Die Jäger der fliegenden Untertassen von Lüdenscheid

Fliegende Untertassen gibt es allenfalls als Plastik-Spielzeug. Davon ist der Lüdenscheider Ufo-Forscher Hans-Werner Peiniger überzeugt.
Fliegende Untertassen gibt es allenfalls als Plastik-Spielzeug. Davon ist der Lüdenscheider Ufo-Forscher Hans-Werner Peiniger überzeugt.
Foto: MATTHIAS GRABEN
Seit mehr als 40 Jahren klärt der Lüdenscheider Hans-Werner Peiniger Himmelsphänomene auf. Im Sommer hat er besonders viel zu tun.

Lüdenscheid.. Venus funkelt knapp über dem Horizont. Dicht bei ihr leuchtet Jupiter. Ein Schauspiel, das in den vergangenen lauen Sommernächten, entspannt auf Terrasse oder Balkon sitzend, gut zu beobachten war.

Es sind die warmen Sommermonate, wenn die Menschen die Abende draußen verbringen oder im Urlaub sinnierend in den Sternenhimmel schauen, in denen Hans-Werner Peiniger besonders viel zu tun bekommt. „Im Sommer erhalten wir mehr Meldungen als im Winter“, sagt er. Dann wird in dunstiger Luft die scheinbar blinkende Venus schon einmal für ein Ufo gehalten, ein unidentifizierbares Flugobjekt. Diese zu identifizieren – das hat sich Hans-Werner Peiniger zur Aufgabe gemacht, seitdem er 15 Jahre alt war.

Damals verbrachte Peiniger die Nächte mit der Taschenlampe am Fenster und versuchte, Lichtbotschaften in den Himmel zu senden. „Ich war davon überzeugt, dass der ganze Weltraum bevölkert ist“, erinnert sich der heute 58-Jährige.

Zwei Meldungen pro Woche

1972 gründete Peiniger in Lüdenscheid den Ufo-Jugendclub. Mittlerweile ist daraus die „Gesellschaft zur Erforschung des Ufo-Phänomens“ geworden. Denn es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwo auf der Welt ein Ufo gesichtet werde, so Peiniger. Und keine Woche, in der bei der Lüdenscheider Gesellschaft nicht mindestens zwei fliegende Untertassen gemeldet werden. Die Ufo-Forscher, allesamt Amateure, haben es sich zum Ziel gesetzt, zu erklären, was tatsächlich hinter den vermeintlichen Ufos steckt.

Wie zum Beispiel hinter dem Objekt, das zwei Schüler in Thüringen im Jahr 1994 mit einer Polaroid-Kamera verschwommen aufgenommen hatten. Ein elliptisches Gebilde am blauen Himmel. Wissenschaftler aus München analysierten die Bilder, kamen zu dem Schluss, dass sie nicht gefälscht seien. Dass das Objekt tatsächlich flog, nicht etwa an einem Faden hing. Und dass es mehrere Meter groß war.

In 90 Prozent der Fälle gibt es sehr irdische Aufklärung

Hans-Werner Peiniger aber, ein ruhiger, sachlicher Mensch, blieb skeptisch. Wochenlang klapperte er die Spielzeugläden in der Region ab, um dann für eine Mark in einer Grabbelkiste ein gerade einmal 20 Zentimeter großes Plastik-Raumschiff zu entdecken, das dem Objekt auf den Polaroid-Fotos ähnelte. Er rief die Jugendlichen an, konfrontierte sie mit seinem Verdacht, dass sie das Spielzeug in die Luft geworfen und so die Wissenschaftler genarrt hatten. Die beiden gaben es drucksend zu.

Für 90 Prozent aller vermeintlichen Beobachtungen finden die Hobbyforscher am Ende eine ganz irdische Erklärung. Dafür analysieren sie Fotos, wenn es welche gibt. Sie befragen Zeugen genau nach ihren Beobachtungen. Sie recherchieren Windgeschwindigkeit und Windrichtungen. Sie holen Daten von der Flugsicherung und von Militärbehörden ein. Sie rekonstruieren, wie der Sternenhimmel am Abend der Beobachtung aussah. Sie klären, ob sich ein Modellflugzeugplatz in der Nähe befindet. „Ganz selten müssen wir herausfahren, Bodenproben nehmen, Rasen analysieren“, so Peiniger.

Ballons, Flugzeuge, Planeten

Am Ende stellen sich die blinkenden Ufos als vom Wind getriebene gasbefüllte Folienballons heraus, die die Sonne reflektieren. Als Flugzeuge mit eingeschalteten Landescheinwerfern. Oder als Venus.

Mal dauert es nur ein paar Minuten, mal einige Wochen oder Monate, manchmal viele Jahre. 90 Prozent alle Fälle klären die Ufo-Forscher auf. In acht Prozent aller Fälle fehlen ihnen Daten, um ihre Vermutung zu erhärten. Nur zwei Prozent der Phänomene lassen sich nicht erklären.

Dass es sich dabei um Ufos handelt – das allerdings glaubt Peiniger nicht. Er steht nicht mehr nachts mit der blinkenden Taschenlampe am Fenster, weil er weiß, dass in erreichbarer Nähe der Erde keine Aliens unterwegs sind. „Aber irgendwo im Weltall wird es eine zweite Erde geben und eine außerirdische Zivilisation.“