„Einer wie du und ich“

Dortmund/Hagen..  Selbst in dieser irgendwie doch bedrückenden Atmosphäre gelingt es ihm. Wie automatisch. Jürgen Klopp schmunzelt, er streicht sich kurz durch die Haare und sagt, das ist ungewöhnlich, etwas stammelnd: „Ihr Selbstvertrauen hätte ich gerne.“ Leises Gelächter setzt wenigstens gegenüber dem Podium ein, auf welchem der Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund zuvor Fragen zu seinem Ausscheiden aus dem Amt nach der Saison beantwortete. Die vermeintlich letzte trug einen Kartenwunsch an Klopp heran.

Positiver Menschenfänger

So ist er, dieser Jürgen Klopp. Ein positiver Menschenfänger. Einer, der es versteht, die Leute - von sich - zu begeistern. Einer, der in Fachmagazinen über Fußball philosophiert und in den bunten Klatschblättern von der Liebe auf den ersten Blick oder seiner Haartransplantation erzählt. Klopp ist einer, der die gesamte Klaviatur bespielt, dessen Meinung erhört wird.

Denn er verhalf nicht nur der am Boden liegenden Marke Borussia Dortmund zu neuem Glanz und weltweitem Ruhm. Er schuf parallel eine zusätzliche. Er schuf die Marke Jürgen Klopp, besser bekannt als: „Kloppo“. So nehmen diesen 47-Jährigen die Menschen Generationen übergreifend wahr. Flapsig, unrasiert, mit geringem Interesse für modische Trends, aber extrem fleißig und erfolgreich.

Das war nicht immer so. Als Klopp 2001 quasi über Nacht vom Spieler des FSV Mainz 05 zum Trainer des Klubs aufstieg, belächelten ihn viele nur. Als lustiges Kerlchen galt er damals in der öffentlichen Meinung, herzlich und sympathisch, wie gemacht, um mit den Fans dieses Karnevalsklubs auf dem Tribünenzaun stehend zu feiern. Als einer für die Provinz.

Erst seine Tätigkeit als Fernsehexperte im ZDF steigerte die Popularität, wenngleich Berater des qua Geburt eloquenten Fußball-Kaisers, Franz Beckenbauer, ihren Klienten während der WM 2006 anfangs nicht gemeinsam mit diesem volkstümlichen Typen an einem Tisch stehen sehen wollten. Doch Klopp wurde später sogar mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet - und durch sein Wirken beim BVB malochte er sich europaweit gesellschaftsfähig.

„Wir hatten nie vor, Jürgen Klopp als Marke aufzubauen“, sagte sein Berater Mark Kosicke einmal. Na ja. In Klopps Kosmos wirkt zwar vieles zufällig, doch so ehrgeizig wie er ist, passiert wenig ohne ausgeklügelten Plan im Hintergrund. Der Schwabe warb unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und flimmert derzeit in der Opel-Werbung über die Bildschirme in den Wohnzimmern.

Da Klopp noch bis zum 30. Juni dieses Jahres Markenbotschafter der Volks- und Raiffeisenbanken ist, gibt sein schmunzelnder Drei-Tage-Bart sogar beim Geldabheben ein gutes Gefühl. „Jürgen Klopp verkörpert die Eigenschaften, die Wirtschaftsunternehmen gefallen“, sagt Hermann Backhaus, Vorstandsvorsitzender der Märkischen Bank. „Er steht für Sachlichkeit und Vertrauen, spricht eine klare Sprache und besitzt eine hohe Identifikation mit den gesteckten Zielen.“ Außerdem: „Er ist einfach einer wie du und ich“, sagt Backhaus. „Kloppo“ eben.

Mit Villa auf Sylt

Millionen Euro schwer zwar und mit einer Villa auf der Promi-Insel Sylt, aber einer wie du und ich - dieses Gefühl vermittelt Klopp wahrlich. Er präsentiert sich auch nicht aalglatt und steht zu seinen Fehlern. Er kann sie ja gar nicht verbergen, da die Fernsehkameras heranzoomen, wenn der Mann mit der hässlichen Fratze unter dem „Pöhler“-Cappy den Linienrichter am liebsten auffressen möchte.

Jürgen Klopp wird eventuell irgendwann Bundestrainer, Bayern-Trainer oder Coach in der englischen Premier League sein, aber stets „Kloppo“ bleiben. Und den kann man mal nach einer Karte fragen. Wenn man mutig ist.