsplätze, wenn die Holzmenge knapper wird und dann vorrangig „die Großen“ beliefert werden.

War die Sorge unbegründet? Die Spannung steigt in diesen Tagen. Am 17. Februar wird das Münsteraner Landgericht verkünden, ob das Land eben diesen Vertrag mit einem der fünf Großen vorzeitig kündigen darf. „Wir schauen da schon genau hin, und hoffen, dass es zur Kündigung kommt“, sagt Robert Weber (46), Sägewerksbesitzer aus Sundern. Denn: Die damals vom Land geschlossenen Lieferverträge machen sich heute verschärft bemerkbar. Holz wird ein immer knapper bemessener Rohstoff.

Das war direkt nach Kyrill anders. Die riesigen Mengen überschwemmten den Markt und ließen die Preise in den Keller gehen. So überlegte man, wie man die Verkäufe zeitlich strecken konnte. Überall entstanden Lager für das Holz, unterschiedliche Methoden wurden getestet.

Nasslager, bei denen die Stämme mit Wasser berieselt wurden, um den Borkenkäfer vom Holz fernzuhalten. Oder Trockenlager, für die zunächst die Rinde von den Stämmen geschält wurde – auch hier ging’s um Schutz vor dem Ungeziefer. So gelang es, einen Teil des Holzes eine zeitlang aus dem Überangebot zu nehmen.

Auch Weber baute damals zwei große Lager – kaufte Waldbesitzern, mit denen seine Familie schon seit Jahrzehnten zusammengearbeitet hatte, ihr Holz zu fairen Preisen ab. Da sorgte die Nachricht, dass der damalige Umweltminister Uhlenberg (CDU) mit fünf großen Abnehmern Sonderverträge geschlossen hatte, für höchst unterschiedliches Echo.

Sonderverträge zahlten sich nicht aus

Die Holz-Multis, darunter mit der Firma Egger nur einer aus Südwestfalen, garantierten die Abnahme von großen Mengen zum Mindestpreis von 75 Euro. Zugesichert wurden ihnen ebenfalls feste Mengen bis zum Jahr 2014. „Das sollte damals die Preise stabilisieren“, erinnert Wilhelm Deitermann, Sprecher des NRW-Umweltministeriums.

Die Waldbesitzer waren zufrieden, die mittelständischen Sägewerker in Westfalen fürchteten hingegen, dass ihnen der Rohstoff ausgeht. „Tatsächlich ist es aber nicht zu einer Holzknappheit gekommen“, behauptet – im Gegensatz zur Holzwirtschaft – der Sprecher des Umweltministeriums. Deitermann macht das auch daran fest, dass die in den Rahmenverträgen mit den fünf Abnehmern garantierten Mengen nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft worden seien.

Dennoch versucht das Land, aus dem noch zwei Jahre laufenden Vertrag mit dem größten der fünf Abnehmer, der österreichischen Klausner-Gruppe, auszusteigen. 2009, als die Preise deutlich unter den vereinbarten 75 Euro lagen, nahm Klausner weniger als die vereinbarte Menge ab, geriet sogar einmal in Zahlungsverzug. Jetzt, wo der Preis hoch ist und der Bedarf gestiegen, will Klausner wieder große Mengen unter dem Marktpreis kaufen. „Er hat sich für uns nicht als verlässlicher Partner dargestellt“, sagt der Sprecher des Umweltministeriums zum Hintergrund der gerichtlichen Auseinandersetzung. Das Münsteraner Landgericht riet den Parteien, sich außergerichtlich zu einigen. Kommt das nicht zustande, gibt’s im Februar ein Urteil – Ausgang offen.

Mit Entscheidung wird im Februar gerechnet

Tatsächlich hoffen heimische Sägewerker, dass die Klausner-Mengen im Land bleiben. Heute buhlen Sägewerker regelrecht um die Gunst der Waldbesitzer, denn fünf Jahre nach Kyrill ist das Holzangebot knapp wie nie geworden. „Ich habe noch nie soviel Zeit für die Holz-Akquise aufgewendet, wie heute“, berichtet der Sunderner Sägewerker Robert Weber. So geht es den meisten. Der Olsberger Hans-Georg Pieper, im Sauerland einer der Großen der Branche, umwarb eigens mit einer preisgekrönten Marketing-Kampagne neue Lieferanten. Die Knappheit macht sich im Preis bemerkbar: Wurde zu Kyrillzeiten um die 60 Euro und weniger für den Festmeter Fichtenholz gezahlt, sind es heute über 97 Euro – Tendenz steigend.

Heinz Krischer

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