Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Oper

Die Stadt Wuppertal will ihr Opern-Ensemble loswerden

14.07.2013 | 18:01 Uhr
Die Stadt Wuppertal will ihr Opern-Ensemble loswerden
Toshiyuki Kamioka ist Chefdirigent des Wuppertaler Sinfonieorchesters und ab Sommer 2014 auch Intendant der dortigen Oper.Foto: Antje Zeis-Loi,

Wuppertal.   Die Stadt Wuppertal will sparen. Im traditionsreichen Musiktheater sollen künftig Gäste die festangestellten Sänger ersetzen. Die Verträge des gesamten Ensembles sollen nicht verlängert werden. Einigen Solisten soll angeboten worden sein, künftig als Gast auf der Wuppertaler Bühne zu stehen.

Der designierte Wuppertaler Intendant Toshiyuki ­Kamioka hat nach Informationen dieser Zeitung dem kompletten Wuppertaler Opern-Ensemble zur Spielzeit 2014 die Nichtverlängerung ausgesprochen, also allen Sängern, aber auch den Pianisten, Dramaturgen, Inspizienten, Pädagogen, Regieassistenten und Pressesprechern. Damit will Kamioka aus Spargründen offenbar den in Deutschland einzigartigen Versuch starten, ein A-Opernhaus zwar mit Orchester und Chor, aber ohne festes Ensemble zu führen. Das Ensemble-Theater in Wuppertal sei nicht finanzierbar.

Mitarbeiter in Angst

Einigen Solisten soll angeboten worden sein, künftig als Gast auf der Wuppertaler Bühne zu stehen. Toshiyuki Kamioka ist seit 2005 Generalmusikdirektor (GMD) der Stadt Wuppertal. Im gleichen Jahr übernahm er eine Dirigier-Professur in Saarbrücken. Im Jahr 2009 gab er seine Opernaufgaben in Wuppertal ab und fungiert seither als Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Sinfonieorchesters Wuppertal und zugleich als GMD des Saarländischen Staatstheaters in Saarbrücken. Im Sommer 2014 übernimmt er das Amt des Wuppertaler Opernintendanten als Nachfolger von Johannes Weigand und gibt die Position als GMD in Saarbrücken auf.

Lesen Sie auch:
Neuer "Ring" zum Jubiläum der Bayreuther Festspiele

Landauf, landab Wagner: Der Jubilar beschäftigt in diesem Jahr die Kulturszene. Doch keine Neuinszenierung wird mit so großer Spannung erwartet wie der "Ring des Nibelungen" bei den Bayreuther Festspielen.

Offenbar will Kamioka in Wuppertal einen Stagione-Betrieb einführen, wie man ihn aus Italien kennt. Völlig unklar ist derzeit, wie ein Stagione-Betrieb ohne Mitarbeiter hinter der Bühne wie Inspizienten organisiert werden soll. Ebenfalls unklar ist, ob auf Vermittlungsangebote wie Theaterpädagogik künftig in Wuppertal ganz verzichtet werden soll.

Prof. Reinhard Leisenheimer, langjähriger Tenor am Theater Hagen und als Professor an der Kölner Musikhochschule der Ausbilder erfolgreicher Sänger, hält auf Anfrage unserer Zeitung das Ensemble-Theater in der deutschen Theaterlandschaft für unverzichtbar – wegen der großen künstlerischen Erfolge, die dieses System vorweisen kann. Ein Opern-Ensemble setzt sich aus Sängern verschiedener Altersstrukturen zusammen, die voneinander lernen und profitieren und in der Summe mehr sind als eine Zahl von Einzelsolisten.

Ensemble-Prinzip

„Der Gedanke des Ensembles ist ja der, immer auf die Leute zurückgreifen zu können. Man kennt sich, man weiß, wer was kann“, so Leisenheimer. Nur im Ensemble-Theater sind die Sänger gleichzeitig die „Gesichter“ einer Stadt, die sich über das Theater hinaus engagieren, zum Beispiel, indem sie ­ehrenamtlich in Krankenhäusern, Altersheimen oder Kirchen singen. „Wenn man das Ensemble auflöst, kann das nur schief gehen, oder es kostet sehr viel Geld“, so Prof. Leisenheimer.

