Eltern mit ihrer Geduld am Ende

Arnsberg/Schwerte..  „Ich bin mittlerweile richtig frustriert“, sagt Jane Mörkels. Die Mutter eines vier Jahre alten Sohnes und einer sechsjährigen Tochter ist mit den Nerven am Ende. Der nun seit zweieinhalb Wochen andauernde Kita-Streik hinterlässt auch bei der Arzthelferin seine Spuren.

Jede Nacht stellt sie sich die gleichen Fragen: „Wer hat morgen Zeit? Wann kann ich die Kinder dort hinbringen? Wann muss ich sie wieder abholen?“ Fragen, die der Gevelsbergerin den Schlaf rauben. Bisher hat sie immer eine Antwort gefunden, ob das in Zukunft immer noch so sein wird, wisse sie nicht. „Irgendwann haben auch selbst die Großeltern keine Zeit mehr“, sagt sie.

Ihre eigene Situation stellt sie trotz großer Belastung während des Streiks in den Hintergrund, viel wichtiger seien die Kinder. Auf deren Rücken werde der Streik ausgetragen. „Meine Tochter ist im Vorschulalter und durch diesen Streik wird ihr die schönste Zeit im Kindergarten genommen. Das Sommerfest fällt aus und selbst an eine Verabschiedung ist nicht zu denken“, betont die Mutter und fügt hinzu: „Das reißt einem das Herz raus.“

Erstattung der Elternbeiträge

Ein zusätzlicher Faktor, der das Verständnis für den Streik bei den betroffenen Familien schwinden lässt, sind die weiterhin zu bezahlenden Elternbeiträge. Das gilt in Gevelsberg – wie in allen anderen Kommunen auch. Jane Mörkels selbst ist nicht davon betroffen, ihre Tochter Carlotta befindet sich im beitragsfreien letzten Kindergartenjahr. Doch für viele Eltern sei dies ein ernsthaftes Problem: „Neben den Elternbeiträgen fallen ja durch den Streik auch zusätzliche Kosten durch die Fahrerei und die Versorgung mehrerer Kinder an“, sagt die zweifache Mutter, die in den vergangenen Tagen auch gerne mal bis zu fünf Kinder betreut und versorgt hat.

Das Essensgeld wird in Gevelsberg erstattet, die Kita-Gebühren könne die Stadt allerdings nicht zurückzahlen, wurde Mörkels schon zu Beginn des Streiks mitgeteilt.

Die Städte Schwerte und Arnsberg sehen sich da ein wenig mehr in der Pflicht. In beiden Städten sollen trotz Stärkungspakt Erstattungen folgen – sofern die Kommunalaufsicht grünes Licht gibt. „Wir haben die Bezirksregierung bereits kontaktiert und warten auf die Genehmigung“, sagt Schwertes Bürgermeister Heinrich Böckelühr der eine ähnliche Lösung wie zum Streik im Jahr 2009 anstrebt.

Eine inoffizielle Genehmigung hat die Bezirksregierung in Person von Christian Chmel-Menges, Sprecher des Regierungspräsidenten Arnsberg, nun ausgesprochen. Mit Hilfe der eingesparten Erzieher-Gehältern und weiteren freiwilligen Einsparungen sollen auch Stärkungspakt- und Haushaltssicherungskonzept-Kommunen die Kita-Beiträge zurückerstatten können.

Unabhängig von der Erstattung hofft aber vor allem Jane Mörkels auf eines. Die Frage ihres Sohnes, wann er wieder in die Kita dürfe, mit nur einem einzigen Wort zu beantworten: „Bald!“