Fit für 120 gute Jahre

Hagen/Meschede..  Das eine ist die Theorie: Bei entsprechender Lebensführung könnten die Menschen ein Alter von 120 Jahren erreichen und das auch noch genießen. Das andere ist die Praxis: Die Zahl der Kinder mit Diabetes steigt. Gleichzeitig gibt es immer mehr fitte Alte. Und eine wachsende Zahl von ihnen startet noch einmal durch: die Seniorengründer. Einer von ihnen ist der 72-jährige Heinz Benölken aus Meschede.

Der ehemalige Unternehmensberater sprüht nicht nur vor Tatenkraft, er möchte, dass es anderen genau so geht und hat deshalb zusammen mit einem Team aus erfahrenen Finanz-, Marketing und Kommunikationsexperten eine „Akademie für Gesundheit und Lebensfreude“ ins Leben gerufen: FIT 120 A. Für den Businessplan wurde das Seminar- und Fernstudienangebot bereits beim Dortmunder Gründungswettbewerb start2grow ausgezeichnet.

Zehn Bausteine

Die Idee dahinter ist simpel und nicht neu. Altrömisch: mens sana in corpore sano - ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Heute spricht man lieber von ganzheitlichem Denken. Heißt: Alles hängt zusammen. Deshalb gibt es bei FIT 120 A nicht nur Ernährungs- und Bewegungsratschläge, sondern ein Zehn-Stufen-Programm, das positives Denken, Partnerschaft, Freundeskreis und Sozialkontakte, Erotik und das wirtschaftliche Umfeld (Altersvorsorge!) einschließt.

Aus den zehn Bausteinen ist bereits eine Artikelserie für ein Hamburger Monatsmagazin entstanden, ein Buch ist in Vorbereitung, die Homepage wird gerade gebastelt, Flyer sind schon fertig. Es folgen Motivations- und Intensivseminare sowie ein digitales Tool. Benölken hat das Programm selbst entwickelt. Aus intensiver Lektüre und eigener Lebenserfahrung: „Ich war seit dem Abitur außer Sportverletzungen nie krank. Ich war immer sportlich und bemüht, die gröbsten Ernährungssünden zu vermeiden, pflege ein reiches Sozialleben und habe mich stets gefordert.“

So hält er es weiter, denn: „Je früher ein Mensch sich zur Ruhe setzt, desto eher geht er in die Kiste.“ Die Sichtweise breitet sich aus: Laut des Gründungsmonitors der KfW-Bank wird bereits jede zehnte neue Firma von einem Chef über 55 gegründet statt von einem Mittzwanziger aus Berlin-Mitte mit Fusselbart. Benölken hält das nicht nur aus persönlichen Gründen für richtig: „Menschen mit hohem Erfahrungspotenzial sollten im Wirtschaftsprozess bleiben.“ Und: „In jedem Gründerteam sollte zumindest ein Erfahrener sein.“ Um Fehler zu vermeiden. „Ich habe das alles persönlich erlebt: dass man vor Technikverliebtheit das Marketing vergisst, dass Organisation oder Konzept nicht stimmen und man nicht bedacht hat, dass man auch Geld zum Leben braucht.“ Das sei beim Team von FIT 120 A anders: „Die Jüngste ist 53, und keiner von uns muss mehr Geld verdienen.“

Eine Genossenschaft

Es soll aber schon etwas hereinkommen, oder? „Wir werden nicht schreiend weglaufen, wenn wir Gewinne machen. Doch zunächst geht es uns um die Sache.“ Warum sollten Menschen Geld für Informationen zahlen, die sie an vielen Stellen auch umsonst bekommen können? „Weil wir nicht nur verstreute Fakten liefern, sondern ein integriertes, benutzerdefiniertes Fitnessmodell. Weil wir die Leute auf dem Bahnsteig abholen, wo sie stehen und ihnen helfen, Erkenntnis in Handeln umzusetzen. Und weil Kosten von rund einem Euro pro Tag nicht so viel sind.“

Und die erfahrenen Gründer, die sich in Kürze die Form einer Genossenschaft geben wollen, wenden sich keineswegs nur an die Generation Rollator: „Gerade jüngere Leute entwickeln heute mehr Bewusstsein für die Einheit von Körper und Geist“, sagt der vielfache Buchautor und promovierte Ökonom aus Meschede. Und: „Es ist nie zu spät - aber am besten startet man früh.“ Man ist in Gesprächen mit Krankenkassen und Sportverbänden. Benölken sieht 6 bis 10 Millionen potenzielle Kunden und einen boomenden Markt. Dennoch ist er sich auch einer anderen Sache sicher: „Das wird nicht meine letzte Gründung gewesen sein.“ Bis 120 hat er auch noch mehr als 47 Jahre Zeit.