Die Wespen sind in diesem Sommer verschwunden
04.09.2012 | 19:13 Uhr 2012-09-04T19:13:00+0200
Hagen/Düsseldorf. Der kalte, trockene Winter und der feuchte Frühling haben den Küchennascher schrumpfen lassen. Bestand der schwarz-gelben Flieger ist merklich zurückgegangen. keine Wespe auf dem Obstkuchen, keine Wespe auf der Terrasse.
Keine Wespen auf dem Bienenstich. Wer seinen Kuchen bei wärmender Sonne im Freien auf der Terrasse verspeist, wird es festgestellt haben: In diesem Sommer tauchen nur sehr wenige Insekten mit der schmalen Taille auf, um den Menschen die Obsttorte, das Eis oder den Saft streitig zu machen. „Der Sommer 2012 ist für die Kuchenwespe ein sehr, sehr schlechter Sommer“, weiß auch die Wildbienen-Expertin des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Melanie von Orlow. Dabei sei schon im Jahr 2011 der Bestand der kleinen hungrigen schwarz-gelben Flieger merklich zurückgegangen. Doch was sich nun - im Jahr 2012 – zeige, übertreffe die Abnahme des Vorjahres bei weitem.
Bereits Anfang 2012 hatte Claus-Peter Hutter, Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg, prophezeit: „Wegen des harten Winters und des regnerischen Frühlings wird es in diesem Jahr sicher weniger Wespen geben.“ Hutter sollte recht behalten.
Der Bestand der Gemeinen oder Deutschen Wespe ist merklich zusammengeschrumpft. Melanie von Orlow weiß, warum: „Der Winter war kalt und ohne Schnee. Da hat es viele Königinnen in ihrem Unterschlupf erwischt. Die wärmende Schneedecke hat gefehlt. Viele der Königinnen, die eigentlich die neuen Völker gründen sollten, sind erfroren.“ Zusätzlich sei es im Frühjahr, also in der Zeit, in der sich die Wespenvölker aufbauen, in der sie ihre papierartigen Nester konstruieren, kalt und nass gewesen. Folge: Die filigranen Gebilde - und mit ihnen die Larven – verfaulten.
„Leider gibt es niemanden“, beklagt Melanie von Orlow, „der systematisch für die Statistik erfasst, wie groß die Abnahme bei der Gemeinen Wespe ist.“ Doch die Fachfrau für Wildbienenfragen bleibt gelassen, obwohl die Verminderung der emsigen Kuchennascher bundesweit registriert wird: „Das sind natürliche Bestandsschwankungen, die uns noch keine Sorgen bereiten müssen.“ Für die Erstellung der „Roten Liste“ der bedrohten Tierarten werde für kurzfristige Beeinträchtigungen ein 25-Jahre-Rhythmus zu Grunde gelegt. Von Orlow: „Wenn es in zehn Jahren noch immer weniger Wespen gibt, müssen wir uns wirklich Sorgen machen.“
Nicht ganz so entspannt sieht Bärbel Holl, Vorsitzende des Vereins zur Förderung der ökologischen Schädlingsbekämpfung, die ausgebliebene Wespenplage: „Der Rückgang ist katastrophal. Wir haben gegenüber den Vorjahren in diesem Sommer nur zehn Prozent der Wespennester beseitigt, wie sonst üblich.“ 2012 sei das schlechteste Wespenjahr seit 20 Jahren.
Und das nicht nur im Betrieb von Bärbel Holl. Sowohl andere Kammerjäger als auch die Hersteller von Insektenbekämpfungsmitteln hätten in Gesprächen die Reduzierung der Gemeinen Wespe angemerkt.
Dabei geht es den Schädlingsbekämpfern nicht um das Geschäft („Wir haben mit Schaben, Asseln und anderem Getier wahrhaft genug zu tun.“). Die Wespe sei als äußerst aktives Insekt für eine gesunde Umwelt unentbehrlich. Sie bestäube nicht nur Millionen von Pflanzen, sondern ein Wespenvolk vertilge am Tag auch etwa ein Pfund kleinerer Schadorganismen. Darum springt Bärbel Holl für ihre schwarz-gelben „Kolleginnen“ in die Bresche: „Am liebsten hätte ich den Leuten, die uns zur Wespennest-Beseitigung gerufen haben gesagt ,Komm, ich geb' Dir das Geld für die Beseitigung und Du behältst das Nest’.“
23:18
Wie sagen unsere Evolutionsbiologen immer?:
Wir Menschen leben viel zu kurz, um überhaupt einen Eindruck von den Abläufen der Welt zu haben.
Als ob man nun in Panik ausbrechen muss, wenn mal ein Jahr weniger Wespen schwirren. Ich bin froh darüber, dass die Natur mich in diesem Jahr von den Viehchern verschont hat. Und im nächsten oder übernächsten Jahr gibt es dann halt eine Plage. Auch damit muss man leben. Aber niemand glaubt im Ernst, dass die gemeine Wespe ausstirbt vor dem Menschen, oder?