Eine Lektion in Sachen Stolz
14.02.2012 | 18:09 Uhr 2012-02-14T18:09:00+0100
Bad Sassendorf.120 Millionen Euro - so viel sparen die Bauern in NRW jedes Jahr der Gesellschaft. In Euro und Cent vorgerechnet zu bekommen, was sie und ihre Männer leisten, das hat den Landfrauen gut getan. Diese Lehrstunde in Selbstbewusstsein haben sie gestern beim Bäuerinnenforum in Bad Sassendorf erteilt bekommen.
120 Millionen Euro würde es nämlich kosten, wenn das Land die Arbeit, die die Bauern freiwillig in die Pflege der Landschaft stecken, an Firmen vergeben würde. 2500 Euro wendet jeder Betrieb in Westfalen pro Jahr im Durchschnitt zum Beispiel für die Pflege von Kopfbäumen, Streuobstwiesen, Wegerändern und Teichen auf. Ein Betrieb im Kreis Siegen-Wittgenstein kümmert sich um 250 Meter Hecke, im Kreis Soest sind es 400 Meter. Das hat eine Studie der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft ergeben, die deren Geschäftsführer Wolfgang König gestern 270 westfälischen Landfrauen im Haus Düsse vorstellte. „Die Landschaft, wie wir sie kennen und an der Spaziergänger so viel Spaß haben, gäbe es ohne uns Landwirte nicht“, so Wolfgang König.
Eine Leistung, derer sich Monika Börger, Vorsitzende der Landfrauen im Kreis Olpe, bis zu diesem Vortrag selbst gar nicht recht bewusst war, zumindest nicht in dieser Größe, wie sie einräumt. Eine Leistung, „die auch von der Gesellschaft gar nicht richtig anerkannt wird“, wie nicht nur sie sich ärgert.
Stattdessen müsste man im Alltag oft erfahren, dass die „Landwirtschaft in der Öffentlichkeit nicht gut“ ankomme, hat Monika Börger festgestellt. Den Ärger zum Beispiel über den Geruch von Biogasanlagen und Gülle bekämen oft schon die Kinder in der Grundschule ab, ergänzt Maria Anna Schulte-Heinemann, Kreisvorsitzende der Landfrauen im Hochsauerland. Massentierhaltung und Antibiotika-Einsatz - auch dafür würden die Landwirte angegangen.
Umso wichtiger sei es, die Leistungen der Landwirte bekannter zu machen, mahnte auf dem Bäuerinnenforum nicht allein Wolfgang König. Eine Aufgabe, die vor allem an den Landfrauen hängen bleibe - „wie alle unangenehmen Sachen“, so Monika Börger mit einem Lachen. Vielleicht, so vermutet Maria Anna Schulte-Heinemann, weil die Frauen stets versuchten, zu vermitteln - um es allen recht zu machen.
Wie aber können die Landfrauen, in der Öffentlichkeit ein positiveres Bild vermitteln? Tipps dafür hat Jörg Bauer, Landwirt aus Edertal. Ferkel, die auf dem so verpönten Spaltboden spielen - ein Video davon im Internet sei der Renner, so der Experte. Soziale Netzwerke wie Facebook nutzen, Kunstaktionen und Konzerte auf dem Hof - das alles seien Mittel, um ein anderes Bild der Landwirtschaft zu prägen. Vor allem aber empfiehlt er den Landfrauen: „Wenn Sie ein bisschen Zeit haben, schreiben Sie ein Kinderbuch.“ Eines, das kein romantisierendes, sondern ein modernes, reales Bild der Landwirtschaft zeichne. Und schließlich rät er, nicht zu jammern und zu wehklagen, nicht auf Politik, Medien und Kollegen zu schimpfen. „Wir müssen vielmehr langsam wieder lernen zu schwärmen“, so der Experte. Und lernen, so wie die Ärzte es tun, mehr Selbstbewusstsein zu zeigen.
„Die Landfrauen sind viel zu bescheiden“, mahnt auch Monika Börger. Immerhin hat das Forum ihnen nun eine Lektion in Sachen Stolz erteilt.
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