Flüchtlingswelle erreicht Olpe

Olpe..  „Welcome, my friend“, sagt Joachim Steinbrück und drückt dem schwarzen Mann die Hand. Es ist kurz nach 18 Uhr am Samstag, und der junge Afrikaner ist als letzter aus dem Bus gestiegen, der die ersten Flüchtlinge zur neu eingerichteten Unterkunft in die ehemalige Kolping-Familienferienstätte „Regenbogenland“ in Olpe gebracht hat. Und Steinbrück hat als Einsatzleiter des Deutschen Roten Kreuzes mit vielen freiwilligen Helfern dafür gesorgt, dass alles vorbereitet ist für die neuen Gäste.

Als „sportliche Aufgabe“ bezeichnet Torsten Tillmann vom DRK-Kreisverband Olpe das angesichts der knappen Frist: „Die Info kam Donnerstag um 12.34 Uhr.“ Samstagmittag war alles bereit für 350 Flüchtlinge: Doppelstock-Feldbetten aufgebaut, Essensversorgung organisiert, die Körperpflegebeutel bereitgelegt, eine Sanitärstation eingerichtet und Übersetzer herbeigeholt. Alles nach dem Vorsorgeprinzip. Tillmann: „Wir wissen nicht, ob die Leute schon von einem Arzt angeschaut worden sind oder ob Kinder oder Babys dabei sind.“

Herkunft unklar

Die Organisatoren vor Ort wissen überhaupt sehr wenig. Woher die Flüchtlinge kommen? Vom Kosovo war die Rede. Also hat man Infozettel in albanischer und serbischer Sprache aufgehängt. Und arabischer, weil vielleicht doch Syrer dabei sind. „Aber eigentlich erfahren wir die Herkunft erst, wenn uns der Busfahrer die Namensliste in die Hand drückt“, sagt Tillmann. Zwei Busse sind für den Samstag angekündigt. Aus Dortmund. Für 15 oder 16 Uhr der erste. Es wird dann 18 Uhr. Und der Bus kommt aus Unna. Dafür wird bereits zehn Minuten vor Ankunft die Liste der Fahrgäste gefaxt. Herkunftsländer: Kosovo, Serbien, Syrien, Georgien und China. Vom Afrikaner stand darauf nichts.

Es sind viele Kinder unter den Flüchtlingen, viele Familien. Wenig Gepäck, viel Erschöpfung. Erste Begrüßung im Bus, dann schnell ins Haus. Die Presse muss draußen bleiben. „Sie sollen erstmal ankommen und Ruhe finden“, sagt einer der ehrenamtlichen DRK-Helfer. Diese sind die Ruhe selbst, auch angesichts der unklaren Informationslage. Sie sind eben für den Katastrophenschutz trainiert, da weiß man auch nicht immer vorher, was passiert. Aber man muss vorbereitet sein: Ist vielleicht schon länger mehr kein Wasser durch die Duschen gelaufen? Besteht Legionellengefahr? Sicherheitshalber besser aufheizen und aufdrehen. Wegen des heißen Wasserdampfes schlagen Rauchmelder an: Alarm. Die Feuerwehr ist in wenigen Minuten da. Das funktioniert also.

Seit 10 Uhr warten 19 Übersetzer für acht Sprachen auf ihren Einsatz. Auch lauter Freiwillige. Die Integrationsagentur des DRK hat das gemeinsam mit dem Integrationsrat Olpe organisiert. „Schön zu sehen, wie in Notsituationen alles Hand in Hand geht“, sagt dessen Vorsitzender Cevdet Aydin. Der Einsatzplan für die kommende Woche steht. Insgesamt 40 Sprachhelfer stehen zur Verfügung. Auch das DRK will noch eine Woche mit Ehrenamtlichen vor Ort sein, danach müssten hauptamtliche Kräfte den Regelbetrieb übernehmen, betont Torsten Tillmann.

Auf Jugendherbergsniveau

Aber das ist nicht sein Thema. Das ist Politik. Wie lange die Flüchtlinge in Olpe bleiben? Unbekannt. Ob aus der Notunterkunft auf Jugendherbergsniveau eine feste Erstaufnahme-Einrichtung wird? Die Anwohner befürchten es. Die Anfang 2015 gegründete Bürgerinitiative „Humanitäre Flüchtlingspolitik in Olpe“ spricht sich für dezentrale Betreuung aus, hält die Unterbringung von bis zu 400 Menschen im ehemaligen 180-Betten-Haus für „menschenunwürdig“. „Wenn alle paar Wochen neue Bewohner kommen, kann man die doch gar nicht kennenlernen“, bedauert Anwohnerin Regina Hose und ist beunruhigt: „Wollen die etwa einen Zaun bauen?“

Vorerst kontrolliert ein Sicherheitsdienst nur, wer hereinkommt. „Es ist ein offenes Haus mit freien Menschen; hier wird keiner interniert“, sagt Tillmann. Und dann wartet er mit seinen Kollegen auf weitere Busse. 137 Menschen sind bislang angekommen.