Energiewende ja - aber mit Bedacht
07.02.2012 | 18:24 Uhr 2012-02-07T18:24:00+0100
Essen/Hagen.Ivo Grünhagen, Chef des Hagener Enervie-Konzerns, kritisiert den holprigen Start der politisch verordneten Energiewende. „Wir haben alle eine Vision von der zukünftigen Stromversorgung, und Deutschland hat gute Chancen, international ein Vorbild zu sein. Doch es fehlt ein konkreter Umsetzungsplan, um die gesteckten Ziele zu erreichen“, sagte Grünhagen zum Auftakt der Messe „E-World Energy & Water“ in Essen.
Die E-World hat sich seit ihrer Premiere 2001 immer mehr zur europäischen Leitmesse der Energiewirtschaft entwickelt. In diesem Jahr präsentieren sich mehr als 580 Unternehmen aus 20 Ländern – der Rekord spiegelt auch wider, dass die Energiewende für jede Menge Bewegung in der Branche sorgt.
Doch die Enervie-Gruppe, die sich zum dritten Mal in Essen präsentiert, geht die Energiewende mit einer guten Portion Zurückhaltung an. Wenn Ivo Grünhagen über die Energiewende spricht, so nennt er sie zwar einen „spannenden Prozess“, doch bei der Umsetzung solle man nicht in Hast verfallen. Die Beteiligten sollten sich in Ruhe anschauen, was überhaupt benötigt wird und dann die entsprechenden Rahmenbedingungen setzen.
Und so sieht Grünhagen die Enervie-Gruppe, die als eines von nur 20 Unternehmen bundesweit von der Stromerzeugung bis zur Versorgung der Endkunden alle Facetten des Energiemarktes abdeckt, in vielen Bereichen erstmal in der Beobachterrolle.
Beispiel Windkraft: Wie so ziemlich alle Energieversorger setzt Enervie auf „frischen Wind“. Bis zum Jahr 2020 sollen Anlagen mit einer Gesamtleistung von 249 Megawatt entstehen – auch außerhalb Südwestfalens. So hat erst am Montag der Enervie-Aufsichtsrat grünes Licht für den Bau eines 17-Megawatt-Windparks im Hunsrück gegeben.
Allerdings: Enervie wird sich nicht – im Gegensatz zu anderen Stadtwerken – in die Nord- und Ostsee wagen. „Wir sehen Offshore-Windkraft mit technischen Risiken behaftet. Außerdem muss man sich fragen, ob es sinnvoll ist, Windparks ins Meer zu bauen, ohne zu wissen, wie der Strom dorthin kommt, wo er gebraucht wird“, so Grünhagen. Schließlich verwalte Enervie kommunales Geld. Man könne es sich nicht leisten, es in riskante Projekte zu stecken. Grünhagen: „Wir wollen organisch und in unserem lokalen Umfeld wachsen.“
Mit großer Zurückhaltung agiert Enervie auch beim Neubau von konventionellen Kraftwerken. Alle Projekte, die in der Planung waren, wurden auf Eis gelegt. Konventionelle Kraftwerke rechneten sich auf absehbare Zeit nicht, da die Zahl ihrer Betriebsstunden auf Grund der zunehmenden Einspeisung Erneuerbarer Energien sinke. Grünhagen: „Wir konzentrieren uns auf die Modernisierung. Wir setzen auf den intelligenten Einsatz unser bestehenden Werke.“ So wurde bereits das Kraftwerk in Werdohl für rund 30 Millionen Euro fit gemacht.
Möglicherweise investiert Enervie in den Bau eines zweiten Pumpspeicherwerkes. Hierfür hat sich Enervie mit den Stadtwerken Düsseldorf auf die Suche nach einem Standort gemacht. Die Suche könnte in zwei Jahren beendet sein. Was jedoch nicht gleichbedeutend mit der Entscheidung zum Bau sei. Zunächst wolle man beobachten, wie sich Markt und politische Vorgaben entwickeln.
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