Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Pflege

Die Kinder müssen die Initiative ergreifen

14.08.2012 | 15:32 Uhr
Die Kinder müssen die Initiative ergreifen

Witten/Herdecke.   Pflegebedürftigkeit der Eltern ist ein Tabuthema in Familien. Prof. Angelika Zegelin empfiehlt, die Ängste zu überwinden.

Vielfältig sind die Wünsche ans Leben, unterschiedlich die Vorstellungen vom Tod. Aber in einem Punkt herrscht Einigkeit: Niemand will pflegebedürftig werden. Trotzdem ist das ziemlich wahrscheinlich. Und wenn es dann so weit kommt, sind die meisten Familien nicht vorbereitet. Weil sie nie darüber gesprochen haben. Weil das ein Tabuthema zwischen Eltern und Kindern ist. Wie sich das aufbrechen lässt, hat die die Pflegewissenschaftlerin Prof. Angelika Zegelin von der Universität Witten/Herdecke mit Studenten erkundet.

Am Anfang stand eine (nicht repräsentative) Umfrage: Wer schon einmal mit seinen Eltern darüber gesprochen habe? Keiner. Und warum nicht? Die Gründe wurden gesammelt, kategorisiert und analysiert. Erstes Ergebnis: Auf Seiten der Eltern ist die Hemmschwelle besonders hoch. Zweites Ergebnis somit: Die Kinder sollten die Initiative ergreifen. Unbedingt. Zegelin: „Oft müssen ganz plötzlich nach einem Klinikaufenthalt sehr schnell Regelungen gefunden werden. Und wenn man sich nie mit diesem Feld beschäftigt hat, bleibt vieles dem Zufall überlassen - und das bei einer so wichtigen Lebensentscheidung.“

Bei Älteren greife - wie bei der Krebsvorsorge und anderen unangenehmen Themen - ein normaler Verdrängungsmechanismus. Aber dazu komme noch etwas anderes, meint die Pflegewissenschaftlerin: „Eltern befürchten, dass schon die Erwähnung andeute, sie wollten von den Kindern gepflegt werden. Dabei ahnen sie schon, dass es dazu wahrscheinlich nicht kommt.“ Weil die Entfernung zu groß ist, Beruf, eigene Kinder oder die Größe der Wohnung das nicht zulassen.

Deshalb reagierten Eltern selbst bei einer direkten Frage, wie sie sich das später vorstellen, häufig nur mit „ach, lass mal“. Die Kinder sollten es trotzdem nicht lassen, empfiehlt Angelika Zegelin: „Es liegt in ihrem eigenen Interesse, das frühzeitig zu regeln. Und dazu müssen sie die Wünsche der Eltern erfragen.“ Aber was heißt frühzeitig? „Spätestens ab dem 60. Geburtstag.“ Können dann nicht noch Jahrzehnte vergehen, bis der Pflegefall eintritt? „Natürlich. Deshalb muss man immer wieder Anpassungen vornehmen. Auch, weil es neue Angebote gibt.“

Warum also so früh? „Weil immer etwas passieren kann. Und weil dann ein Umzug oder ein Umbau des Hauses noch leichter fallen.“ Ohnehin sei es besser, viele kleine Gespräche zu führen, als auf einmal mit der Tür ins Haus zu fallen. Es könne durchaus sein, dass sich plötzlich ein Knoten löst, wenn das Thema endlich angesprochen wird: „Wenn Kinder zeigen, dass sie die Verantwortung mittragen wollen, auch wenn sie selber die Pflege nicht übernehmen können, tut das den Eltern auch gut.“ Reden alleine sei aber nicht ausreichend: „Man sollte sich informieren über Hilfen und ambulante Dienste“, sagt Zegelin, „und verschiedene Alteneinrichtungen anschauen - ganz unabhängig vom Alter. Das täte auch Schulklassen gut.“

Harald Ries


Kommentare
Aus dem Ressort
Hannelore Kraft prophezeit Groko Konflikte mit Bundesrat
Energiewende
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat ihren Gestaltungsanspruch im Bundesrat bekräftigt. Die Große Koalition habe im Bundesrat keine Mehrheit. Im Interview spricht sie über ihr Bekenntnis zu Bildung und Infrastruktur, das Verhältnis von rot-grün in NRW und das Gelingen der Energiewende.
Daniel Ceylan aus Meschede glaubt an Sieg bei DSDS
DSDS
Auch wenn sein Auftritt in der Vorwoche nicht sein bester war, hat Daniel Ceylan es in die Top sechs bei Deutschland sucht den Superstar (DSDS) geschafft. Jetzt er muss er sich wieder vor Dieter Bohlen und Co. beweisen und auf Unterstützung hoffen. Ein Interview auch über seine Heimat Meschede.
Unternehmer Dieter Mennekes - Wildnis statt Millionen
Stiftung
Für NRW-Umweltminister Johannes Remmel ist in Wittgenstein der "Startschuss für ein neues Kapitel im Buch der Naturschutzpolitik“gefallen. Unternehmer und Umweltschützer Dieter Mennekes (73) bringt seinen Privatwald in eine Stiftung ein und verzichtet damit wohl auf sechs Millionen Euro.
DEKRA-Crashtest - Motorrad contra Mähdrescher
Crashtest
Fotografen und Kameraleute stehen schussbereit im Straßengraben. Alles wartet auf der Kreisstraße 63 zwischen Leitmar und Borntosten auf den ersten DEKRA-Crashtest „Motorrad gegen Mähdrescher“. Sieben TV-Sender wollen die Aufnahmen zeigen. Zur Abschreckung und zur Sensibilisierung.
Wenn das Leben nicht perfekt wird: eine Mutter erzählt
Pränataldiagnostik
Die Pränataldiagnostik wird immer genauer – und auch bequemer. Das belastet, kann aber auch Chancen eröffnen. Eine Mutter aus dem Sauerland erzählt auf Nachfrage, wie es ist zu wissen, dass ein Kind behindert zur Welt kommen wird.
Umfrage
Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Umweltschützer Dieter Mennekes
Bildgalerie
Unternehmer
Motorrad gegen Mähdrescher
Bildgalerie
Crashtest
Tanklaster stürzt in Böschung
Bildgalerie
Unfall
RWE siegt 3:1 in Lippstadt
Bildgalerie
Regionalliga