Der Schampus schmeckt Beckmann noch nicht

David Beckmann in Spa Francorchamps am Mikrofon
David Beckmann in Spa Francorchamps am Mikrofon
Foto: Susanne Rossbach
Was wir bereits wissen
  • David Beckmann sieht sein erstes Jahr in der Formel 3 kritisch
  • Sein Teamchef ist über den Hagener jedoch voll des Lobes
  • Der 16-Jährige will 2019 in der Formel 1 fahren

Hagen..  Peter Mücke versuchte erst gar nicht, sich an die genaue Zahl zu erinnern. Zu viele Rennfahrer bildete der 69-Jährige in der Vergangenheit aus, als dass er sie hätte zählen können. „Es werden so 130 Fahrer gewesen sein“, sagte Mücke und Szenekundigen fielen spontan die Namen späterer Stars wie Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, Sergio Perez oder Pascal Wehrlein ein. Trotzdem erklärte der Motorsport-Boss lobend, fast sogar schwärmerisch: „So einen Riesenschritt habe ich noch nie mit jemandem gemacht.“

Weder Vettel noch irgendein anderer Fahrer aus der Mücke-Schule stieg nach nur einem Jahr Formel 4 in die Formel 3 auf – David Beckmann tat dies vor Jahresfrist und beendete am vergangenen Wochenende auf dem Hockenheimring seine erste Saison in der Formel-3-Europameisterschaft.

In der Gesamtwertung der Formel 3 belegt Beckmann Rang 15, die Rookie-Wertung führt den Hagener auf Platz sieben. Im ersten Moment hört sich das eher durchschnittlich an. Peter Mücke allerdings sagte: „Der Junge hat einen super Job gemacht.“ Schließlich ist Beckmann gerade mal 16 Jahre jung und damit der jüngste Fahrer der Rennserie – und die ersten beiden Rennwochenende mit insgesamt sechs Läufen verpasste er als damals erst 15-Jähriger.

Ein Lehrjahr für Beckmann

Eine gehörige Portion Zweifel klang deshalb in Mückes Stimme mit, als er im vergangenen Jahr über den von David Beckmann unbedingt gewollten Aufstieg in die Formel 3 redete. „Ja, ich war skeptisch“, sagte er nun. „Denn die Erfahrung hat uns gezeigt, dass die Jungs lieber zwei Jahre in der Formel 4 fahren sollten. Aber David ist mit seiner Vorgeschichte besser dran. Er kann diesen enormen Sprung als Typ und als Fahrer besser verkraften als andere.“

Der Hagener, der 2014 deutscher Meister im Kart geworden war und sich in der Formel-4-Saison 2015 auf Anhieb die Rookie-Meisterschaft sowie Platz fünf im Gesamtklassement sicherte, verfolgt allerdings auch ein höchst ambitioniertes Ziel: 2019 möchte David Beckmann in einem Formel-1-Cockpit sitzen.

„Für meine Entwicklung war es gut, im ersten Jahr der Formel 3 – Entschuldigung! – auf die Fresse zu kriegen“, sagte Beckmann nun selbst nach dem abschließenden Rennen der Europameisterschaft auf dem Hockenheimring – und provozierte damit Fragezeichen.

Jede Menge Fragezeichen.

Hatte nicht sein Teamchef Peter Mücke...? Hatte Beckmann nicht nach einem Rennen in Zandvoort/Niederlande und auf dem Hockenheimring jeweils auf dem Podium gestanden und einen dritten Platz gefeiert? In der Rookie-Wertung stand er sogar mehrfach auf dem Siegerpodest.

Gruß an Mick Schumacher

Das alles stimmt. Und dennoch hatte der ehrgeizige und vielleicht talentierteste Nachwuchsrennfahrer Deutschlands mehr von sich erwartet. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Umstellung so schwierig sein würde“, sagte Beckmann.

Die rund 250 PS starken Motoren, die höhere End- und Kurvengeschwindigkeit der Formel-3-Rennwagen – all das brachte den 16-Jährigen teilweise fast an die Grenze seiner Physis, obwohl sich mit Daniel Philipp ein Fitnesstrainer speziell mit ihm befasst.

„Mein erstes Podium in der Formel 3 beim Rennen in Zandvoort, auf einer Strecke, die ich zuvor nie gefahren bin, war natürlich der Saison-Höhepunkt“, sagte Beckmann zurückblickend. An das Wochenende im italienischen Imola erinnert er sich aber nicht mehr so gerne. „Der Tiefpunkt – da wäre deutlich mehr drin gewesen als der neunte Platz im dritten Rennen.“

Doch – aufgearbeitet und abgehakt. „Unser Ziel ist immer noch, dass ich im nächsten Jahr in der Formel 3 vorne mitfahre. Deshalb war die erste Saison gut, um zu lernen, wie man konstant die perfekte Runde fährt“, erzählt der Gymnasiast. Dass er voraussichtlich wieder auf seinen alten Rivalen als Kart-Zeiten, Mick Schumacher, treffen wird, lässt David Beckmann fast unbeeindruckt. „Ich habe ja nichts gegen Mick, aber es wird für ihn nicht so einfach wie in der Formel 4“, sagte der Hagener, in dessen Stimme ein „Ich weiß es aus eigener Erfahrung“ mitklang.