Die Sicherheitsbedenken gegen das Elektroauto bleiben

Beim Tanken wird flüssiger Wasserstoff eingefüllt. Experten bemerken, dass er explodieren könne.
Beim Tanken wird flüssiger Wasserstoff eingefüllt. Experten bemerken, dass er explodieren könne.
Foto: imago/Florian Schuh
Was wir bereits wissen
Die Bundesregierung setzt beim Ausbau der Elektromobilität auf Brennstoffzellentechnologie. Die Begeisterung bei Experten hält sich jedoch in Grenzen.

Hagen.. Mit Skepsis verfolgt die mit dem Thema Elektromobilität verbundene südwestfälische Wirtschaft die Pläne der Bundesregierung zur zusätzlichen Förderung von E-Autos. Auf dem Elektromobilitätsgipfel in Berlin wurde bekannt, dass zwischen 2016 und 2018 rund 160 Millionen Euro in die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie fließen sollen. Künftig soll auch das Netz an Wasserstofftankstellen ausgebaut werden. Streng genommen zählt die Brennstoffzelle nicht als E-Antrieb.

Ladeinfrastruktur nötig

„Die Brennstoffzellentechnik an sich ist sinnvoll, aber sie nützt wenig, wenn es nicht genug Tankstellen dafür gibt. Die Bundesregierung muss zunächst dafür sorgen, dass die Ladeinfrastruktur vorhanden ist“, sagt der Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Fahrzeugelektronik (KFE) in Lippstadt, Wolfgang Hartmann. Und noch sind Sicherheitsbedenken nicht ausgeräumt. Beim Tanken wird flüssiger Wasserstoff eingefüllt, der bei grober Unachtsamkeit explodieren kann. „Das Risiko beim Tanken mit Wasserstoff ist hoch“, meint Hartmann. Da geht es um Entflammbarkeit.

Bis Ende 2015 soll es entlang der wichtigsten Autobahnen und der Metropolen in Deutschland 50 Wasserstofftankstellen geben, weitere 350 sollen bis 2023 hinzukommen. Der Geschäftsführer regt an, angesichts des stockenden Ausbaus der Elektromobilität nur reine E-Fahrzeuge zu fördern - mit 2000 bis 3000 Euro pro verkauftem Fahrzeug oder mit steuerlicher Absetzbarkeit - und keine Hybride, „das sind Spaßfahrzeuge.“ Voraussetzung: „Die Hersteller müssen in den nächsten fünf Jahren Batterien mit der doppelten Reichweite zum halben Preis liefern - das ist zu schaffen.“

Klimaschutz Christopher Mennekes, Geschäftsführer beim Ladestecker-Spezialisten Mennekes aus Kirchhundem, schließt sich der kritischen Betrachtungsweise an. „Die Brennstoffzellentechnik ist noch nicht subventionswürdig, Wasserstoff noch nicht marktreif. Wir brauchen aber dringend E-Autos auf der Straße.“ Auch Mennekes spricht sich für direkte Förderung aus - über Abschreibungsmöglichkeiten für Flottenfahrzeuge oder direkte Zuschüsse. „Die meisten verkauften Elektrofahrzeuge sind Plug-in-Hybride mit Verbrennungsmotor und kleiner Batterie - pro Stück sehr teuer. Hier könnte man mit Subventionen viel erreichen.“

Das Ziel sind eine Million

Eine Million Elektrofahrzeuge möchte die Bundesregierung bis 2020 auf deutschen Straßen fahren sehen - ein großes Ziel, an das die Mehrheit der Bundesbürger aber nicht mehr glauben mag. Weder Hartmann noch Mennekes können es sich vorstellen.

Die Zahl der Elektrofahrzeuge in Südwestfalen liegt weitgehend auf Bundes- und Landesschnitt - 0,02 Prozent fahren rein elektrisch. Um den Absatz anzukurbeln spricht sich Horst-Peter Hohage, Leiter des Fachdienstes Umweltschutz beim Märkischen Kreis, klar für direkte Förderung aus. Aber man würde damit vor allem Zweitfahrzeuge fördern, betont er. „Das kommt für weite Teile der Bevölkerung nicht in Frage - auch ein soziales Problem.“