Die besten Motorradrouten für das Sauerland

Peter Klingeberg aus Arnsberg zeigt es an: Laut ist out im Sauerland.
Peter Klingeberg aus Arnsberg zeigt es an: Laut ist out im Sauerland.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Sauerland-Tourismus stellt sein neues Roadbook vor. Kampagne „Laut ist out“ gegen Motorradlärm gestartet. Polizei arbeitet bei Routenplänen mit

Meschede.. Der Fickeltünnes. Sie kennen ihn nicht? So nennt der Sauerländer den Heiligen Antonius. Auf seinen Spuren können die Motorradfahrer wandeln. Sie starten in der St. Antonius-Kirche in Möhnesee-Günne, besuchen die Kirchen des Heiligen in Arnsberg-Herdringen, Eslohe-Bremke, Schmallenberg-Fleckenberg oder in Sundern-Allendorf. Pilgern mit viel PS und dem Lärm einer Rakete auf zwei Rädern?

Eben nicht.

Die neue Tour im Roadbook vom Sauerland-Tourismus - die fünfte Auflage erscheint mit 30 000 Stück - richtet sich nicht an Raser. Oder doch: „Vielleicht regen die Abbildungen des Heiligen Antonius die Motorradfahrer dazu an“, sagt Eckhard Henseling, stellvertretender Geschäftsführer des Sauerland-Tourismus, „über sich und ihr Unfallrisiko nachzudenken und um Schutz und Begleitung zu bitten.“ Zweifelsfrei. Nötig wäre es.

Bilanz des Schreckens

Die Raser unter ihnen liefern in der Region eine Bilanz des Schreckens ab. Auch in diesem Jahr. Beispiel Hochsauerlandkreis: 61 Unfälle mit Beteiligung von Motorradfahrern. 5 Tote, 38 Schwerverletzte und 19 Leichtverletzte. „Die Toten waren alle Einzelfahrer“, sagt Josef Jakobi (58), Direktionsleiter Verkehr der Kreispolizeibehörde in Meschede. Hauptunfallursache? Abkommen von der Fahrbahn bergab in einer Linkskurve.

Nein, abschaffen kann man die Linkskurven im Sauerland nicht. Sie werden bleiben. Vielleicht lässt sich in den Köpfen der Lärmtüten und Knallbüchsen, wie die Raser auch gerne genannt werden, etwas ändern. Mit Unterstützung und Hilfe der Polizei aus dem Hochsauerlandkreis, dem Kreis Olpe und dem Märkischen Kreis will das Roadbook den Kreis derer erweitern, die die Landschaft lieben und entspannt durch die Gegend fahren. „Das Sauerland ist das Kurvenparadies“, sagt Henseling. „Wer Rennen fahren will, gehört nicht ins Sauerland.“ Aber er kommt. Zum Ärger der Anwohner und der Polizei. Der Dezibel-Schock wirkt lange nach.

Training für Rennen in Assen

„Wir unternehmen im Rahmen unserer personellen Möglichkeiten alles, um sie auszubremsen“, sagt der Olper Polizei-Chef Diethard Jungermann. „Wir fahren hinterher, wir lasern.“ Aber auch die Polizei sei machtlos, wenn sich per Knopfdruck das schnurrende Kätzchen in einen fauchenden Tiger verwandele, wenn auf Nachfrage nach den Motiven für die Raserei Training für das Rennen im niederländischen Assen genannt werde. „Abschreckend wäre es, die Maschine für eine Zeit stillzulegen. Aber das lässt sich offenbar nicht durchsetzen.“ Was bleibt? Die Hoffnung auf den Fickeltünnes.