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Die Magie der Nationalmannschaft

26.12.2012 | 19:56 Uhr
Die Magie der Nationalmannschaft
Interessierte Zuhörer: Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, Christian Seifert, Geschäftsführer der DFL, Dr. Michael Ilgner, Vorstand der Sporthilfe, Joachim Watzke, Geschäftsführer des BVB und Sven Voss (ZDF, von links).

Fröndenberg/Düsseldorf.   Der Fröndenberger Professor Sascha Schmidt untersucht Phänomene im Sport, die auch die Wirtschaft interessieren: Aktuell geht es um die sportliche, wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Fußball-Nationalmannschaft.

Sascha Schmidt aus Fröndenberg war mehr als zehn Jahre erfolgreicher Unternehmensberater. Dann wagte er den Schritt aus der Wirtschaft an die Universität, wo er nun unter anderem mit der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft zusammenarbeitet. „Wir analysieren im Sport Phänomene, die für die Wirtschaft relevant sind“, sagt der gebürtige Fröndenberger. Der Ökonomie-Professor sitzt in seinem Lieblingsrestaurant, dem „Muggel“ in Düsseldorf-Oberkassel. Er beschreibt, was die Idee hinter dem Institut ist, das er seit April 2011 leitet. Der Professor, 41 Jahre alt, hat bereits jetzt ein ereignisreiches ­Berufsleben hinter sich.

Düsseldorf ist Schmidts Wahlheimat, in der er mit seiner Frau ­Larissa und seinen drei Söhnen seit etwa sieben Jahren lebt. Seine Wurzeln aber hat er nicht vergessen. In Fröndenberg an der Ruhr ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen, hier hat er 1990 sein Abitur an der Gesamtschule gemacht. „Meine Eltern wohnen noch immer auf der Hohenheide“, sagt er, „meine Schwiegereltern kommen aus Menden-Halingen.“ Schmidt selbst zog es in die weite Welt, weg aus dem beschaulichen Städtchen am Rande des Sauerlands.

Viel Stress, wenig Ruhezeiten

„Zehn Jahre Zürich, ein Jahr Boston, ein Jahr New York, ein Jahr Johannesburg“, zählt der Professor die Orte auf, in denen er studierte und für eine renommierte Unternehmensberatung tätig war. Danach baute er sieben Jahre lang als Geschäftsführer das Deutschlandgeschäft einer Schweizer Firma auf. Immer auf Achse, viel Stress, wenig Ruhezeiten.

„Ich wollte nicht enden wie einige Manager, die ich während meiner Beratungszeit kennengelernt habe“, erklärt Schmidt, „die sind teilweise schon mit 50 ausgebrannt.“ Darum entwickelte er einen Alternativplan. Er habilitierte schon in jungen Jahren, „um eine Option für die Zukunft zu haben“. Nach 13 Jahren in der Wirtschaft zog er diese Karte im April 2011.

In einem Gespräch mit Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Deutschen Fußball Liga, erklärte dieser ihm, dass der Fußball häufig an den Pranger gestellt werde. „Der Profifußball wird oft reduziert auf die angeblichen Millionäre in kurzen Hosen, seine vielfältigen Effekte, beispielsweise für die Gesellschaft oder die Industrie wurden aber noch nie systematisch untersucht.“

Bisher kaum geforscht

Dies war für Sascha Schmidt der Startschuss: „Gerade an der Schnittstelle Sport/Wirtschaft/Gesellschaft wurde bis dahin kaum geforscht“, erklärt er, „und das war die magische Kombination.“ Unterstützt von einem 15-köpfigen, hochkarätigen Kuratorium, in dem neben Seifert unter anderem DFB-Teammanager Oliver Bierhoff, SAP-Gründer Dietmar Hopp aus Hoffenheim oder DOSB-Generaldirektor Michael Vesper sitzen, startete er das „Institute for Sports, Business and Society“ an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht (EBS) in Oestrich-Winkel bei Frankfurt.

Und seine Untersuchungen schlugen zum Teil hohe Wellen: Er analysierte unter anderem die Integrationseffekte des Profisports; er startete eine kleine Revolution im Skispringen, indem er und sein Team durch empirische Untersuchungen nachwiesen, dass der BMI (Body Mass Index) – anders als lange Zeit angenommen – kaum Einfluss auf die Wettkampfergebnisse hat; er untersuchte die gesellschaftliche Bedeutung von Fußballstars. Themen, „die wissenschaftlich relevant sind, aber auch einer breiten Masse zugänglich“, sagt Schmidt. Genauso wie einer seiner momentanen Forschungsschwerpunkte: die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft.

Die sportliche, wirtschaftliche und soziale Entwicklung der letzten zwölf Jahre sollen Schmidt und sein Team analysieren, und ihre ­Bedeutung für die Gesellschaft quantifizieren. Hierzu führen die Wissenschaftler Interviews mit ­aktuellen und ehemaligen Nationalspielern sowie Trainern und dem Management, um Eindrücke aus dem „inneren Zirkel“ der Mannschaft zu erhalten.

Auch die Fans reden mit

Durch Online-Befragungen unter mehr als 3000 Fans erhalten sie außerdem eine zweite Sicht auf die Entwicklung. „Hat ein Umschwung in der Wahrnehmung stattgefunden? Welche Attribute verbinden die Deutschen mit ihrer Fußball-Nationalmannschaft? Hat sich das soziale Gefüge innerhalb der Mannschaft verändert?“

Alles Fragen, die auch Oliver Bierhoff interessieren. Der DFB-Teammanager ist „sehr gespannt“ auf die Studie. „Wir wollen aus Fehlern der Vergangenheit lernen. Im sportlichen, aber auch im Bereich des Managements und des Teams“, sagt der Europameister von 1996.

Wo Schmidt früher an jedem Tag in einer anderen Stadt und viel international unterwegs war, pendelt er heute zwischen Düsseldorf und Frankfurt und arbeitet von zu Hause aus. Sein Leben ist ruhiger geworden, aber nicht minder spannend. „Die Arbeit an solchen Themen und mit solchen Persönlichkeiten macht einfach Spaß.“

Dennis-Julian Gottschlich


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