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Filme auf der Berlinale - Traum und Alptraum ganz real

13.02.2013 | 17:55 Uhr
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Juliette Binoche spielt Camille Claudel, die Muse Auguste Rodins, in dem Film „Camille Claudel 1915".Foto: AFP

Berlin.   Verfolgung und Inhaftierung bei der Berlinale politisch und fiktiv. Die Filmfestspiele protestieren gegen das Reiseverbot für den iranischen Regisseur Jafar Panahi. Der Film „Camille Claudel 1915“ schildert das Schicksal der Muse Rodins, die gegen ihren Willen ins Irrenhaus gesperrt wurde.

Im Berlinale-Zentrum liegt das Wirtschaftsmagazin „Berlin Boxx“ aus, das in seiner aktuellen Ausgabe die „Top 70 der Berliner Gesellschaft“ gekürt hat. Und in der Rubrik „Die Newcomer“ steht tatsächlich die Iserlohnerin Cornelia Yzer auf dem ersten Platz. Dazu gibt es eine durchaus schmeichelhafte Beurteilung des Blattes: „Sie weiß Bescheid und hat die richtigen Kontakte. Erst Rechtsanwältin (in Iserlohn), dann Pharmalobbyistin, jetzt Wirtschaftssenatorin. Genau das braucht die Stadt: Jemanden, der die Berliner Wirtschaft dauerhaft auf die Erfolgsspur bringt.“

Während also die frühere Iserlohner CDU-Politikerin jetzt in der Bundeshauptstadt ganz offensichtlich ein echter Hoffnungsträger ist, wird das Wort Hoffnung im Berlinale-Programm eher nicht sonderlich groß geschrieben. So ist es auch nicht gelungen, den iranischen Regisseur Jafar Panahi aus seinem staatlich angeordneten Hausarrest für einen Berlinale-Besuch frei zu bekommen, und das obwohl vom Filmfestdirektor Dieter Kosslick bis zum Kulturstaatsminister Bernd Neumann viele deutsche Prominente sich laut und öffentlich für Panahis Freilassung im Vorfeld eingesetzt hatten.

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Immerhin aber ist sein Film „Geschlossener Vorhang“ im Festival-Wettbewerb gestartet, und es bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, wie die Produktion überhaupt aus dem restriktiven Iran herausgeschmuggelt werden konnte. Trotz Berufsverbots hat der Filmemacher seine Produktion realisieren können. Sie spielt in einem abgeschlossenen Haus, in dem sich zwei Menschen vor ihren Häschern verstecken und sich untereinander misstrauisch und irritiert beäugen. Das Ganze wirkt wie ein kafkaeskes Drama, und es wird noch absurder, als irgendwann Regisseur Panahi selbst vor die Kamera tritt und das Geschehen als Traum oder Alptraum grundsätzlich in Zweifel zieht und ins Surrealistische drängt.

Folgen der Unfreiheit

„Geschlossener Vorhang“ wäre jedoch kein so bemerkenswerter Film, hätte er eben nicht diesen düsteren Polit-Hintergrund, der auch noch eine sechsjährige Haftstrafe für Panahi bedeuten kann, die er bislang noch nicht antreten­ ­musste.

Großer Auftritt bei der Berlinale

Die dramatischen Folgen der Unfreiheit, der ungerechten und unberechtigten Gefangenschaft thematisiert auch der französische Wettbewerbsfilm „Camille Claudel 1915“. In der Regie von Bruno Dumont spielt Juliette Binoche die Titelrolle der tragischen Künstlerin und langjährigen Geliebten des Bildhauers Auguste Rodin, die ihr halbes Leben bis zu ihrem Tod in der Psychiatrie elendig verbringen musste; der Name „Irrenanstalt“ macht den Zustand jener Häuser Anfang des 20. Jahrhunderts vielleicht sehr viel deutlicher.

Die Binoche liefert eine zutiefst berührende Charakterstudie ab, und Regisseur Dumont hat den Alltag mit den Geisteskranken derart eindringlich in Szene gesetzt, dass die Zuschauer gleich reihenweise im Laufe der Vorführung die Flucht ergriffen.

Auch Steven Soderberghs Psychothriller „Nebenwirkungen“ dreht sich um die Krankheit des Geistes. Hier steht die Depression und ihre medikamentöse Behandlung im Mittelpunkt eines richtig spannenden Geschehens. Man darf eigentlich kaum etwas über die Geschichte, in der Jude Law und Catherine Zeta-Jones tragende Rollen spielen, erzählen, denn dann könnte man sich gleich den Kinobesuch sparen. Nur so viel sei also verraten: „Nebenwirkungen“ hat verschiedene Themen auf verschiedenen Ebenen und verdichtet sich allmählich zu einem atemberaubenden Thriller der­ ­Extraklasse.

400.000 Festivalkarten

Bliebe zum Schluss nur noch die Antwort auf eine Telefon-Frage unseres Lesers Hartmut K. aus Meschede: „Wer bezahlt eigentlich die ganze Berlinale?“ Sie finanziert sich zu zwei Dritteln aus dem Verkauf der 400.000 Festivalkarten, aus den Erlösen der Akkreditierungen und durch Sponsoren. Ein Drittel teilt sich der Bund mit dem Land Berlin. Auf diese Weise kommen die benötigten 24 Millionen Euro zusammen.

Andreas Thiemann

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