Lesen Sie auch:
Großer Jubel für scheidenden Jac van Steen

Kein Abend wie jeder andere im Konzerthaus. Jubel für Jac van Steen, der Dortmunds Philharmoniker als Generalmusikdirektor verlässt. Und kräftige Buhs, als der Name des Oberbürgermeisters fällt.

Der tatsächliche Spareffekt von Kamiokas Plänen darf bezweifelt werden. Fest engagierte Opernsänger verdienen nicht viel Geld. Wenn der neue ­Intendant jedem zukünftigen Gastsolisten nur eine winzige Gage von 500 Euro pro Vorstellung zahlen würde – was bei den größeren Partien ausgeschlossen ist – wären die Kosten immer noch höher als beim jetzigen System. Dazu kommt, dass in Wuppertal zahlreiche langgediente Solisten wirken. Ihnen steht bei einer Kündigung im Zusammenhang mit einem Intendantenwechsel eine Abfindung zu. „Diese Entscheidungen sind theaterfremd“, sind die Wuppertaler Ensemblemitglieder ängstlich und ratlos.

Auch der Hagener GMD Florian Ludwig befürwortet das Ensembletheater. „Mein Herz hängt daran, aus langjähriger Erfahrung mit der anderen Form“, sagt Ludwig auf Anfrage unserer Zeitung. „Das Stagione-System führt immer zu einer Monokultur, der Reiz des Stadttheaters geht dadurch verloren.“ Florian Ludwig gibt aber noch einen anderen Aspekt zu bedenken: „Ein Ensemble ist nicht teurer als lauter Gastsolisten. Aber ohne Ensemble fließt das ganze Geld aus der Stadt heraus, denn die Gäste wohnen ja nicht in der Stadt.“

Monika Willer


Kommentare
Aus dem Ressort
Land unter im Stadtgebiet Balve - Bäume stürzen auf Straße
Unwetter
Land unter am Abend im Stadtgebiet Balve: Ein Unwetter mit 45-minütigem Starkregen hat von Eisborn über Langenholthausen bis Balve dutzende Keller und Geschäftsräume unter Wasser gesetzt. Am Salzlager an der Sauerlandstraße stürzten ebenso Bäume auf die Straße wie zwischen Balve und Mellen.
Neheimer Streetdancer träumen vom Finale bei Got to Dance
Got to Dance
Die „Danceroom-Streetdance-Group“ steht bei der deutschen Fernseh-Tanz-Castingshow „Got to Dance“ im Halbfinale. Bis zu diesem Ziel war es für die Hobby-Tänzer ein harter Weg. Doch das Training hat sich gelohnt. Ali Chopan, der seit Juli die ehemalige Tanzschule Thiele in Neheim übernommen hat, ist...
Drei Festnahmen nach Blitzeinbruch in Hagener Juwelierladen
Blitzeinbruch
Schneller Fahndungserfolg für die Hagener Polizei: Nur knapp eine Stunde nach dem Blitzeinbruch in ein Juweliergeschäft in der Kampstraße wurden die drei mutmaßlichen Täter verhaftet. Mitentscheidend waren die Hinweise einer Augenzeugin. Über den Verbleib und die Höhe der Beute ist nichts bekannt.
90-Jährige schreibt an Uni Siegen ihre Doktorarbeit
Hochschule
Rosemarie Achenbach ist die wohl älteste Doktorandin in Deutschland. Mit 90 Jahren schreibt die Seniorin an der Universität Siegen ihre Doktorarbeit. Ihr erstes Studium musste sie in den Wirren des Zweiten Weltkriegs abbrechen. Das Thema ihrer Arbeit hat auch mit dem Altern zu tun.
Fehlerhafte Baukredite - "wenig Fälle" in Südwestfalen
Baukredite
Die Stiftung Warentest hatte kürzlich beanstandet, dass in Deutschland vermutlich mehrere Millionen Baukreditverträge fehlerhaft sind. Bei südwestfälilschen Banken und Sparkassen mag man von einem Kundenansturm derzeit nicht berichten. Ein "paar" Fälle aber gebe es.
Umfrage
Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Königspolonaise 2014 in Olpe
Bildgalerie
Schützenfest
Gas-Alarm in Kita in Wetter
Bildgalerie
Feuerwehr
Burghaus neuer König in Olpe
Bildgalerie
Vogelschießen