Es werde Licht im kleinen Atelier
22.04.2011 | 18:13 Uhr 2011-04-22T18:13:00+0200
Witten.Nur wenige Sekunden bleiben Schwester Elisabeth. Die rote Wachsfarbe streicht sie flink mit dem feinen Pinsel zwischen die eingeritzten Konturen auf der weißen Kerze. „Sehen Sie, schon ist das Wachs wieder hart.“
Die Ordensschwester lebt im Kloster der Karmelitinnen in Witten. Seit nunmehr 25 Jahren verziert sie hier Kerzen für besondere Anlässe.
Momentan herrscht in ihrem kleinen Kerzenatelier Hochbetrieb. Das Fest der Auferstehung steht vor der Tür und bei Schwester Elisabeth stapeln sich Aufträge von Gemeinden und Pfarrverbünden, die Osterkerzen gestaltet haben wollen. Selbst nach Passau in Süddeutschland schickt die 70-Jährige verzierte Osterleuchten. Viele der Bestellungen kommen aus dem Sauerland.
Auf einem umfunktionierten Tee-Stövchen erhitzt sie weißes Wachs in alten Teelichter-Hülsen, bis es flüssig ist. Ein paar Krümel zerbröselten Wachsmalstifts hinein, und schon kann sie das bunte Bienenwachs zum Bemalen verwenden.
Zehn Kilo Kerze
Zumindest bis es sich binnen Sekunden an der Luft erhärtet und die Pinselhärchen verklebt. Schwester Elisabeth beugt sich über den 1,20 Meter langen Kerzenkörper, den sie halb auf den Tisch, halb auf ihren Schoß legt. Mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern bringt die Kerze geschätzte zehn Kilo auf die Waage. Nach sieben oder acht Stunden im Atelier, sagt die Ordensschwester, meldeten sich Nacken und Schultern bei ihr.
Für lange Pausen zwischendurch ist trotzdem keine Zeit. Je nachdem wie aufwendig die Ornamentik auf den Osterkerzen sein soll, braucht die 70-Jährige zwischen sieben Stunden und einer Woche pro Exemplar.
Die klassischen Osterkerzen werden mit einem Kreuz in der Mitte verziert. Alpha- und Omegazeichen, die das Kreuz von oben und unten einrahmen, stehen für die Auferstehung Christi, den Anfang und das Ende der Welt. Um an Jesu Kreuzigung zu erinnern, werden an den Kerzenkörper Wundmale aus Wachs genagelt. Auf den meisten Kerzen ist außerdem die Jahreszahl festgehalten.
Künstlerische Kerzen
Neben diesen traditionellen Elementen wünschen sich viele Gemeinden ausgefallenere Bilder und Symbole. „In diesem Jahr liegen blaue und rote Flammen im Trend“, berichtet die Ordensschwester und zeigt auf fertige Exemplare, die an Kirchengemeinden in Hagen gehen sollen. Eingefasst in goldene Konturen umschlingen rote und blaue Feuerzungen das Kreuz in der Mitte.
Es gibt Kerzen, auf die Schwester Elisabeth richtige Bilder malt, Motive von Chagall kopiert oder Kunstdrucke von Postkarten abpaust. Kreativität und Handwerk hielten sich beim Kerzen Gestalten die Waage, findet die Klosterbewohnerin. „Vieles ist reine Geduld, Fleiß und Geschicklichkeit. Ich muss mir aber auch vorstellen können, was gut wirkt und was nicht aussehen würde.“
Nur einen geringen Anteil der Arbeit, die Schwester Elisabeth in die Kerzen steckt, bekommt sie am Ende bezahlt. „Bei einem normalen Stunden lohn könnte sich die Kerzen niemand mehr leisten“, erklärt die Ordensfrau. Die Käufer kämen meist für die Materialkosten auf, viel mehr bliebe nicht übrig.
Das tägliche Arbeiten spielt eine wichtige Rolle im Klosterleben der Karmelitinnen. Betriebswirtschaftlich denkt hier keiner. Schwester Elisabeths Arbeitsjahr lässt sich in Kerzenwünsche einteilen. Momentan sind Osterkerzen gefragt. Doch auch nach dem höchsten Feiertag für die katholische Kirche verbringt die 70-Jährige viel Zeit in ihrem Atelier.
Von Advent bis Kommunion
Eltern von Drittklässlern bestellen die ersten Kommunionskerzen, für den Mai ordern zahlreiche Hochzeitspaare eine individuell-romantische Gestaltung für ihr Lebenslicht. Spätestens im Sommer melden sich die ersten Gemeinden mit Ideen für Adventskerzen. „Zwischendurch gibt es dann immer wieder Anfragen von Geburtstagskindern, von angehenden Priestern oder Jubilaren“, berichtet die Ordensfrau.
Der Kerzen überdrüssig werde sie dennoch nicht, sagt sie. Zumindest nicht langfristig. „Ich habe immer wieder Ideen für neue Motive. Und die will ich dann auch ausprobieren.“
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