Ein Neuanfang - mit Hilfe der Nachbarn
29.01.2012 | 20:25 Uhr 2012-01-29T20:25:00+0100
Sundern/Amecke.Kazimierz Sarna steht in seiner Garage, guckt nach oben und blickt direkt in den blauen Himmel. Nachbar Marc Miltz trägt derweil verkohlte und undefinierbare Metallteile nach draußen.
Samstag vor einer Woche war der Himmel über Sundern-Amecke noch wolkenverhangen, es regnete. Sarnas Auto parkte vor der Tür, er hatte vergessen, die Seitenscheibe hochzufahren. „Ich hab’ das Auto in die Garage gefahren. Den feuchten Innenraum wollte ich mit einem Elektro-Heizlüfter trocknen, den ich in die Mitte des Fußraums der Rücksitzbank gestellt habe. Ich war die ganze Zeit dabei und habe das Gerät nach etwa zehn Minuten ausgeschaltet und bin in einen Nebenraum gegangen.“
Augenblicke später nahm das Unheil seinen Lauf. Sarna bemerkt Brandgeruch. Als er die Tür zur Garage wieder öffnet, kommen ihm schon dicke Rauchschwaden entgegen. Die Versuche, die Flammen mit einem Feuerlöscher zu ersticken, misslingen. Als die Feuerwehr wenige Minuten später eintrifft, brennt die Garage bereits lichterloh.
Das Dach des angrenzenden Wohnbereichs fängt ebenfalls Feuer. Immerhin können die Einsatzkräfte das Übergreifen der Flammen auf Wände und Mobiliar verhindern. Sarna, der gemeinsam mit seiner Frau noch verzweifelt versucht, Gegenstände aus dem Haus zu retten, muss mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus, verlässt es jedoch noch am selben Abend. Am nächsten Morgen wird klar: Kazimierz Sarna und seine Frau Monika haben fast alles verloren - aber sie leben.
Jetzt, gut eine Woche nach der Katastrophe, steht Sarna im Blaumann in den Überresten seines Einfamilienhauses im Stadtteil Amecke. An das Dach des Gebäudes erinnern nur noch herunterhängende Fetzen des Dämmmaterials. Der Dachstuhl ist komplett verbrannt, die Holzträger nur noch ein verkohltes Gerippe. Obwohl der Wind durch das Haus und die angrenzende Garage pfeift, ist der beißende Brandgeruch allgegenwärtig.
Was das Feuer verschont hat, ist durch die Löscharbeiten der Feuerwehr in Mitleidenschaft gezogen worden. In der Garage tropft es noch immer aus den schwarzen Holzbalken - und Ruß, überall Ruß.
„Ich bin so froh, dass sich niemand verletzt hat. 70 Feuerwehrleute waren hier, auch ihnen ist Gott sei Dank nichts passiert“, sagt Sarna. Ein Gutachter beziffert den Schaden auf 200 000 Euro. Brandursache soll nach Angaben der Polizei eine defekte Sicherung gewesen sein, die das Überhitzen des Elektro-Ofens hätte verhindern sollen. „Was wir uns ein Leben lang aufgebaut haben, ist innerhalb von Minuten in Rauch aufgegangen. Es wird schwierig, wieder von vorne anzufangen“, sagt Sarna, dem es sichtlich schwer fällt, über diesen Schicksalsschlag zu sprechen.
Erst als er an seine Nachbarn, wie Marc Miltz, und die Amecker Dorfgemeinschaft denkt, huscht ein erstes Lächeln über sein Gesicht: „Ich bin sprachlos. Das ganze Dorf hat uns geholfen, uns Kleidung gegeben. Keiner wollte Geld haben.“ Dank dieser Hilfsbereitschaft haben die Sarnas bereits eine Unterkunft für die nächsten Monate gefunden. Der Eigentümer eines Ferienhauses lässt das Ehepaar umsonst dort wohnen. Sogar ein altes Auto hat die Familie als Ersatz für ihren verbrannten VW Passat bekommen. Monika Sarna ist dankbar: „Es gab so viel Hilfe aus der Nachbarschaft, auch von Menschen, die wir gar nicht kennen. Man kann mit Worten nicht beschreiben, wie sehr uns das hilft.“ Die Unterstützung lässt beide neue Kraft schöpfen. Seit einer Woche wird am Kambergweg mit vereinten Kräften aufgeräumt.
„Er hat uns immer geholfen, jetzt kann ich mich revanchieren. Ich habe gesehen, wie es hier gebrannt hat. So etwas möchte ich nie mehr erleben“, sagt Nachbar Miltz, der jeden Tag nach der Arbeit kommt und gerade die verkohlten Überreste des Garagentors nach draußen trägt.
Als Sarna für eine kurze Pause nach nebenan, in sein vorübergehendes Zuhause geht, bleibt er vor der Eingangstür stehen und blickt irritiert. Neben der Fußmatte stehen zwei Kisten Bier. Woher die kommen? Sarna hat keine Ahnung. Die Nachbarschaft in Amecke, sie funktioniert auch heute perfekt.
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