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Die jecke Welt ist kornblumenblauNärrische Ratssitzung am Rosenmontag

21.01.2015 | 00:10 Uhr

Menden. Der Prinz kommt. Oder wie die Kölner sagen: De Prinz kütt. Am kommenden Freitag statten die höchsten Repräsentanten des Kölner Karnevals - das Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau - der westfälischen Narren-Hochburg Menden einen Besuch ab. Den Verantwortlichen der Karnevalsgesellschaft Kornblumenblau ist damit ein echter jecker Coup gelungen.

„Alaaf“ trifft auf „Helau“. Kann das gut gehen? Manfred Gies lächelt. „Dass wir an diesem Tag zu Ehren des Dreigestirns ein ,Alaaf’ rausquetschen, ist doch selbstverständlich.“ Wahrlich nicht jeder Verein im Land schafft es, die Tollitäten über die kölschen Stadtgrenzen hinaus zu bewegen. Den Besuch aus dem rheinischen Epizentrum des Frohsinns hat eine familiäre Bande ermöglicht: Prinz Holger I. (Holger Kirch) ist der Schwiegersohn des Mendener Unternehmers Hermann Josef Schulte.

Vereinsheim im Teufelsturm

Manfred Gies - im wahren Leben Standesbeamter - engagiert sich seit vielen Jahren im Mendener Karneval. Der Vizepräsident des Bundes Westfälischer Karneval (BDK) sitzt im Kornblumenblau-Vereinsheim im Teufelsturm, in dem auch das Westfälische Karnevalsmuseum beherbergt ist, und sinniert über die Unterschiede zwischen rheinischem und westfälischem Karneval. „Nun ja“, sagt er, „das große Pfund, mit dem die Kölner wuchern können, sind ihre Lieder.“ Die Westfalen hingen in dieser Hinsicht ein wenig hinterher. Dagegen seien die Tänze die große Stärke der Westfalen.

Und wie sieht es beim Thema Fröhlichkeit aus? Manfred Gies muss herzhaft lachen: „Die Westfalen brauchen ein bisschen länger, bis sie auf Touren kommen“, sagt er, „aber wenn sie dann auf Touren sind, stehen sie den Rheinländern in nichts nach.“

Menden ist eine Hochburg des närrischen Frohsinns in Westfalen. „Eine Fügung der Geschichte“, nennt es Gies, dass das katholische Menden - wie auch Balve - zu einer karnevalistischen Enklave im Märkischen Kreis geworden ist. Menden gehörte einst zu Kurköln.

Kornblumenblau Menden ­wurde wie viele Karnevals­gesellschaften kurz nach dem ­Ende des Zweiten Weltkrieges ­gegründet. „Solche Vereine trafen damals den Zeitgeist“, sagt Gies. Nach den ­Entbehrungen des Krieges hätten die Menschen ein ­Bedürfnis nach unbeschwertem Feiern gehabt.

Auch in 50 Jahren wird es noch Karneval in Menden geben, ist sich Manfred Gies sicher. „Aber er wird sich verändern.“ Der Brauchtumsbeauftragte von Kornblumenblau zitiert den großen Dichter und Denker Goethe: „Karneval ist ein Fest, das dem Volke eigentlich nicht gegeben wird, sondern das sich das Volk selbst gibt.“ Ergo wird das Volk die fünfte Jahreszeit weiter entwickeln.

Jubel um das Dreigestirn

Zuvor aber werden die heimischen Karnevalisten am kommenden Freitag dem Kölner Dreigestirn zujubeln. Und womöglich auch dann an den alten Goethe denken. Wie sagte dieser einst: „Wenn keine Narren auf der Welt wären, was wäre dann die Welt?“

Höhepunkt der alljährlichen närrischen Session in Menden ist der große Karnevalsumzug. Er startet am 15. Februar um 14 Uhr. Etwas Besonderes ist auch die närrische Ratssitzung, die immer am Rosenmontag stattfindet.

Rolf Hansmann

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