Düstere Prognose für Gladbecker Geiselgangster Degowski
01.10.2012 | 18:12 Uhr 2012-10-01T18:12:00+0200
Werl. Geiselgangster Dieter Degowski träumt nach fast 25 Jahren Haft von der Freiheit. 2013 läuft für ihn die "Schwere der Schuld" ab. Dass der 55-jährige Geiselnehmer von Gladbeck dann freikommt, glaubt der Direktor der JVA Werl nicht. Er stellt dem 55-Jährigen ein verheerendes Zeugnis aus.
Schmal, Halbglatze, Bart, ausdruckslose Augen: Es gibt nur wenige Kriminelle, deren Gesicht man Jahrzehnte nach ihrer Tat noch wie am ersten Tag vor Augen hat. Dieter Degowski, einer der Geiselnehmer von Gladbeck, gehört dazu. Der 55-Jährige, der im August 1988 mit seinem Komplizen Hans-Jürgen Rösner ganz Deutschland in Atem hielt, sitzt in der JVA Werl ein - und träumt von seiner Entlassung. Nach 25 Jahren Haft läuft im kommenden Jahr die „Schwere der Schuld“ ab. Michael Skirl, der Werler Gefängnisdirektor, glaubt nicht, dass Degowski frei kommt. „Nicht 2013 . . .“
Skirl ist ein Mann, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält und zu dem die inflationär gebrauchte Tugendbezeichnung „Klare Kante zeigen“ tatsächlich passt. Wenn der 61-Jährige aber nach einem Interview, das er dem „Focus“ gegeben hat, Sätze wie „Degowski ist menschlich gesehen eine Null“ zu lesen bekommt, dann ärgert ihn das gewaltig. Der Journalist habe die Behauptung aus dem Kontext gerissen, berichtet er unserer Zeitung. „Gesagt habe ich es schon, aber wenn sie den Satz nicht in einen Zusammenhang stellen, dann bleibt ein menschenverachtendes Zerrbild übrig - und das war nicht in meinem Sinn.“ Ausgesprochen habe er es mit einem Brückenschlag zur Menschenwürde, die auch den schlimmsten Verbrechern nicht aberkannt werden dürfte und zum freiheitlichen Rechtsstaat, dessen Resozialisierungsgedanke ein zentraler Bestandteil der Demokratie sei.
Trotzdem steht Skirl zu dem, was der „Focus“ fragmentarisch aus dem Interview gebrochen habe. „Es ist meine ganz persönliche Einschätzung.“
Therapien nur angekratzt
Degowski, so Skirl, habe sämtliche Therapien „nur angekratzt“. Er bezeichnet den 55-jährigen Häftling als dissozial. Das Wort umschreibt gestörte Impulskontrolle, fehlende Schuldgefühle und das ignorieren sozialer Regeln. Der Geiselnehmer von Gladbeck, an dessen Händen das Blut zweier Menschen klebt, sei einer, der in Haft nur wehleidig vor sich hin vegetiere, der fast ausschließlich als Hofreiniger gearbeitet habe, weil er für andere Jobs nicht geeignet gewesen sei. Die Kochlehre habe man ihn nur wegen des Erfolgserlebnisses bestehen lassen. „Degowski ist nun mal wenig intelligent, ein klassischer Mitläufer“, berichtet Skirl. Daran habe sich auch hinter Gittern nichts geändert.
Degowski in Freiheit zu entlassen, mache nur Sinn, bringt es Skirl auf den Punkt, wenn man flankierende Maßnahmen ergreife. „Dazu zählt zum Beispiel die Unterbringung in einem Heim. An seine Seite gehört eine Führungsperson im positiven Sinne.“ Jemand, der ihm sage, was er zu tun und zu lassen habe. Die Frau, die sich als Zuschauerin beim Prozess in den Gangster verliebte und ihn heiratete, wird es nicht sein können: Sie ließ sich längst scheiden.
Ein Restrisiko bleibt
Von den vielen Gnadengesuchen, die Rolf Bossis Anwaltskanzlei laut Boulevardpresse an die Gnadenstelle des Landgerichts Essen verschickt hat, weiß der Werler Gefängnisdirektor nichts: „Meines Erachtens liegt kein einziges vor.“
Michael Skirl, dessen Buch „Wegsperren?!: Ein Gefängnisdirektor über Sinn und Unsinn der Sicherungsverwahrung“ druckfrisch in die Buchhandlungen geliefert worden ist, zieht eine eher düstere Prognose: „Degowski wird kein Gutmensch mehr und therapeutisch ist da nicht mehr viel Luft nach oben.“ Auch wenn er die Worte „Ich bitte um Gnade“ noch gerade so hinbekäme, geht Skirl nicht davon aus, dass der Verbrecher, der der 18-jährigen Geisel Silke Bischoff immer wieder vor Kameras seine Pistole gegen den Hals drückte, im nächsten Jahr auf freien Fuß kommt. „Aber er wird nicht mehr zehn Jahre in Haft sein.“ Wie bei vielen anderen Kriminellen, die ihre Strafe abgesessen haben, weiß Michael Skirl auf die Frage, ob Dieter Degowski erneut zu einer Gefahr für die Gesellschaft werden könnte, nur eine Antwort: „Ein Restrisiko bleibt.“
14:57
Deutschland sollte überlegen ob man doch langsam nicht sich daran gewöhnen sollte um für solche Täter einfach die wirkliche lebenslängliche Strafe einzuführen. Dann kommen diese Leute auch einfach nicht mehr auf freiem Fuss und können sie vielleicht noch auch therapiert werden aber sie stellen dann wenigstens keine Gefahr für die Öffentlichkeit mehr da in den Strassen.
14:49
In Deutschland ist lebenslänglich eben nicht lebenslänglich.
