Die Sauerlandisierung nimmt ihren Anfang

Meschede..  Euphorie ist ihre Sache nicht. Der Sauerländer sagt: „Nicht schlecht.“ Der Berliner: „Da kann man nicht meckern.“ Matthias Feige ist aus der Hauptstadt. Der Geschäftsführer der Dwif-Consulting GmbH, die sich mit Nachhaltigkeit im Tourismus beschäftigt, ist angetan. Drei Stunden hat er zugehört: „Ein Markenkonzept mit allen Facetten. Mein Kompliment. Sie haben sich nicht nur mit Farben und Förmchen beschäftigt.“

Womit dann?

211 Touristiker, Gastronomen, Gemeinde- und Wirtschaftsvertreter, hören im großen Hörsaal der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede geduldig zu. Im Laufe des Vormittags überholt sich das Sauerland selbst und begegnet sich mehrfach auf der Bühne: Sauerland-Höhlen. Sauerland-Seen, Sauerland-Gusto, Sauerland-Relax, Sauerland-Spiritualität, Sauerland-Coaches. Egal. Der Saal ist bei der Geburtsstunde der neuen Marke „Sauerland in Südwestfalen“ dabei, „Sauerland kerngesund“ ist Vergangenheit.

Motor der Regionalentwicklung

Ein verbaler Neubeginn? Mehr nicht? Dafür soviel Aufwand? Nein, es ist mehr. Der Tourismus will ein Motor zur Regionalentwicklung sein. Immerhin macht er im Jahr 1,7 Milliarden Euro Umsatz und sichert 30 000 Frauen und Männern den Lebensunterhalt. Auch deshalb gehören Sauerland und Südwestfalen, der Begriff steht in der Regel für die Wirtschaftsregion, zusammen. „Wir haben sie miteinander verbunden“, sagt Theo Melcher, stellvertretender Vorsitzender vom Sauerland-Tourismus. „Alles, was Verwirrung stiftet, kommt bei Gästen nicht gut an.“

Das weiß kaum jemand besser als Karl Anton Schütte, Hotelier aus Schmallenberg-Oberkirchen. Der 58-Jährige freut sich, „dass der Streit Südwestfalen/Sauerland beigelegt wird“. Dass die Unternehmen bei der neuen Markenstrategie des Sauerland-Tourismus mit im Boot sitzen, begrüßt er: „Alles andere wäre der falsche Weg.“ Was er mit nach Hause nimmt? „Bei baulichen Veränderungen werde ich überlegen, wie die Bauweise unverwechselbare Akzente setzen kann, einfach passend zum Sauerland.“

Die Architektur? Ja, die auch. „Sie ist ein Baustein eines qualitätsvollen Gesamteindrucks“, sagt Thomas Weber, „Wir brauchen ein neues Profil. Wir brauchen neue Bilder im Kopf, die die Menschen mit dem Sauerland in Verbindung bringen.“ Nötig wäre es. Der Geschäftsführer des Sauerland-Tourismus weiß um das bisweilen angestaubte Image der Region. Und allein mit der Farbe Grün lässt sich heute niemand mehr ins Land locken.

Ein Quantensprung

Weber ist in seinem Element, wenn er von einer Sauerlandisierung spricht, die die Köpfe durchdringen soll: „Unser Ziel ist es, dass ein neues Sauerland-Lebensgefühl für Gäste und Einheimische erkennbar wird.“ Mit Konsumgütern, mit Produkten, mit Essen und Trinken - wo ist das traditionelle Eierbacken geblieben? - mit Möbeln. Alles „Made im Sauerland“, versteht sich: „Wir wollen authentisch und modern sein.“ Weber gelingt es, die Zuhörer für seine „neue Art von Mittelgebirgs-Marketing“ zu begeistern. So wie Christian Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) in Arnsberg: „So eine Marke bildet nach innen Identität und nach außen prägt es sich gut ein.“ Oder Fred Hansen vom Landesbetrieb Wald und Holz in Schmallenberg: „Ein schlüssiges Konzept. Vor fünf, sechs Jahren noch undenkbar, wird diese Identität, befeuert von der Regionalen, im Sauerland erlebbar. Das ist ein Quantensprung.“ Und er setzt noch einen drauf: „Ich bin stolz auf diese Heimat.“ Das sagt der Rheinländer, der vor 30 Jahren aus Köln kam und heute in Kirchhundem wohnt.

Das klingt euphorisch.

Und jetzt? Jeder ist an seinem Platz der geborene Botschafter des Sauerlandes.