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Ein Märchen aus 1001 Schlacht

22.05.2013 | 14:00 Uhr
Ein Märchen aus 1001 Schlacht
Der Ort des Glücks:

Dortmund.   Der Schauplatz London ist für Borussia Dortmund nicht nur eine Erinnerung an wirtschaftlich schlechte Zeiten, sondern auch Sinnbild dafür, dass das nahende Finale in der Champions League noch vor zwei Jahren unerreichbar schien.

Jürgen Klopp ist derzeit ein gefragter Mann. Die englische Presse reißt sich um den Typen, der aus Borussia Dortmund auf sportlichem Gebiet das gemacht hat, was es heute ist: ein Champions-League-Finalist. Weil der Trainer abseits der Seitenlinie gern ein höflicher Mensch ist, überlegte er, wie er seinen britischen Gesprächspartnern erklären könne, was da gerade in Westfalen abgeht. „Aber“, sagt er, „mir ist das englische Wort für Märchen nicht eingefallen.“

„Von Ground Zero nach Wembley“

Ein Fußball-Märchen aus 1001 Schlacht. Sie zu schlagen hat nicht der 2008 engagierte Klopp begonnen, sondern dessen Vorgesetzter Hans-Joachim Watzke. In diesen Tagen muss er immer wieder daran denken. Weil das alles so bizarr, so kitschig, so unglaublich ist: 2005 kurz vor dem wirtschaftlichen Exodus, 2013 im größtdenkbaren Finale des Vereins-Fußballs. „Von Ground Zero nach Wembley. Das ist eine außergewöhnliche Entwicklung“, sagt BVB-Boss Watzke bezogen auf die vergangenen Jahre, in denen neben Dortmund immer wieder auch eine zweite Stadt als Schauplatz auftaucht. Die kommende Finalstadt London.

Dort hat Morgan Stanley seinen Sitz, die Bank also, die bei der Restrukturierung des damals finanziell ruinierten BVB einen entscheidenden Part übernahm. Watzke war damals häufiger in der britischen Metropole zu Gast, um den Europa-Chef für Restrukturierung von Morgan Stanley, Patrick Lynch, zu treffen. „Wir haben oft in Pubs zusammen gesessen und die Zukunft von Borussia Dortmund skizziert“, sagt Watzke. „Um ihn zu locken, habe ich dann mal zu ihm gesagt: Pat, irgendwann sitzen wir beiden zusammen beim Champions-League-Finale. Ich habe das damals nicht geglaubt.“ Nun ist es plötzlich Realität. Ein paar Kilometer von dem Ort entfernt, an dem Watzke sich vor sechs, sieben Jahren gezwungen sah, um die Zukunft des BVB zu feilschen, steigt nun am Samstag (20.45 Uhr/live im ZDF) das Endspiel gegen den FC Bayern München.

Desillusioniert vom Finale 2011

Natürlich haben sie beim BVB irgendwann angefangen, ein bisschen zu träumen. Spätestens 2011, als die erste Meisterschaft nach neun titellosen Jahren überraschend eingefahren wurde, überlegten sie, ob sie es möglicherweise mal in ein solches Finale schaffen könnten. Watzke erinnert sich genau, wie er kurz nach dem nationalen Triumph zum Königsklassen-Endspiel reiste. Der FC Barcelona spielte gegen Manchester United. Im Londoner Wembley-Stadion. Watzke saß auf der Tribüne, sah wie die Spanier die ebenfalls scheinbar Lichtjahre entfernten United-Stars in ihre Einzelteile zerlegten - und kehrte desillusioniert zurück. „Ich hatte nicht mal im Ansatz das Gefühl, dass wir jemals in die Reichweite eines solchen Finales kommen könnten“, erinnert sich der Sauerländer. Die miserablen Ergebnisse der vergangenen Champions-League-Saison - unter anderem eingespielt in London bei Arsenal - schienen die Einschätzung zu bestätigen. Nun ist das Finale doch Realität.

Wie im Märchen

„Diese Mannschaft ist vor zwei Jahren eigentlich zu früh Meister, ein Jahr später eigentlich zu früh Doublesieger geworden und wir stehen jetzt sicherlich auch zu früh im Champions-League-Finale“, sagt Jürgen Klopp, „das hat uns aber jeweils nicht davon abgehalten, diese Titel zu gewinnen.“

Der Trainer wünscht sich, dass es auch dieses Mal so kommen möge. Es wäre: wie im Märchen.

Daniel Berg



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