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Eine Deutschlandtour, die sich gewaschen hat

17.10.2012 | 21:20 Uhr
Eine Deutschlandtour, die sich gewaschen hat
Ludger Bücker (46) aus Lippetal-Herzfeld wanderte mit einer Waschmaschine auf einer Sackkarre rund 1100 Km von Konstanz nach Lippetal.Foto: NITSCHE, Thomas

Lippetal/Konstanz.  Ludger Bücker aus Lippetal wandert seit fünf Wochen mit seiner Waschmaschine durch Deutschland. Gestern ist er in seiner Heimat angekommen.

Ludger Bücker ist kein Weichspüler. Der 46-Jährige hat eine saubere Leistung hingelegt. Vom 11. September bis gestern kurz nach halb Fünf ist er 1100 Kilometer von Konstanz am Bodensee nach Lippetal-Herzfeld im Kreis Soest gewandert. Es war kein Spaziergang, hatte er doch eine 70 Kilogramm schwere Waschmaschine an seiner Seite.

Herr Bücker, kann es sein, dass so mancher Beobachter am Wegesrand Sie gefragt hat, ob Sie zu heiß gewaschen wurden? Der groß gewachsene und stämmige Südwestfale lächelt. „Wenige“, sagt er auf einer Sitzbank in Lippetal-Bünninghausen, an der wir uns treffen, um ein Stück seiner Schlussetappe mitzuwandern. „Die meisten fanden meine Aktion sehr lustig.“

Vor Jahren hat der Krankenpfleger in der Forensischen Psychiatrie in Eickelborn das Buch des Briten Tony Hawks gelesen, der nach einer verlorenen Wette Irland mit einem Kühlschrank erwandert hat. „Das hat mich fasziniert“, sagt er und schiebt seinen sperrigen Wanderfreund mit dem stark eiernden linken Rad entlang der Nostalgie-Bahnstrecke zwischen Bünninghausen und dem Lippetaler Ortsteil Heintrop. „Und ich wollte die Deutschen kennen lernen, wie sie leben, wie sie feiern.“

Ein Gefährt vom Schrottplatz

Also holte er sich eine ausgediente, aber aus Erfahrung gute Waschmaschine vom Schrottplatz, entfernte u.a. den Motor, montierte sie fest an eine 25 Jahre alte Sackkarre und füllte Fett in die Waschmittel-Einfüllöffnung - damit er nach jeder Stunde seiner Wanderung das Radlager „schmieren“ konnte. Ins Innere füllte er Regenkleidung und Verpflegung und band seine in einen gelben Sack gehüllte Reisetasche auf die Maschine. Während er sich in den Zug setzte, brachte eine Spedition seinen späteren ständigen Begleiter nach Konstanz.

Die erste Woche sei hart gewesen, erzählt der Mann in dem neongrünen Pullover und der kurzen Sporthose, der über einen schnellen Schritt verfügt. „Ich bin vorher nie gewandert.“ Blasen an den Füßen, überall Muskelkater und die Frage: Wieso tue ich mir das an? „Aber das Wort Aufgeben kenne ich nicht.“ In Koblenz war das erste Paar Schuhe durch, dann lief es rund, immer am Rhein und an der Lippe entlang. 30 bis 40 Kilometer pro Tag auf der Römerroute, um an jedem Übernachtungsort mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. „Von wegen die sturen Deutschen“, lobt Ludger Bücker, „sie waren so freundlich und hilfsbereit. Total locker.“

Unvergessliche Tage

Es waren unvergessliche Tage für den 46-Jährigen aus Herzfeld, der sich vorstellen kann, eine solche Aktion im kommenden Jahr in den Alpen zu starten. Er wird die skurrile Situation in Mainz nicht vergessen, als ein Firmenbus des Waschmaschinenherstellers Miele an ihm vorbei fuhr. „Als die Mitarbeiter in dem Bus mich mit dem ,AEG Öko-Lavamat’ sahen, haben sie feixend an die Scheiben geklopft.“

Kurz vor dem Ziel die naheliegende Frage: Was macht er als erstes, wenn er nach seiner 1100-Meter-Tour seine Wohnung betritt? Der 46-Jährige überlegt nicht lange: „Ich mache die Waschmaschine an.“ Die im Keller seiner Wohnung, nicht die vom Schrottplatz.

Rolf Hansmann



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