Die Dortmunder wollen ihren „Kloppo“ unbedingt festhalten

Dortmund..  Sie müssen ihn sprechen, jetzt sofort, er soll doch gleich kommen, der „Kloppo“! Also eilen sie zum Stadion, René, damit „hinterher keiner sagt, wir hätten es nicht versucht“, und Katharina, am ganzen Körper bebend: „Ich muss ihn aufhalten!“ Doch wie er da vorfährt um drei Minuten vor halb zwei in seinem mattschwarzen Opel-Dienstwagen, rasant um die Kurve: Jürgen Klopp ist nicht mehr aufzuhalten.

Dortmunds Trainer nimmt seine Pöhler-Kappe (im Fanshop übrigens zu 19,95, so lange der Vorrat noch reicht), Dortmund trauert. „Sehr, sehr traurig“ ist Ursula Dörsing, die zum 85. Geburtstag gerade ein Mannschaftsposter bekam: mit Klopp. „Ich hoffe, dass das nicht das Ende meines Vereins ist.“

„Total traurig“ ist Grith, die „Schiss“ hat, „dass es nun nicht mehr schön wird“. – „Betroffen“ ist BVB-Archivar Gerd Kolbe, der an diesem Tag eine Stadionführung für tschechische Schüler macht, die seine Aufregung gar nicht verstehen. – „Schon traurig“, sagt Andrea aus Sachsen, „den kennen wir ja sogar.“ Und Frederik, der Student, „kann’s nicht fassen“. Oder will nicht.

Erklärungsversuche für Gäste

So ist das mit den Gefühlen an diesem Mittwochmittag vor dem BVB-Stadion. Trauer, Fassungslosigkeit, zuweilen auch ausgedrückt in klarer Fan-Sprache: „Mist, Mist, Mist!“ Oder „Ich kotze!“ Oder „Einfach scheiße“. Und dann fließen tatsächlich Tränen, in der Kneipe nebenan, wohin die Abschiedsrede übertragen wird, im Fanshop, wo eine Menschentraube vor dem Fernseher hängt.

Und was, bitte, hat sich Klopp gedacht? „Ich dachte, ich hör’ nicht richtig“, sagt Katharina Winkelmann – die Frau, die in Dortmund das schwarz-gelb getünchte „BVB-Haus“ bewohnt. „Wenn ich sehen würde, der hat keinen Bock mehr . . . Aber ich sehe von der Süd, wie er fiebert: Sein Herz ist immer noch schwarz-gelb!“ Auf die Schnelle hat Katharina ein Schild gemalt: „Klopp trägt den BVB im Herzen.“ Sie würde ihm das gern zeigen, ob es ihn noch umstimmen kann? „Ich will, dass er bleibt!“

„Nicht Klopp, die Mannschaft hat sich verändert“, sagen die Leute, und wenn sie jetzt doch wütend werden, dann auf die Spieler. „Gündogan hat seinen Kopp schon im Ausland“, glaubt Frau Winkelmann, und dass die Mannschaft kein Pressing mehr kann: „Ist verdammt-noch-mal nicht Klopps Schuld!“ Blöd, findet Jana, „dass immer als erstes der Kopf ab kommt“. Schließlich habe, wie René sagt, der Trainer hinter dem Team gestanden. „Der tut mir total leid. Die sind alle so blöd und reißen sich nicht den A... auf.“ Nun aber werden sie gehen, Hummels bestimmt, Reus vielleicht, wie schon Götze. „Hat alles angefangen“, glaubt Ursula Dörsing, „als die Bayern uns unseren Lewandowski weggenommen haben.“

So reden sie und können doch nichts mehr ändern. Am Fuß eines kahlen Bäumchens bleibt vor dem Stadion eine gelbe „Pöhlerchen“-Kappe zurück. Zerknickt, wie ein verwelktes Trauer-Gesteck.