Eine Tradition pflegen

Das Köhlerhandwerk wurde jetzt ins deutsche Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Das Köhlerhandwerk wurde jetzt ins deutsche Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Das Köhlerhandwerk wurde kürzlich in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen, berichtet Karl Josef Tielke, Präsident des Europäischen Köhlervereins.

Netphen/Winterberg.. Es ist der alte Traum des Menschen, Feuer zu beherrschen, sagt Karl Josef Tielke. Der gebürtige Sauerländer, aufgewachsen in Winterberg-Züschen, ist Präsident des Europäischen Köhlervereins und ein leidenschaftlicher Verfechter des alten Handwerks zur Holzkohlenherstellung. „Es ist ganz wichtig, für nachfolgende Generationen ein altes Handwerk in Erinnerung zu behalten, das so bedeutsam für die technische und kulturelle Entwicklung der Menschheit war.“

Vor kurzem wurde das Köhlerhandwerk als eines von 27 Traditionen und Wissensformen in das neue bundesweite Verzeichnis des immateriellen ­Kulturerbes aufgenommen. Karl ­Josef Tielke freut sich, dass das ­Expertenkomitee bei der ­Deutschen Unesco-Kommission erkannt hat, dass Traditionspflege in diesem Bereich Sinn hat. „Ohne Köhlerei wäre bis ins 18. Jahr­hundert kein Erz geschmolzen und verarbeitet worden“, so der ­Vereinsvorsitzende. „Wir müssten sonst noch mit Holzlöffeln essen.“

Lange Familientradition

Als Tielke, heute wohnhaft in ­der Gemeinde Borchen im Kreis ­Paderborn, in den Ruhestand ging, hat er zusammen mit seinen Söhnen das Handwerk bei einem Köhler im Harz erlernt. „Am Kohlenmeiler kommt man sozusagen in direkten Kontakt zu den Vorfahren“, sagt der Westfale. Er stammt aus einer Köhlerfamilie im Sauerland – „die Tradition ging bis zum Großvater.“

Der Präsident des Europäischen Köhlervereins ist sich darüber im Klaren, dass der Beruf des Köhlers eines Tages aussterben wird („weil es längst andere Produktions­techniken für Holzkohle gibt“). Für ihn geht es darum, das öffentliche Bewusstsein für eine alte, gelebte Tradition für zukünftige Gene­rationen zu stärken. Insbesondere denen im Sauer-, Sieger- und ­Wittgensteiner Land, früher Hochzentren der Köhlerei in Deutschland.

Das ist ganz im Sinne von ­Reinhold Wagener aus Netphen-Walpersdorf: „Die Köhlerei ist eines der ersten Handwerke des ­Menschen. Unsere Vorfahren ­haben damit erst die Industri­alisierung ermöglicht“, schwärmt das 63 Jahre alte Präsidiumsmitglied des europäischen Köhler-Zu­sammenschlusses. „Es zeigt doch, wie sehr die ersten Köhler nach ­vorne gedacht haben.“ Wagener ist „zusammen mit meiner Frau ­Christiane und neben meinem Cousin Bruno“ der letzte Nebenerwerbs-Köhler in Westfalen. „Es ist pure Natur“, sagt er. „Aber es ist auch ein Knochenjob. Und alles per Hand.“

Nur noch maximal zwei Meiler baut der Siegerländer pro Jahr auf. „Es ist ein zeitaufwändiges und ­anstrengendes Handwerk.“ ­Während der Herstellungsphase lebt er im Wald in einem Seitental der Sieg – zum Schlafen legt er sich in eine Hütte in der Nähe des Meilers. Immer wieder muss er auch nachts raus – er muss ständig kontrollieren, dass das Feuer nicht offen ausbricht. Was den Walpersdorfer besonders freut: Er hat einige junge Leute aus dem Dorf in die Geheimnisse des Handwerks eingeweiht. „Es wäre doch schön, wenn es in Zukunft so viel Nachwuchs gibt, dass die Tradition zumindest bei Vorführungen von Heimatvereinen der Öffentlichkeit präsentiert werden kann.“

Bei Grillfreunden hoch im Kurs

Reinhold Wagener hat das Handwerk von seinem Vater Paul gelernt – dem letzten hauptberuflichen Köhler in Walpersdorf. „Ich weiß noch aus meiner Kindheit und Jugend, dass die Holzkohle an Eisenhütten und Metallgießereien verkauft wurde.“ Heute stehen seine Naturprodukte bei Grillfreunden hoch im Kurs - „wegen der gleichmäßigen, hohen Temperaturen“.

Köhlervereins-Präsident Karl Josef Tielke grillt auch gerne – aber nur mit guter Holzkohle, wie er ausdrücklich betont. Die erkennt er nach eigenem Bekunden am Geruch und an den Knistergeräuschen. „Gute Holzkohle gibt wenig Rauch ab und stinkt nicht.“ Sagt’s und beendet das Telefongespräch mit dem Köhlergruß: „Gut Brand!“