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FH-Studenten aus Soest machen Entwicklungsarbeit in Südafrika

19.07.2012 | 16:26 Uhr
FH-Studenten aus Soest machen Entwicklungsarbeit in Südafrika
Lisa Berendes, Thomas Rathmer, Nina Sehnke, Linda Hahn und Prof. Dr. Thomas Weyer freuen sich über spontan zusammen getragene Hilfsgüter für Mpumalanga (Südafrika).

Soest/Hagen.   Hilfe zur Selbsthilfe: Soester Studierende kümmern sich in der südafrikanischen Provinz Mpumalanga für drei Monate um Ackerbau, Wassermanagement und Bildung. So leisten sie vor Ort Entwicklungshilfe und lernen zugleich fürs Berufsleben.

Aus Nord wird Süd: Nina Sehnke aus Hagen-Dahl, Studentin der Agrarwirtschaft an der FH Südwestfalen in Soest, hatte für den Sommer ein Auslandspraktikum geplant. Schweinezucht in Skandinavien war ihr Ziel. Doch gestern ist sie mit drei Kommilitonen in ein Flugzeug nach Südafrika gestiegen. Und bleibt nicht nur ein paar Wochen, sondern gleich drei Monate.

Weil sie im Mai von dem Projekt hörte, das ihr Professor Thomas Weyer unterstützt. „Die Kombination von einem humanitären Hilfsansatz und landwirtschaftlicher Entwicklungsarbeit, bei der wir selbst noch dazulernen können, hat uns alle begeistert“, erklärt die 27-Jährige.

"Wir wollen den Jugendlichen landwirtschaftliches Wissen vermitteln"

In der Region Mpumalanga, das ist im Nordosten Südafrikas, nicht weit weg vom Krüger-Park, koordiniert Weyer, ein Experte für Bodenkunde, ein Projekt zum Wassermanagement. Und dort gibt es auch eine örtliche Hilfsorganisation, die sich um Aids-Waisen und andere vernachlässigte Kinder und Jugendliche kümmert. Und zu deren Ernährung sollen nun Gemüsegärten angelegt werden. „Zugleich wollen wir den Jugendlichen landwirtschaftliches Wissen vermitteln“, erläutert Nina Sehnke.

„Einerseits soll ihnen das Selbstvertrauen geben, nach dem Motto: Wir können selbst etwas machen. Und andererseits soll das Projekt ja auch nach unserer Abreise funktionieren.“ Weyer formuliert das so: „Aus der Hilfestellung zur Selbstversorgung soll ein Konzept zur nachhaltigen Gemüseproduktion in einem Trockengebiet entwickelt werden, das auch in andere Regionen übertragbar ist.“

„Schwarze durften fast hundert Jahre kein Land besitzen"

Hintergrund der Basis-Nachhilfe in Ackerbau sind die Folgen der Apartheid: „Schwarze durften fast hundert Jahre kein Land besitzen. Nun erhalten sie das Land zurück und können oft nichts damit anfangen“, schildert Weyer die bittere Realität. Die Landreform - bis 2014 sollen 30 Prozent der ehemals von weißen bewirtschafteten Fläche an Schwarze übertragen werden - krankt am fehlenden Wissen der Neufarmer und mangelnder Beratung. Über 90 Prozent der umverteilten Flächen werden nicht optimal genutzt oder liegen brach.

Im Mpumalanga-Projekt geht es allerdings um Savanne mit mannshohem, holzigen Tambukigras, auf dem noch nie Ackerbau betrieben wurde, das jetzt erst urbar gemacht werden muss. „Zunächst werden wir roden und das organische Material kompostieren“, beschreibt der 22-jährige Thomas Rathmer, ein gelernter Landwirt, den Ansatz der Gruppe.

Bis zu sieben Hektar stehen dem Projekt für Gemüsegärten zur Verfügung. „Davon werden wir zunächst nur einige Parzellen bewirtschaften und mit den Erfahrungen einen Plan für das weitere Vorgehen entwerfen“, blickt die gelernte Pferdewirtin Nina Sehnke nach vorn: „Was genau angebaut werden kann, müssen wir vor Ort sehen. Kohl, Mangold, rote Bete und Süßkartoffeln werden dort jedenfalls gerne gegessen.“

„Im Moment gibt es nur einige wenige Zisternen“

Auch die beste Methode zur Wasserversorgung muss noch entwickelt werden. Die Temperaturen sind im südafrikanischen Winter derzeit ähnlich wie jetzt hier. Dafür ist es knochentrocken. Und in der Regenzeit zwischen Oktober und März kann der grobe Sandboden das Wasser nicht halten. „Im Moment gibt es nur einige wenige Zisternen“, hat Nina Sehnke erfahren.

Neben der Arbeit auf dem Feld wollen die künftigen Agraringenieure auch im Klassenzimmer aktiv werden. „Zunächst steht Englisch auf dem Lehrplan. Viele Kinder sprechen fast nur Afrikaans“, weiß Linda Hahn, die sich ebenso spontan wie Nina Sehnke für den Afrika-Aufenthalt entschied.

Aber die Soester Studierenden wollen nicht nur lehren, sondern auch zuhören: „Als erstes werden wir von einheimischen Fachleuten lernen“, sagt Linda Hahn und berichtet von Frauen, die bereits an anderen Orten Gemüsegärten für die Hilfsorganisation „Children in Distress“’ bewirtschaften.

Es geht also um Austausch, nicht nur um Hilfe. „Und von der Begegnung mit einem fremden Erdteil und einer ganz anderen Kultur werden wir bestimmt alle profitieren“, sagt Nina Sehnke.

Harald Ries


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