Bei Extremstraftätern wie der RAF ist das sicher was anderes, da ist auch der Staat an sich bedroht worden, der besonders schützenswert ist.
In diesem Falle aber ist es ein "normaler" Straftäter. Zu einer Zeit, als der Umgang mit Geiselnehmern noch ein anderer war, die Presse wesentlich einfacher an die Täter ran kam, und wenig Diskussion um solche Taten aufkam, haben sich zwei verheehrende Charaktere getroffen.
An sich ist Degowski aber nur ein stinknormaler Gewalttäter, der situationsbedingt Morde begangen hat.
Demnach ist ganz unemotionell zu entscheiden, ob er seine Taten eingesehen hat, ob ein Rückfall zu befürchten ist, und wie man ihn von Leitwölfen fern hält, die ihn zu Straftaten anstiften.
Ehrlich gesagt finde ich, U-Bahn-Torschläger und ähnliche "Spaß-Gewalttäter" (Fußball-Hooligans, Fremdenhasser usw.) für wesentlich problematischer als so eine arme Sau von minderbemittelten Mitläufer ...
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
14:47
Wegschliessen.
Für immer.
Einen therapieresisten, nicht sozialisierbaren Mörder darf man nie wieder auf die Gesellschaft loslassen.
14:24
Er sollte nun raus kommen 25 Jahre fast sind doch genug,
14:03
Mit Ablauf der besonderen Schwere der Schuld wird Degowski ja nicht automatisch entlassen. Das scheint hier aber einigen Mitschreibern nicht bewußt zu sein. Lebenslängliche, bei denen die besondere Schwere der Schuld festgestellt wurde sitzen rd. 23 - 25 Jahre in Haft, auf keinen Fall aber 15 Jahre. Es gibt Verurteilte wie Chr. Klar, die 26 Jahre und länger verbüßt haben.
Erst nach Ablauf der Schwere der Schuld kann er überhaupt einen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen. Wird dieser abgelehnt kann er alle zwei Jahre einen neuen Antrag stellen. Werden diese Anträge alle abgelehnt beschließt Degowski sein Leben in Haft. Angesichts der beschriebenen Verhaltensmuster halte ich diese Entwicklung für wahrscheinlich und für alle Beteiligten am besten.
12:27
Warum haben die Täter eigentlich immer mehr Rechte als die Opfer?
Für die Angehörigen der Opfer muss die "Aussicht", dass dieser Mann auf freien Fuss kommen kann grauenvoll sein.
Kann man dieses Justizsystem überhaupt verstehen?
Inwiefern haben denn die Täter "immer mehr Rechte als die Opfer"?
Falls Sie den Artikel gelesen haben, werden Sie festgestellt haben, dass Degowski wohl selbst nach 25 Jahren gerade NICHT auf freien Fuß kommt.
Ja, jetzt schon, aber später????
Und wie oft kommen die Täter sehr früher heraus?
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
12:13
Öffentliche Äußerungen wie „Degowski ist menschlich gesehen eine Null“ gehen gar nicht. Wenn er das in einem internen Gespräch gesagt hätte, o.k. , aber so ist das unmöglich.
Damit bringt er sich in dne Verdacht, nicht objektiv zu sein, sondern einfach eine persönliche Abneigung gegen den Gefangenen zu haben.
Ich denke, diese persönlcihe Abneiging (vorsichtig formuliert) haben wir alle, zumindest alle, die das Verbrechen damals dank unserer Medien hautnah miterleben durften.
Sie darf nur bei juristischen Entscheidungen kene Rolle spielen.
Eine solche Haltung darf jedenfalls nicht in der Zeitung augebreitet werden. Die entsprechende Prognose wird intern gestellt, nicht öffentlich.
Der Anstaltsdirektor ist nicht zur Objektivität verpflichtet, er ist kein Richter. Ich habe die Sache damals auch über die Medien verfolgt, ich denke nicht, dass einer der beiden überhaupt über vorzeitige Haftentlassung nachdenken sollte.
Wie bereits zuvor von jemandem gesagt, die beiden dürfen den Knast nur mit den Füßen voraus verlassen.
11:50
Bevor ein Gefangener vorzeitig aus der Haft entlassen wird, wird eine Prognose gestellt. Dazu wird u.a. der Gefängnisdirektor gefragt. Und was solol er sonst als seine Meinung dazu sagen. Soll er die Meinung eine Verkäufers bei Aldi wiedergeben.
11:46
Herr Deowski hat wie jeder andere Gefangene auch, nach Ablauf seiner Mindeststrafe, das Recht alle zwei Jahre seine Haftentlassung überprüfen zu lassen. Das heisst noch lange nicht das diesem Antrag statt gegeben wird. In Rheinbach hat ein Mörder über 43 Jahre, bis er gestorben ist, ein gesessen. Der hatte auch "nur" lebenslänglich, aber keine Sicherheitsverwahrung.
Ich wüsste nicht wieso man Herrn Degowslki dieses Recht auf Prüfung verweigern sollte.
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
11:41
Es gibt keine Regel das "Lebenslänglich" 15 Jahre bedeutet. Es gibt Leute die waren über 40 Jahre in Haft. Ohne Sicherheitsverwahrung. Herr Klar von der RAF sitzt 27 Jahre.
Bei einem Lebenslänglichen wir frühestens nach 15 Jahren überprüft ob er auf Bewährung frei kommt. Beschliesst ein Gericht da der Täter "eine besonders schwere Schuld" auf sich enommen hat ist das nicht möglich. Auch kann ein Gericht eine Mindeststrafe, Zb.wie bei Herrn Klar (27) Jahre urteilen.
Im Schnitt sitzt ein "lebenslänglicher" 20 und nicht 15 Jahre ein.
derzeit 22,3 Jahre