Die Bahn forstet das Sauerland auf

Goldene Zeiten sollen für den Stadtwald in Werdohl anbrechen. Die Deutsche Bahn unterstützt den ökologischen Umbau des Waldes.i
Goldene Zeiten sollen für den Stadtwald in Werdohl anbrechen. Die Deutsche Bahn unterstützt den ökologischen Umbau des Waldes.i
Foto: dpa
Sie würden „Tonnen von Papier sparen“, schreibt die Deutsche Bahn in einem Brief an ihre Bahncard-Kunden im Bundesgebiet. Jedem, der auf E-Mail-Kommunikation mit der Bahn umsteigt, pflanzt das Unternehmen einen Baum. Und zwar im Stadtwald im sauerländischen Werdohl. Eine Kooperation mit dem Verein „Bergwaldprojekt“.

Werdohl.. Die Infopost erreicht die Haushalte „im klimaneutralen Versand mit der Deutschen Post“. Es sind freundliche Worte, die an das Bahnfahrer-Volk gerichtet sind: „Starten Sie mit einer guten Tat ins neue Jahr!“ Oder: „Mit einem kleinen Schritt die Welt verbessern.“ Hier: Mit Hilfe der Bahn-Kunden könne man die natürliche Vegetation in Werdohl wieder herstellen. Die von der metallverarbeitenden Industrie geprägte Stadt im Märkischen Kreis war bislang nicht unbedingt als grüne Lunge des Sauerlandes bekannt.

Flache Wurzeln

Als der Orkan Kyrill vor acht Jahren sein Unwesen trieb, musste der Stadtwald riesige Verluste an Fichten-Beständen hinnehmen. Das Nadelholz, erklärt Kevin Hauser vom Forstbetriebsbezirk Werdohl, neigt zur flachen Verwurzelung - mit fatalen Folgen bei einem „Jahrhundert-Sturm“ wie Kyrill: Viele Fichten brachen wie Kartenhäuser zusammen.

Womöglich hatten die Marketing-Experten der Bahn dieses Szenario vor Augen, als sie den Slogan „Tanne statt Tonne“ für die Baumpflanzaktion im Sauerland wählten. Ein Slogan, der nicht wirklich den Gegebenheiten entspricht: Denn an den alten Kahlflächen kommen standortheimische Laubbaumarten in die Erde. „Zum Beispiel Rot- und Hainbuche, Traubeneiche, Vogelkirsche und Bergahorn“, erläutert Hauser. „Die sind viel stabiler als Fichten, weil die Wurzeln auch in tiefere Bodenschichten eindringen.“ Zumal sich rund um Fichten wenig Vegetation entwickelt. Laubwälder dagegen sind wertvolle Lebensräume für viele seltene Tiere und Pflanzen.

Mehr als 20 000 Bäume wurden seit 2008 in Werdohl durch das Bergwaldprojekt gepflanzt. Projekt-Sprecher Peter Naumann: „Über Kooperationen mit der Deutschen Bahn zum ökologischen Umbau des Stadtwaldes sind bis heute 3000 Bäume finanziert worden.“ In Bezug auf die Bahncard-Aktion hofft man auf viele E-Mail-Anmeldungen: „Minimum 3500 Bäume sollen in einer Projektwoche vom 5. bis 11. April in Werdohl gepflanzt werden,“ sagt Naumann. Veranschlagt sind Kosten von 5 Euro pro Baum - für das Pflanzgut, den Transport und die regelmäßige Pflege.

Ökologische Verantwortung

Was steht hinter dem Bahn-Engagement für den Wald? „Das Unternehmen will seine gesellschaftliche und ökologische Verantwortung zeigen“, so Peter Naumann. Was die Krombacher Brauerei einst konnte, kann auch die Bahn: Statt „Trinken für den Regenwald“ heißt es jetzt „Bahnfahren für den Sauerländer Wald“.