Ferienverlängerer zahlen 80 Euro pro Tag und Kind

Mit Kindern im Schlepptau schon vor den Ferien in den Urlaub starten – das kann teuer werden.
Mit Kindern im Schlepptau schon vor den Ferien in den Urlaub starten – das kann teuer werden.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
  • Die Zahl der Schulschwänzer, die vor den Ferien ertappt werden, steigt.
  • Jedes Jahr verhängt die Arnsberger Bezirksregierung mehr Bußgelder.
  • Die Bundespolizei spricht am Flughafen Paderborn Familien an, die bei Passkontrollen auffallen.

Hagen/Paderborn.. Die Ferienverlängerer sind Beifang. „Gefahndet“ wird nach ihnen am Flughafen Paderborn nicht. Wenn den Bundespolizisten aber bei der Kontrolle der Ausweise und Pässe wenige Tage vor dem Start der Osterferien eine Familie mit Kindern auffällt, dann erlaube man sich nachzufragen, warum die Kleinen nicht in der Schule sind, erklärt Rainer Kerstiens, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Münster, die auch für den Paderborner Flughafen zuständig ist.

Sommerferien Vorausgesetzt, es gibt nicht gerade Wichtigeres für die Beamten zu tun, fügt ein Sprecher der Dortmunder Bundespolizeiinspektion hinzu, die am dortigen Flughafen kontrolliert.

Können die Eltern dann keine Bescheinigung der Schule vorlegen, dass ihre Kinder vom Unterricht befreit ist, dann melden die Bundespolizisten die Ferienverlängerer an die Bezirksregierung Arnsberg, so Kerstiens. Das kann für die Eltern teuer werden: 80 Euro pro Tag und Kind verlangt die Arnsberger Behörde von jedem Elternteil ein Bußgeld.

Die Zahl der Ferienverlängerer steigt

Denn es ist eine Ordnungswidrigkeit, ein oder zwei Tag früher in die Ferien zu starten, um günstigere Flüge zu bekommen oder auf leeren Autobahnen staufrei zu reisen. Das ist längst bekannt; jedes Jahr wieder weisen Schulen und Schulministerium kurz vor den Ferien Eltern und Kinder darauf hin.

Und doch steigen die Zahlen leicht. 2013 verhängte die Bezirksregierung 192 Bußgelder. Im Jahr 2014 waren es 235 und 2015 insgesamt 268. Wobei die wenigsten Verfahren auf Vermerke von Bundespolizisten am Flughafen zurückgehen, so Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Arnsberger Bezirksregierung. Meist sind es die Schulen, die die Schwänzer melden.

Schließlich kontrollieren die Bundespolizisten auch nur einen Teil der Ferienflieger – nämlich diejenigen, die nicht in den Schengen-Raum gehen, in die Türkei zum Beispiel. Wenn aber Maschinen nach Mallorca starten, Südspanien oder Portugal, dann sind die Passkontrollen am Paderborner Flughafen gar nicht besetzt. Und für die Landespolizisten, die auf den Flughäfen postiert sind, ist die Kontrolle von Ferienverlängerern „kein Thema“, so ein Sprecher der Paderborner Kreispolizei.

Eine Entschuldigung der Eltern reicht nicht

Eine Entschuldigung der Eltern, dass ihr Kind krank sei, lassen viele Schulen übrigens direkt vor oder nach den Ferien nicht gelten. „Da verlangen wir eine Schulunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt“, so Ute Diers vom städtischen Gymnasium in Meschede. Wer gesund ist und trotzdem früher aus der Schule heraus möchte, der müsse schon eine gute Begründung samt Beleg vorlegen: ein Sprachkurs im Ausland, nennt Ute Diers als Beispiel, oder einen Schüleraustausch.

Einfacher als Schule schwänzen: Dort starten, wo gerade Schulferien sind, empfiehlt Marija Linnhoff, Vorsitzende des Verbandes unabhängiger selbstständiger Reisebüros. Der Weg in andere Bundesländer, zum Flughafen nach Hannover oder Frankfurt, könne sich durchaus bezahlt machen.